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Marburg Spies ist für weitere Messpunkte
Marburg Spies ist für weitere Messpunkte
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18:01 28.03.2018
An der Messstation des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie in der Universitätsstraße wird die Schadstoff-Belastung der Luft dauerhaft gemessen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Die Luftmesswerte, die die DUH vergangene Woche veröffentlicht hat, überraschen uns nicht“, sagt Bürgermeister und Umweltdezernent Wieland Stötzel (CDU). Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat vom 1. Februar bis 1. März an 559 Messorten die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid (NO2) mithilfe von sogenannten Passivsammlern gemessen.

Diese Messröhrchen wurden auch in Marburg von freiwilligen Messstations-Betreuern an ausgewählten Stellen angebracht, zum einen in der Ketzerbach (OP berichtete), zum anderen in der Bahnhofstraße/Robert-Koch-Straße.

Am Standort zwischen der Elisabethkirche und dem Marbacher Weg lag das Ergebnis knapp unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3), bei 35,4 µg/m3. Am Standort Bahnhofstraße/Robert-Koch-Straße wurde der Grenzwert überschritten, er lag bei 47,5 µg/m3.

Hartmut Möller, der die Messung am Standort Ketzerbach vorgenommen hat, sagt, dass für die Ketzerbach eine Nachmessung angestrebt werde. Denn laut Schätzungen der DUH liege der ermittelte Wert etwa zehn Prozent unter dem tatsächlichen Wert. Grund für die geringere Belastungsmessung sei der starke Kälteeinbruch während etwa der Hälfte des Messzeitraums. So sollen an den Messstellen, die NO2-Werte zwischen 35 und 40 µg/m3 ergeben haben, zeitnah Nachmessungen erfolgen. Nach Auskunft der Stadt gehört Marburg zu den 60 Städten in Deutschland, deren Stickoxidbelastung über dem gesetzlichen Grenzwert von 40 µg/m3 im Jahresmittel liegt. Diese Städte erhalten daher finanzielle Mittel aus dem „Sofortprogramm Saubere Luft“ der Bundesregierung („Diesel-Gipfel“).

Die Schadstoffbelastung wird in der Universitätsstadt konstant an zwei Luftmessstationen gemessen, die vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) betrieben werden. Die Standorte der Messung müssen den Vorgaben der Immissionsschutzverordnung entsprechen. In der Gutenbergstraße wird die „Hintergrundbelastung“ gemessen, in der Universitätsstraße die Belastung durch den Straßenverkehr.

Da die Schadstoffkonzentration in der Luft im Tages- sowie im Jahresverlauf starke Schwankungen aufweisen kann, beziehen sich die Grenzwerte auf die Durchschnittskonzentrationen pro Stunde und pro Jahr.

Auch die Wahl des Standortes einer Messstation hat Einfluss auf die gemessene Schadstoffkonzentration. Als Beispiel nennt die Stadt den Jahresmittel-Messwert der Universitätsstraße für 2017. Dieser lag bei knapp 36 µg/m3 – im Vorjahr dagegen noch bei etwa 47 µg/m3. Ein Grund für die Reduzierung der gemessenen Schadstoffkonzentration sei laut HLNUG die Verlegung des Mess-Standorts aufgrund der Bauarbeiten zur Erneuerung des ehemaligen Allianzhauses an der Ecke Universitätsstraße/Gutenbergstraße.

Ein weiterer Grund sei viel Regen in der zweiten Jahreshälfte von 2017 gewesen, der einen Teil der Schadstoffe aus der Luft gewaschen habe.

Die Stadt hat beim HLNUG angeregt, in der Nähe des alten Standorts der Messstation vor den Rechtswissenschaften zusätzlich einen Passivsammler zur Ermittlung der Schadstoffbelastung durch den Verkehr aufzustellen. Da das Verkehrsaufkommen in der Nordstadt im Zuge der Sanierung der Weidenhäuser Brücke steige, habe die Stadt außerdem dazu angeregt, zusätzlich einen Passivsammler in der Robert-Koch-Straße/Bahnhofstraße anzubringen, teilte Pressesprecherin Birgit Heimrich mit.

Inwieweit die Mess-Standorte und der kurze Zeitraum der DUH-Messung den Vorgaben der Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen entsprechen, könne die Stadt nicht beantworten. Um jedoch die bekannte Schadstoffbelastung in Marburg zu reduzieren, erarbeite die Stadt seit Herbst vergangenen Jahres mit Geld aus dem „Diesel-Gipfel“ den „Green-­City-Plan“. Die Verantwortung für eine langfristige Lösung liege jedoch bei der Bundesregierung und den Autoherstellern, sagt Oberbürgermeister und Verkehrsdezernent Dr. Thomas Spies (SPD). Dieser Ansicht ist auch Wolfgang Schuchart, Geschäftsführer vom Kreisverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Für Marburg empfiehlt er, die Grenzwerte der neuesten Abgas-Norm Euro 6 anzustreben und den Verkehrsfluss zu verlagern.

von Simone Schwalm