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Marburg Studenten sollen kein Essen mitbringen
Marburg Studenten sollen kein Essen mitbringen
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11:52 04.12.2018
Studentenvertreter gehen gegen die neuen Schilder im Café der Universitäts-Bibliothek auf die Barrikaden. Quelle: Foto: Thorsten Richter
Marburg

Die neuen Schilder im Café "Colibri" sorgen für Unmut unter Studenten. Es sei "weder erforderlich noch angebracht, eigene Speisen oder Getränke hierher mitzubringen und hier zu verzehren", ist da zu lesen.

Für Studentenvertreter ein Unding. Inbesondere, weil es für Studenten, die ihr Pausenbrot nicht gerade draußen im Regen verspeisen möchten, zu wenige Alternativen zum Café gibt. So jedenfalls liest sich der Beitrag, den der Asta auf Facebook teilt.

Darin äußern die Studentenvertreter Verständnis dafür, dass das Studentenwerk das Café wirtschaftlich betreiben muss. Die Schilder schössen gleichwohl übers Ziel hinaus. Der Asta spricht von Konsumzwang, der die Selektion des Hochschulsystems verschärfe. Schließlich bliebe der Regenerationsraum nun den Studenten vorbehalten, die das nötige Kleingeld für Café-Speisen haben. 

Der Asta nimmt die Schilder zum Anlass, gleich auch gegen Universität und Land Hessen zu wettern. Beide hätten beim Bau der im April eingeweihten Bibliothek die Interessen der Studenten zu wenig berücksichtigt, insbesondere deren Versorgung. Als Beleg führen sie an, dass die Zahl der Sitzplätze im Café zu gering sei, die Wartezeiten an der Theke dafür umso länger. 

Die Studentenvertreter fordern das Studentenwerk auf, das "Mitbring-Verbot" umgehend wieder aufzuheben. Und an die Universität appellieren sie, Stühle im Foyer der Bibliothek aufzustellen und so Plätze im Warmen zu schaffen, auf denen nicht nur gesessen, sondern auch gegessen werden darf. 

Studentenwerks-Sprecherin Franziska Busch sagt, sie könne den Unmut der Studierenden nachvollziehen. Allerdings ist das Studentenwerk ihrer Einschätzung nach der falsche Adressat für die Kritik. "Wenn es an Aufenthaltsräumen mangelt, kann das Café nicht die Lösung sein", sagt sie.

Bei den Schildern handele es sich im Übrigen nicht um Verbotsschilder, betont sie, sondern um einen Appell, Rücksicht zu nehmen. "Wir schmeißen niemanden raus, der sich Essen selbst mitbringt", versichert sie. Fakt sei aber, dass es in dem Café ein Platzproblem gibt. 

Je ungemütlicher das Wetter draußen, desto voller das Café, fasst sie die vergangenen Wochen zusammen. Kälte und Regen bescherten dem Café aber eben nicht nur Kunden, sondern auch Studenten auf der Suche nach einem warmen Plätzchen. 

"Das Café wird momentan stark als Aufenthaltsraum genutzt", sagt Busch. Aber dafür sei das Café mit 150 Sitzmöglichkeiten nicht ausgelegt. "Wir haben Gäste, die in einer Hand die Kaffeetasse und in der anderen den Kuchenteller halten und nicht wissen, wohin", sagt Busch. Deshalb die Schilder.

Wahrscheinlich ist, dass sich die Situation im Café demnächst entspannt. Denn die Universität will noch im Laufe des Wintersemesters etwa 50 Sitzegelegenheiten mit Tischen vor dem Café aufzustellen. Weitere Sitzgelegenheiten fürs Kalt-Atrium sollen im Laufe des Jahres folgen. Das teilt Dr. Gabriele Neumann, Pressesprecherin der Universität, auf OP-Anfrage mit.

Die Pläne sind nicht neu. Allerdings haperte es an der Umsetzung. "Die Anschaffung der Sitzgelegenheiten hat sich wegen intensiver Abstimmungen mit dem Brandschutz verzögert", sagt Neumann. Die Sicherheit der UB-Nutzer sei hier wichtiger gewesen als eine schnelle Lösung.

Den Vorwurf, dass beim Bau der UB die Interessen der Studenten nicht ausreichend berücksichtigt wurden, weist die Universität von sich. Das Studentenwerk betreibe das Café, sagt Neumann. Und das Studentenwerk lege die Regeln für die Benutzung selbst fest. Die Universität habe aber bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass die Öffnungszeiten des Cafés denen der Bibliothek möglichst angepasst werden sollten.

von Friederike Heitz