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Marburg Ins neue Jahr mit Polka und Drama
Marburg Ins neue Jahr mit Polka und Drama
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15:00 04.01.2018
Das Studenten-Sinfonieorchester begann das Jahr gewohnt schwungvoll. Quelle: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Eine Polka von Johann Strauß Vater, ein Marsch von Franz Schubert, musikalische Adler und Seefalken sowie Tipps, wie man das Herz eines Mannes entflammt – alles war mit dabei beim Neujahrskonzert des Studenten-Sinfonieorchesters (SSO). Unter der Leitung von Dirigent Ulrich Manfred Metzger bot das gut 60-köpfige Orchester ein tolles Konzert mit einer anspruchsvollen Mischung zum Start ins neue Jahr.

Schwerpunkt des Programms waren amerikanische Melodien, zum Beispiel aus dem ­Musical „Girl Crazy“ von George Gershwin oder aus der Musik des Films „Where Eagles ­Dare“ („Agenten sterben einsam“). Die Trump-Parole ­„Make America great again“ wurde von Theresa Winterer, die das Konzert moderierte, augenzwinkernd auf Marburg umgemünzt: „Make Marburg great again“. Wo doch das amerikanische Selbstverständnis auch schon in Stadt und Land angekommen sei? FDP-Chef Lindner ist neuerdings auch Model und Instagram-Star und Marburgs Kulturdezernent nebenberuflich Oberbürgermeister, scherzte Winterer.

Wunsch einer Besucherin wird prompt erhört

Los ging es mit Filmmusik von Erich Wolfgang Korngold aus dem Streifen „The Sea Hawk“ („Der Herr der sieben Meere“). Ordentlich amerikanisches „Drama, Baby, Drama“ gehörte zum Programm, aber natürlich dürfen auch Klänge aus Wien bei einem Neujahrskonzert nicht fehlen. Und in den Moderationen gab es immer mal wieder launige Seitenhiebe auf das lokale Geschehen in Marburg.

Nach Georgji Swiridows Walzer No. 2 aus „Der Schneesturm“ und dem ersten Auftritt von ­Sopranistin Marie-Pierre Roy als Ophelia aus Ambroise Thomas‘ Oper „Hamlet“ spielte das SSO zur Bauernpolka von Johann Strauß Vater auf. Deutlich getragener und melancholischer dann die „Elegie“ von Gabriel Fauré mit Lars Pescara am Cello. Fauré ist ein Komponist, der vor allem für seine Liebe für tiefe Instrumente bekannt ist. „Etwas mit mehr Schmiss wäre mir lieber“, kommentierte eine Besucherin. Und wurde prompt erhört und mit Schuberts „Militärmarsch No. 1“ in die Pause geschickt.

Ron Goodwins Filmmusik „Where Eagles Dare“ war dann der dramatische Auftakt des zweiten Programmteils, bei dem die Bläser brillierten, bevor Marie-Pierre Roy ihren zweiten Auftritt hatte – diesmal mit der Arie „Quel guardo il cavaliere“ aus Donizettis Oper „Don Pasquale“. Hätte Theresa Winterer nicht erwähnt, dass die Sopranistin gesundheitlich stark angeschlagen ist, wäre dies nur einem sehr geübten Ohr aufgefallen. Die Französin, die in Dijon und Stuttgart studiert hat, sorgte für Begeisterung beim Marburger Publikum und holte sich verdient großen Applaus ab.

Orchester wünscht sich mehr Unterstützung durch die Stadt

Nach einem Ausflug ins Musical „Girl Crazy“ von George Gershwin, dem Stück „Plink Plank Plunk“ von Leroy Anderson sowie Charles Villiers Stanfords „Irish Rhapsody No. 1“ war das reguläre Konzertprogramm abgehakt. Ohne Zugaben ließen die Besucher im ausverkauften Erwin-Piscator-Haus das SSO aber natürlich nicht von der Bühne. Langer Applaus, rhythmisches Trampeln und ab ging es nach Wien.

Wie beim großen Neujahrskonzert in der Heimat der Walzerkönige Strauß durfte der ­„Radetzkymarsch“ nicht fehlen. Und da klatschte das Publikum dann auch endlich einmal mit. Ein wenig mehr Enthusiasmus während der vorherigen Stücke hätte man dem tollen Studenten-Sinfonieorchester durchaus gewünscht. Der vom SSO selbst formulierte Wunsch für das Jahr 2018 lautete indes, dass das Orchester eine größere Würdigung seiner Leistungen durch die Universität erfährt.

Wer das Konzert verpasst hat, muss sich nicht ärgern: Zu den Semesterabschlusskonzerten spielen die Musikerinnen und Musiker am Dienstag, 30. Januar, und am Samstag, 3. Februar, im Audimax auf.

von Nadja Schwarzwäller