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Marburg Störche: Spanien statt Sahara
Marburg Störche: Spanien statt Sahara
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00:18 25.07.2018
Drei Störche an der Radenhäuser Lache. Um die Vögel später wiederzuerkennen, haben Mitglieder des Nabu die Störche beringt. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Winfried Kräling ist zufrieden. Nachdem die Störche jahrzehntelang aus dem Landkreis verschwunden waren, ist die Population wieder auf dem Stand der Nachkriegszeit. Dieses Jahr hat der Storchenbeauftragte des Nabu Marburg-Biedenkopf 27 Brutpaare und 64 Jungstörche im Landkreis gezählt. Im vergangenen Jahr waren es 23 Storchenpaare mit 40 Jungstörchen.

Die Störche seien heute „schlauer“ als früher. Sie wüssten jetzt, dass sie zum Überwintern nicht bis nach Afrika fliegen müssten. Für das Verschwinden der Vögel aus dem Landkreis zwischen 1968 und 2007 macht Kräling vor allem eine Dürreperiode in der Sahelzone, südlich der Sahara, verantwortlich. Das Gebiet sei zu dieser Zeit das vorrangige Winterquartier der Störche aus der Region und weiterer Teile Hessens gewesen.

2007 nistete erstmals wieder ein Storchenpaar im Kreis. Die Vögel erbrüteten auf dem ehemaligen Molkereischornstein in Rauischholzhausen drei Jungstörche, sagte Kräling. Seitdem steigt die Storchenpopulation im Landkreis kontinuierlich an. Beliebtester Brutort ist die Radenhäuser Lache, nördlich der Amöneburg, wo in diesem Jahr 13 Paare brüten. Auch in anderen Teilen des Kreises freuen sich die Vogelschützer über Störche. In Amönau und Niederwetter wurden die Vögel ebenfalls gesichtet.

Einmal in den Süden und wieder zurück

Um mehr über das Verhalten herauszufinden, haben die Nabu-Mitglieder Dana Schabo und Christian Heuck seit 2016 32 Jungstörche beringt. Dadurch können sie die Vögel wiedererkennen. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete die Freiwillige Feuerwehr Kleinseelheim, die die Vogelschützer mit einem Hubwagen unterstützte. Solange die Vögel noch nicht zu alt sind, legen sie sich bei Gefahr einfach auf den Boden und stellen sich tot, erklärt Storchenbeauftragter Kräling. Dadurch können die Nabu-Mitglieder die Ringe einfach an den Beinen der Jungstörche befestigen.

Die Ringe verfügen über eine­ eigene Signatur. So können die Tiere auch weit entfernt von ihrem Herkunftsort wiedererkannt werden. Die weiße Schrift auf den Ringen lässt sich mitunter auch mit einem Fernglas oder einem Teleobjektiv erkennen, sagt Kräling. Wer eine Signatur abliest, kann sich an eine der drei Beringungszentralen in Deutschland wenden. Dadurch können die Vogelkundler den Weg der Störche später nachzeichnen.

Das Storchenweibchen „Libi“ trägt neben einem Ring auch einen Sender. Quelle: Winfried Kräling

So fanden die Forscher kürzlich auch heraus, dass zumindest einer der heimischen Störche in Spanien überwintert. Die Beringungszentrale der Vogelwarte Helgoland hatte dem Nabu mitgeteilt, dass einer der im Juni 2017 an der Radenhäuser Lache beringten Jungstörche im Dezember südwestlich von Madrid beobachtet wurde. Schon zuvor war Kräling bekannt, dass sich das Zugverhalten der westdeutschen Störche geändert hat und viele ­ihre gefährliche Reise­ durch die ­Sahara nicht mehr ­antreten.

Ein Beispiel hierfür ist eine besenderte Störchin, die seit dem Vorjahr auf einer Nisthilfe bei Hachborn brütet und auch in diesem Jahr drei Jungstörche aufzieht. „Libi“ ist 2015 in Menningen als Nestling beringt worden, sagte Kräling. Mithilfe der Senderdaten konnte ermittelt werden, dass sie ebenfalls jeden Herbst nach Spanien zieht, um dort zu überwintern.

  • Der Nabu Marburg-Biedenkopf freut sich über Ringdaten aus dem Landkreis. Wer eine Signatur abliest, kann die Sichtung per E-Mail an w.kraeling@nabu-marburg-biedenkopf.de mitteilen.

von Tobias Kunz