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Marburg Sanktionen oder Solidarität für Schulstreik
Marburg Sanktionen oder Solidarität für Schulstreik
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00:16 12.02.2019
An der Marburger Klimaschutz-Demo Mitte Januar – nach Vorbild der jungen Schwedin Greta Thunberg – nahmen etwa 300 Schüler teil.  Quelle: Björn Wisker
Marburg

Die Linken-Fraktion will, dass der Magistrat als Schulträger sicherstellt, dass die Teilnahme an den Demonstrationen keine negativen Konsequenzen für die Schüler hat – etwa durch die Eintragung unentschuldigter Fehlstunden durch Lehrer.

„Der Protest von Hunderten Schülern steht in einem größeren Zusammenhang. So ein zivilgesellschaftliches Engagement darf nicht bestraft werden, schon gar nicht in Schulen, wo neben Wissen auch das Eintreten für das Gemeinwesen, politische und demokratische Bildung vermittelt werden soll“, sagt Jonathan Schwarz, Stadtverordneter. Einige Lehrer stellten Schüler vom Unterricht frei, andere würden den Tag zum Projekttag erklären und wieder andere würden Fehlstunden eintragen.

"Streik darf nicht als moderne Pädagogik gelten"

Das sei eine „Ungleichbehandlung“, die der Magistrat „nicht zulassen darf“. Gerade für die Schüler, die sich nicht punktuell einmal zur Demo-Teilnahme entscheiden, sondern regelmäßig bei „Fridays for future“ mitmachen, könne es „folgenreiche Auswirkungen auf die Leistungsbewertung“ haben. Unklar ist, an welchen Schulen das vorgekommen sein soll.

Der CDU-Stadtverordnete Mathias Range hält grundsätzlich dagegen: „Streik darf nicht als moderne Pädagogik gelten, eine Unterrichtsteilnahme ist grundsätzlich Pflicht.“ Für eine gute Sache könne „auch außerhalb der Unterrichtszeit demonstriert“ werden. Es sei seitens der Demo-Organisatoren – die neben dem Schul- vor allem aus dem studentischen Bereich stammen – eher „völlig unredlich, eine Demo auf eine Uhrzeit zu legen, wo viele nicht teilnehmen können“.

Wenn die Kinder und Jugendlichen dann doch mitdemonstrieren: „Mit den Konsequenzen zu leben, gehört auch dazu, wenn man von etwas überzeugt ist.“ In München läuft gerade eine ähnliche Debatte, dort sprechen mehrere Schüler von Fehlstundeneintragungen, Nachsitz-Ankündigungen und gar Verweisdrohungen durch Schulleitungen.

"Teilnehmer sollen keine Nachteile erfahren"

Der Magistrat verweist hingegen auf „innere Angelegenheiten“ der Schulen, man dürfe und werde sich „nicht einmischen“, wie Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD) sagt. Der Magistrat könne sich jedenfalls schon mangels Zuständigkeit „genauso gut für die Mathematik-Abschaffung einsetzen“, sagt Range, und Lehrern würden gar dienstrechtliche Konsequenzen drohen, wenn sie nun die angefallenen Fehlzeiten als entschuldigt nachtragen – selbst auf Geheiß einer übergeordneten Institution.

Dr. Elke Neuwohner (Grüne) verlangt zwar, „dass die Teilnehmer keine Nachteile erfahren sollen“, dass die Jungen und Mädchen aber ebenso wenig von der Kommunalpolitik „vereinnahmt werden dürfen“ – aber das schimmere bei dem Linken-Ansatz heraus. Lisa Freitag, FDP-Stadtverordnete, warnt davor, einen Präzedenzfall zu schaffen: „Die Frage ist, wie oft man einschreiten soll."

Bei dieser einen Demo oder immer wieder, ständig und bei allen Protestanlässen? Bei der allerdings im Vergleich zu Mitte Januar deutlich geringer besuchten Demo vergangene Woche hielt – als Zeichen der ideellen Unterstützung durch den Magistrat – Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) eine Rede.

von Björn Wisker