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Ohne Swing ist alles bedeutungslos

Studierenden-BigBand begeistert im KFZ Ohne Swing ist alles bedeutungslos

Kann man sagen, eine Band hat das Haus gerockt, auch wenn es gar nicht um Rock geht, sondern um Swing? Man kann. Die Studierenden-BigBand ist der Beweis.

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Die Studierenden-BigBand hatte ein volles Haus im KFZ. Domenika Buyuklieva ist die weibliche Stimme der Band.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Wenn es diesen „Swing” nicht hat, dann hat es auch keine Bedeutung. So könnte man „It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing“ übersetzen, was die Studierenden-BigBand sich als Motto für ihr jüngstes Konzert ausgesucht hatte.

Zwanzig Musiker, eine Sängerin und ein Sänger begeisterten gut 450 Zuschauer im KFZ, nachdem es schon auffordernden Applaus gegeben hatte, als es auf der Bühne kurz vor Ablauf des berühmten akademischen Viertelstündchens noch nicht losgegangen war.

„Was ich sehe ist ja eine absolute Freude“, stellte Bandleader Dirk Kunz mit Blick in den vollgepackten Zuschauerraum fest. Na klar, man freut sich auch, vor kleinerem Publikum zu spielen, dann ist es eben schön intim, aber so viele Leute – „das ist dann dreimal so schön wie sonst“. Und was von der Studierenden-BigBand dann zu hören war, das war ebenfalls eine absolute Freude: stilsicher, abwechslungsreich und launig dargeboten.

Die Traditionen kennen und ehren

Das erste Stück „Fun Time“ gab vom Titel her gewissermaßen schon mal die Marschrichtung für den Abend vor. Da mag der Jazz nach knapp hundert Jahren seiner relativ kurzen Geschichte immer wieder mal totgesagt werden, er lebt sehr wohl noch, wie Dirk Kunz betonte. Auch wenn man ihn in Deutschland inzwischen vielleicht etwas mehr suchen muss.

Aber schon immer sei es der Charakter dieser Musik gewesen, dass man die Traditionen kenne und ehre, aber auch immer wieder etwas Neues daraus mache. Die Big Band präsentierte Stücke, die die verschiedenen Stile und Stilistiken des Jazz illustrieren sollten. Das Programm stellt jedes Mal ein Komitee der Bandmitglieder zusammen – „eine höchst basisdemokratische Geschichte“, wie Dirk Kunz schmunzelnd erklärte.

Mit „Fun Time“ war ein Klassiker aus der Ära von Count Basie dabei, mit „Bird Count“ aber auch ein Stück der zeitgenössischen amerikanischen Komponistin Maria Schneider, in deren Jazz das mitschwingt, womit sie aufgewachsen ist, nämlich Einflüsse bis hin zum Death Metal.

Auch der Gesang kam nicht zu kurz

Natürlich darf auch Gesang bei einer Big Band nicht fehlen. Und welcher Name fällt einem da als erstes ein, wenn man an einen männlichen Sänger denkt? „Philipp?“, lautete der Zuruf aus dem Publikum.

Dirk Kunz war verwirrt: „Also, ich hatte da Frank Sinatra im Kopf, aber gut.“ Moritz Wagner war der Sinatra des Abends und sang „For once in my Life“. Sein weibliches Pendant Domenika Buyuklieva entließ die Zuschauer mit „My Heart belongs to Daddy“ in die Pause.

Zwei Stücke von Pat Methenys Grammy-prämiertem Album „Still life“ hatte die Big Band ebenso im Gepäck wie „A Night in Tunisia“, 1942 von Dizzy Gillespie geschrieben. Jedes Solo und jeder Solist wurden ­gefeiert, es gab Szenenapplaus, im hinteren Bereich des Saals wurde getanzt und selbst auf dem bestuhlten Rang noch ordentlich mitgewippt – mehr rocken kann man nur schwer.

Auch wenn es naturgemäß eine starke Fluktuation innerhalb der Band gibt, sei die aktuelle Besetzung wieder eine, von der Bandleader Kunz sagt: „Da bin ich stolz, vorne dran zu stehen“. Völlig zu recht.

von Nadja Schwarzwäller

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