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Marburg Auf das Leben – auf die Freundschaft
Marburg Auf das Leben – auf die Freundschaft
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08:01 30.07.2018
Symbolfoto: Zwei Freundinnen genießen einen Sonnenuntergang. Quelle: Patrick Pleul
Marburg

„Wir brauchen nicht nur eine Partnerschaft, sondern ein soziales Dorf“, sagt der Berliner Psychologe und Buchautor Wolfgang Krüger. „Die Bedeutung von Freundschaften wächst. Wir wollen Beziehungen, die gleichzeitig verlässlich sind und frei gewählt.“

Die Anzahl ziemlich bester Freunde bleibt nach Krügers Recherchen dennoch klein – selten seien es mehr als drei. Dazu kämen zwölf Durchschnittsfreundschaften. „Alles andere sind Bekannte mit einer gewissen Form von Innigkeit.“ Eine Annäherung an ein Phänomen:

Beste Freundinnen: Für Psychologen ist das keine hohle Phrase, auch wenn es Zickenkriege gibt. „Frauen investierten viel in Freundschaften, Zeit und Fantasie“, sagt Krüger. 

Über zwei Drittel aller Frauen hätten eine intensive Herzensfreundschaft, in der sie über alles reden könnten – manchmal lebenslang. Mit dem Alter wachse oft die Qualität von Freundschaften. „Weil wir an Menschenkenntnis dazugewinnen, an Toleranz und an Humor.“

Männerfreundschaften: Unter Männern pflegt nach Krügers Recherchen nur ein Drittel Herzensfreundschaften. Männer hätten oft eher Kumpelbeziehungen, in denen es um Fußball oder Autos gehe. Ist es heute leichter, in einer Männerfreundschaft Schwäche zu zeigen? „Ich fürchte, dass der heutige Zeitgeist eher bewirkt, dass Männer stark sein wollen und Schwächegefühle meiden“, sagt Krüger.
Gesamtgesellschaftlich zeige sich eine Tendenz zum Machowesen. Daran seien Frauen nicht ganz unschuldig. Sie bewerteten die klassische Alpha-Eigenschaft „Status“ in Form des beruflichen Erfolgs als besonders männlich, dazu gleichrangig heute aber auch eine liebevoll gelebte Vaterrolle. „Frauen erträumen sich einen Alpha-Softie.“

Aber wo finden wir eigentlich unsere Freunde fürs Leben?

Die meisten Deutschen knüpfen Freundschaften im Job. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Yougov hervor. 45 Prozent lernten demnach Freunde bei der Arbeit kennen. Danach folgten weiterführende Schulen, die Ausbildung, das Studium oder die Grundschule (je rund 20 Prozent) und Hobbys (21 Prozent).

Über die Schule habe man als junger Erwachsener die meisten Freunde, sagt Soziologe Janosch Schobin von der Universität Kassel. Bis zur Geburt des ersten Kindes nehme die Zahl dann langsam ab, weil man sich dann zunehmend auf Partnerschaft und Familie konzentriert. Dann bleibe der Freundeskreis bis zum Auszug der Kinder etwa gleich groß – bis die Freunde langsam wegsterben.

Über soziale Netzwerke lernt mittlerweile jeder Zehnte Freunde kennen. Obwohl inzwischen viele jeden Tag stundenlang auf Instagram, Facebook und anderen Plattformen verbringen, denken den Angaben nach 74 Prozent, dass man echte Freundschaften nur offline führen kann.

Immerhin jeder Fünfte hat Freunde über das Internet kennengelernt, die er persönlich noch nie gesehen hat. Diese Zahl wird laut Schobin wahrscheinlich zunehmen. Meist handele es sich bei Menschen mit reinen Internet-Freunden um junge Männer, die sich über Online-Videospiele kennengelernt hätten. „In den Spielen ist man aufeinander angewiesen – sonst stirbt man“, begründet Schobin. „Da entwickeln sich starke Freundschaften.“ Viele telefonierten täglich und schenkten sich Dinge.
Durchschnittlich haben die Deutschen nach eigenen Angaben 3,7 enge Freunde. Elf Menschen zählen sie zu ihrem größeren Freundeskreis.

Jeder braucht mindestens einen guten Freund. Jemand, dem man sein Herz ausschütten kann und der da ist, wenn man ihn braucht. In dieser Galerie zeigen sich OP-Leser mit ihren besten Freunden. 

Nicht nur die Wissenschaft war fleißig beim Thema Freundschaft, sondern auch die OP-Leser. Per E-Mail und über verschiedenste soziale Kanäle haben Nutzer ihre Fotos und Geschichten an die Redaktion gesendet. Der Großteil der Einsendungen enthielt ein einfaches Dankeschön an ganz besondere Menschen, die eine ganz besondere Rolle im Leben des Absenders einnehmen.

von Dennis Siepmann und unserer Agentur