Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Strafzettel statt Stellplatz nahe Ketzerbach

Parkplatz Schwund Strafzettel statt Stellplatz nahe Ketzerbach

In der Wilhelm-Roser-Straße sind plötzlich mehrere Parkplätze weggefallen. Anwohner rund um die Ketzerbach müssen mehr denn je durch das Viertel kreiseln, um ihr Auto abstellen zu können. Grund für die Neu-Regelung: Die Stadt hält Parkplätze für die Feuerwehrleute vor.

Voriger Artikel
Hightech-Firma ITK Engineering verlässt Marburg
Nächster Artikel
Novartis-Jurist tritt zurück

Die Feuerwache in der Wilhelm-Roser-Straße ist seit der Sperrung der Weidenhäuser Brücke eine der zentralen Einsatzstellen für das Ausrücken der ehrenamtlichen Brandbekämpfer geworden.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Jeden Tag ist es für ihn dieselbe Geduldsprobe.­ Würde Parkplatzsuche zur ­Arbeitszeit zählen, hätte ­Peter Schmitt mittlerweile ein ­üppiges Überstunden-Kontingent angehäuft. „Ich fahre regelmäßig so lange durch die Gegend hier, bis irgendwo mal Lichter aufleuchten und einer wegfährt“, sagt der 58-Jährige. Hauptsache, das Auto steht, der Arbeitstag ist vorbei. Bis zum nächsten Abend.

Der Selbstständige­ wohnt in einer Straße nahe der Ketzerbach – und ist mit seiner Parkplatzsuche nicht allein. Auch nicht mit seiner Kritik am Zustand, der sich nach Meinung vieler seit der Umgestaltung vor mehr als zehn Jahren immer weiter verschlechtere. Denn in der Nachbarschaft ist man irritiert über den scheinbar plötzlichen Wegfall von mehreren Stellflächen in der Wilhelm-Roser-Straße. Nur vorübergehend, wie man hofft – vergebens.

Beim Wegfall der Flächen – auf der bislang je nach Größe drei bis vier Autos Platz fanden – handele es sich um eine „dauerhafte Regelung“, wie es von der Stadtverwaltung auf OP-Anfrage heißt. Also werden die Parkplätze auch nicht mit dem Ende der Weidenhäuser-Brücke-Bauarbeiten, die der Grund für ein erhöhtes Einsatzvolumen der Wehr sind, wieder zur Verfügung stehen.

Grund für die Neu-Regelung sei die „Vorhaltung von Parkraum für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Feuerwehr im Nahbereich des Feuerwehrstützpunktes Ketzerbach“. Auf dem Gelände­ des Feuerwehrstützpunktes ­stehen demnach keine Flächen für einrückende Feuerwehrkräfte zur Verfügung. Um den „jederzeitigen Einsatz mit Einhaltung der Hilfeleistungsfristen zu gewährleisten, ist die Reservierung der zusätzlichen Flächen im öffentlichen Parkraum erforderlich“. 

Nach Umgestaltung wurde Stellflächenzahl halbiert

Für Anwohner rund um die Ketzerbach bedeutet das den dauerhaften Verzicht auf weitere Parkplätze. Vor der Umgestaltung der Straße im Jahr 2006 gab es dort – am Rand sowie der beseitigten Mittelinsel insgesamt 99 Auto-Stellflächen – davon 29 für Anwohner reservierte. Einige weitere Parkplätze hielt die benachbarte Wilhelm-Roser-Straße bereit.

Mittlerweile­ ist das Autoabstell-Angebot in der Ketzerbach, in der alleine laut Einwohnermeldeamt 284 Menschen wohnen und in der es zudem mehrere Geschäfte und Gastronomie mit Dutzenden Angestellten gibt, auf 53 ­geschrumpft.
Im Gegensatz zu anderen Stadtteilen, wie etwa im Südviertel, gibt es in diesem Gebiet keine direkte Anwohnerpark-Regelung. Zwar lautet die Bezeichnung der Bewohnerparkzone 5 „Ketzerbach“ und es sind 135 Ausweis-Inhaber bei der Stadt registriert. Die dafür ausgewiesenen Flächen sind jedoch verstreut, Einzelne befinden sich in Zwischenhausen, am Pilgrimstein, im Wehrdaer Weg, in der Rosenstraße, in der Lahnstraße und am Alten Gaswerk nahe des Café Trauma.

Die Anordnung von sogenannten Bewohnerparkvorrechten ist laut Stadtverwaltung grundsätzlich nur dort zulässig, wo Bewohner „regelmäßig keine ausreichende Möglichkeit haben, in ortsüblich fußläufig zumutbarer Entfernung von ihrer Wohnung einen Stellplatz für ihr Kraftfahrzeug zu finden“ – etwa mangels privater Stellflächen und aufgrund eines erheblichen allgemeinen Parkdrucks.

Für Bereiche wie etwa den Ortenberg und den Bereich um den Südbahnhof wurde einst von Bewohnern die Einrichtung von Anwohnerparkbereichen angeregt, da diese Straßen auch von Pendlern genutzt werden. Das Ergebnis sei aber, dass nach Abwägung der Vor- und Nachteile die Einrichtung von Bewohnerparken von den Anwohnern nicht mehr gewünscht wurde. Würden etwa Gebühren für das Parken erhoben, müssten auch Gäste der Anwohner diese Parkgebühren zahlen. Der Parkausweis kostet in allen Zonen jährlich 30,70 Euro.

von Björn Wisker

Anwohnerparken

Aktuell sind in der Stadt 2270 Anwohnerparkausweise im Umlauf. Eine Gesamtzahl, die sich nach Angaben der Stadtverwaltung seit vielen Jahren konstant hält, sich kaum verändert hat. Und so sieht die Verteilung in den neun Bewohnerparkbereichen aus:

  • Südviertel I: 891
  • Südviertel II: 498
  • Biegenviertel: 326
  • Weidenhausen: 196
  • Ketzerbach: 135
  • Renthof: 45
  • Nordstadt I: 34
  • Nordstadt II: 120
  • Hofstatt: 25
Voriger Artikel
Nächster Artikel