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Marburg „Elegante Sprache“ und „großes Kino“
Marburg „Elegante Sprache“ und „großes Kino“
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00:19 16.09.2018
Die Buchpreis-Kandidaten: Maxim Biller (von oben links im Uhrzeigersinn), die Landestheater-­Regisseurin Nino Haratischwili, Maria Cecilia Barbetta, der Biedenkopfer Stefan Thome, Susanne Röckel und Inger-Maria Mahlke. Fotos: Pförtner, Kalaene, Burgi (2), von Foris, Dedert Quelle: Pförtner, Kalaene, Burgi (2), von Foris, Dedert
Frankfurt

Reisen durch Raum und Zeit – das haben die Romane auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis gemeinsam. Alle sechs nominierten Autoren­ folgen nach Ansicht der Jury­ ganz unterschiedlichen Spuren­ in die Vergangenheit oder in mythische Schichten der Wirklichkeit. „Fabulierend, spekulierend, verspielt“, wie die Jury-Sprecherin Christine Lötscher feststellt.

Geschafft haben es ins Finale um den besten deutschsprachigen Roman des Jahres die Autoren Maria Cecilia Barbetta, ­Maxim Biller, Nino Haratischwili, Inger-Maria Mahlke, Susanne Röckel und Stephan Thome. Es sind vier Frauen und zwei Männer. Ihre Erzählwelten umfassen tatsächlich den gesamten Globus: Argentinien, China, Tschetschenien, Russland oder Teneriffa. Der Sieger wird am 8. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse gekürt.

Grausamkeiten des Tschetschenien-Kriegs

Der in Biedenkopf aufgewachsene Stephan Thome hat es zum dritten Mal auf die Shortlist geschafft. Hat er sich in seinem Debütroman „Grenzgang“ (2009), den er in Biedenkopf angesiedelt hat, noch mit dem Leben in der hessischen Provinz beschäftigt, spielt „Gott der Barbaren“ im China des 19. Jahrhunderts. Es geht um religiöse Fanatiker. Die Jury lobt die „elegante Sprache“ Thomes, der selbst Sinologe ist. Thome liest am 16. November auf Einladung der Buchhandlung Elwert in der neuen Universitätsbibliothek.

Die Grausamkeiten des Tschetschenien-Kriegs hat die aus Georgien stammende Nino­ ­Haratischwili zum Thema ihres­ ­Romans gemacht. Sie inszeniert gerade am Hessischen Landestheater Marburg ihr eigenes Stück „Radio Universe“, das am 22. September Premiere­ ­feiert. Die Hauptrollen in ihrem­ Roman „Die Katze und der ­General“ spielen ein russischer Oligarch und eine junge georgische Schauspielerin, die beide in Berlin leben. „Großes ­Kino“, urteilt die Jury. Mit ihrem 1300-Seiten-Epos „Das achte­ Leben“ über eine georgische­ ­Familie hatte die in Hamburg ­lebende Autorin 2014 einen unerwarteten Bestseller gelandet.

Jury: Die Autoren liefern keine einfache Wahrheiten

Maria Cecilia Barbettas Roman „Nachtleuchten“ spielt 1974 in Buenos Aires kurz vor der Machtergreifung der Generäle. Maxim Biller, auch als streitbarer Kolumnist und ehemaliger Teilnehmer aus dem „Literarischen Quartett“ des ZDF bekannt, hat sich in „Sechs Koffer“ des Schicksals und Geheimnisses seines Großvaters angenommen.

Inger-Maria Mahlke reist in „Archipel“ ans Ende Europas – nach Teneriffa. Mahlke stand bereits 2015 mit ihrem Roman „Wie Ihr wollt“ im Finale zum Buchpreis.

Auch bei Susanne Röckels „Vogelgott“ geht es um ferne Kontinente. Es ist ein von der angelsächsischen Fantasy-Literatur beeinflusster Schauerroman.

Keines der auf der Shortlist gelandeten Bücher liefere einfache Wahrheiten, so Jurysprecherin Lötscher. „Umso faszinierter lässt man sich als Leserin, als Leser auf vielstimmige Erzählkompositionen und auf die Sinnlichkeit einer anderen Zeit ein, die immer auf unsere verweist.“

von Thomas Maier
 und Uwe Badouin