Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Der erfüllte Traum vom Mini-Theater
Marburg Der erfüllte Traum vom Mini-Theater
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 28.11.2018
Zwei Marburger Schauspieler feiern im wohl kleinsten Schauspielhaus Mittelhessens Erfolge: Maximal 18 Zuschauer fasst das Mini-Theater.  Quelle: privat
Marburg

Seit etwa fünf Jahren arbeiten Skurski und Raschke zusammen und „inszenieren die Orte, an denen sie spielen, neu“, so sagt es Skurski. Vor rund drei Jahren wurde in der Ketzerbach eine ehemalige Bücherei – ein Haus, in dem vor vielen Jahren auch mal ein Videospiel-Verleih beheimatet war – kurzerhand zum Theaterraum umgestaltet. „Ich wohne direkt gegenüber und habe schon lange ein Auge auf das leerstehende Geschäft geworfen, bis wir dann irgendwann unser Studio hier aufbauten“, sagt Skurski.

Das Wort „aufbauen“ ist hier wörtlich gemeint. Ursprünglich war das Geschäft nämlich ein einziger Raum, den die zwei Theaterkünstler mit Trennwänden versahen und so verschiedene Räume erschufen, deren Atmosphären unterschiedlicher nicht sein könnten. Von einer klassischen Bestuhlung bis hin zu einem mit Alufolie komplett eingekleideten Raum, der beim Zuschauer ein etwas beklemmendes Gefühl auslöst, spielen die Theatermacher mit den Ausstattungen ihrer Räumlichkeiten.

Sie selbst beschreiben ihr Werk als „rauminstallative Kunst“ oder als „Experimentierraum“, in der sie verschiedenste Stücke inszenieren. Alle Inszenierungen werden von den beiden Theatermachern selbst vorbereitet und gespielt, von technischen Installationen und Abläufen bis zur schauspielerischen Leistung und Regie legen die beiden selbst Hand an. Der innovative Grundgedanke der beiden Schauspieler steht im Zentrum ihres Schaffensprozesses. „So eine Art von Theater gibt es bisher in dieser Gegend nicht und ist auch in ganz Deutschland kaum verbreitet“, sagt Laurenz Raschke, „wir hätten unser Vorhaben auch in Berlin ausleben können, haben uns aber bewusst für Marburg entschieden“.

Ein illegales Wettbüro zur Fußball-WM

Die Studioinhaber setzten sich schon früh mit der Theaterkunst auseinander. In der Schulzeit in Theater-AGs erfolgreich teilgenommen, machte Raschke eine Ausbildung zum Bühnenbildner sowie zum Schauspieler, während Skurski in Berlin eine Regieassistenz antrat. Schnell wurde Skurski jedoch klar, dass er es nicht bei der „klassischen“ Regie belassen wollte und erschuf mit Raschke das etwas andere Theatererlebnis. Zur Zeit studieren die beiden Theaterwissenschaften an der Uni­versität in Gießen.

Die zwei jungen Männer sagen, sie wollen die Kulturlandschaft bewusst erweitern und etwas Innovatives schaffen. „Während der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft inszenierten wir sogar ein ‚illegales Wettbüro‘, dort wurden die Zuschauer von uns als Kellner bedient, während sie das Spiel im Studio verfolgten, zum Teil ohne dass sie wussten, was davon inszeniert wurde“, sagt Raschke, „wir arbeiten gerne mit dem Überraschungsmoment“. Somit werden die Zuschauer zum Teil des Geschehens, ohne dass das Studio Beisel zum Mitmachtheater erklärt werden kann.

Konventionelle Gewohnheit wird hinterfragt

Da das Studio sehr klein ist, ist auch die Zuschauerzahl begrenzt. Ihre neueste Inszenierung von Schillers Räubern sei mit der maximalen Anzahl an Zuschauerplätzen – das sind ganze 18 Plätze – verhältnismäßig groß, berichten die beiden Schauspieler. „Wir haben auch schon vor nur fünf Personen gespielt, das ist immer ganz unterschiedlich“, sagt Raschke.

Wer nun jedoch glaubt, er befände sich bei der Inszenierung der Räuber inmitten eines klassischen Theaterstücks, der ist weit gefehlt. Natürlich wollten Kajetan Skurski und Laurenz Raschke nicht zu viel preisgeben. Was sie jedoch verraten können ist, dass sie die „konventionelle Theatergewohnheit hinterfragen“ und so den klassischen Stoff in die Situation einbauen, sodass die Schranken zwischen Realität und Fiktion verschwimmen.

„Die Räuber“ laufen noch bis zum 15. Dezember im Studio Beisel (Ketzerbach in Marburg). 

Mehr Infos, Termine und Karten für Vorstellungen gibt es im Internet unter studiobeisel.com und unter 0176/78 02 32 92.

von Larissa Pitzen