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Marburg Junge Gangmitglieder begeistern
Marburg Junge Gangmitglieder begeistern
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00:19 31.08.2018
Die Swinging Wodka Lemon Gang spielte im Erwin-Piscator-Haus vor rund 400 Menschen. Quelle: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Da muss man nach einem Konzert zu Ehren des verstorbenen Jazz-Trompeters John Coppola nur etwas trinken und schon hat man die Schnaps- ­beziehungsweise die Weinidee: Warum nicht mal Jazz zusammen mit Jugendlichen machen? So geschehen bei der Swinging Wodka Lemon Gang im vergangenen Jahr, wie Trompeter Michael Schneider erzählte.

Die beiden damaligen Solisten Lisa Pollard-Coppola und Joe Wulf wollten sofort wieder mit dabei sein und am Samstag wurde daraus ein grandioser Abend im Erwin-Piscator-Haus.Ein ebenso außergewöhnliches wie wunderbares Projekt sei die Zusammenarbeit mit den jungen Musikern aus dem Jazz-
Ensemble der Steinmühle gewesen, sagte Hannes Kleinhenz von der Swinging Wodka Lemon Gang.

„Das hat alle unglaublich bereichert“, sagte der Saxophonist. Man habe zuvor bei den Konzerten gesehen, dass das Publikum ja „uralt“ sei, erklärte Kleinhenz augenzwinkernd; ähnlich wie die Musiker selbst. Jetzt am Samstag hätte die ­erweiterte „Gang“ ein gewaltig 
gesenktes Durchschnittsalter erreicht.

Uralte Form des Jazz

Tom Herfert, Talea Funk, Fynn Konnertz, Samuel Ruff und Martin Winterstein waren der Extra-Spritzer Limone im Band-Cocktail und ließen die Musik noch ein bisschen frischer klingen. Lisa Pollard-Coppola spielte ebenfalls mit und ­animierte im Zweifel die jungen Musiker neben ihr zu einem Solo, das sie sonst so nicht gespielt hätten. „Das ist die uralte Form des Jazz, wo beim ­Spielen ­etwas spontan entsteht, das vorher keiner geplant hat“, 
kommentierte Kleinhenz.

Pollard-Coppola war ­extra aus San Fransicso angereist und war schwer begeistert. Nicht nur, weil aus dem Publikum der Zuruf „Lisa, you’re the greatest“ kam. Es gäbe keinen 
Ort, an dem sie lieber wäre, 
gab sie zurück. Seit Anfang der 2000er Jahre verbindet die Musikerin wie auch ihren 2015 verstorbenen Mann John Coppola eine Freundschaft mit der Swinging Wodka Lemon Gang.

Und Joe Wulf ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, mit seinen „Gentlemen of Swing“ wieder nach Marburg zu kommen. Wobei unter den Gentlemen sogar ein Marburger ist, nämlich Michael Ehret.

Der Schlagzeuger begeisterte die knapp 400 Besucher im Erwin-Piscator-Haus mit einem grandiosen Solo bei der „Mardi Gras Parade“ und auch sonst gab es bei jedem Stück Szenenapplaus für die Musiker – völlig verdient.

Joe Wulf und seine Gentlemen (Michael Ehret, Peter Finken, Sven Hack, Ralph „Mosch“ Himmler, Michael Meranke und Jochen Schaal) waren bestens gelaunt und was sie zum Besten gaben, kann sich in jedem New Yorker Jazz-Club und auf jeder Parade in New Orleans hören lassen. Bei einigen Stücken wurden auch sie von Lisa Pollard-Coppola begleitet.

„I want to be happy“? Kein Kunststück an diesem Abend. Und im Zweifel klingt auch etwas, das man auf einer alten Schellack-Platte 
wiederentdeckt hat, wie „On the Alamo“, einfach wunderbar.

Zum Schluss standen dann alle Akteure für ein großes Finale gemeinsam auf der Bühne. Hannes Kleinhenz, Michael Schneider, Arno Funk, Frank Weller, Ernst Prall, Johannes Prall, Wolfgang Schekanski und Parvis Rhabarnia zauberten mit ihren Gästen ein fantastisches Programm. Entsprechend fiel der Jubel am Ende aus. ­Arno Funk, mit 90 Jahren der älteste Akteur, bekam stehende 
Ovationen.

von Nadja Schwarzwäller