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Stilistische Vielfalt beeindruckt

Marburg Stilistische Vielfalt beeindruckt

Geistliche Werke von der Gregorianik bis zur Gegenwart fügten sich in der nahezu ausverkauften Lutherischen Pfarrkirche zu einem musikalischen Gottesdienst, dessen Titelgeber ein weltliches Liebeslied war.

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Die Kurhessische Kantorei – hier ein Archivfoto – begeisterte am Sonntag ihre Zuhörer in der nahezu ausverkauften Pfarrkirche mit einem ebenso abwechslungsreichen wie anspruchsvollen Programm.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Weihnachten ist die Zeit des Innehaltens – und der Träume, die manchmal wahr werden. Aber nicht im materiellen Sinne, wie es uns allgegenwärtige Werbebotschaften einflüstern.

Und es geht auch nicht darum, von einer „weißen Weihnacht“ zu träumen, wenn die Kurhessische Kantorei zum Adventskonzert in die Lutherische Pfarrkirche St. Marien bittet. Es geht um „Träume, die Richtungen ändern, die Ziele vorgeben, die Wege zeigen oder auch hinterfragen, die irritieren oder Hoffnung geben – Träume können göttliche Zuwendung und somit weihnachtliche Boten sein“, sagt Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum.

Da ist der Traum von der göttlichen Gerechtigkeit, die Maria im „Magnificat“ besingt. Diesen Lobgesang, von David Kraus aus dem Off gesprochen, stellte Maibaum in den Mittelpunkt der adventlichen Konzert-Collage, kontrastierte ihn mit einem weltlichen Liebeslied, das dem Programm den Titel gab.

„Sag, welch wunderbare Träume“ heißt es im letzten der fünf Wesendonck-Lieder von Richard Wagner, der dort die Liebesnacht in seiner Oper „Tristan und Isolde“ vorwegnimmt. Marion Clausen ließ den sehnsuchtsvollen Gesang schwärmerisch-zart erklingen, von den Frankfurter Sinfonikern kammermusikalisch-feinsinnig begleitet.

Weltliches und Geistliches – das fügte sich zusammen zu einem musikalischen Gottesdienst, der von einem weiteren Traum kündete: dem Traum, dass alle Religionen dauerhaft in Frieden miteinander leben. Oder, wie es am Schluss von Leonard Bernsteins 1965 vertonten „Chichester Psalms“ heißt: „Siehe, wie gut und angenehm es ist, wenn Brüder leben zusammen in Eintracht.“

Vorausgegangen waren die Bitte um Erbarmen im gregorianischen „Kyrie eleison“, von den Männerstimmen der Kurhessischen Kantorei klösterlich-schlicht angestimmt, gefolgt vom emotional aufwühlenden düsteren „Kyrie“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts c-Moll-Messe. Das 1959 komponierte „Gloria“ von Francis Poulenc lobte Gott in geradezu ausgelassener Fröhlichkeit, enthielt aber auch Elemente frommer Verinnerlichung.

Weihnachtlich-besinnlich wurde es mit einem Chor und dem Choral „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ aus Felix Mendelssohn Bartholdys unvollendetem „Christus“-Oratorium und im „Christmas Lullaby“ des zeitgenössischen Komponisten John Rutter.

von Michael Arndt

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