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Starregisseur Wedel zeigt Luther-Stück

Start der 67. Bad Hersfelder Festspiele Starregisseur Wedel zeigt Luther-Stück

Wie zuvor schon das Hessische Landestheater setzt auch Dieter Wedel bei den Bad Hersfelder Festspielen auf Martin Luther. Diesen Freitagabend ist Premiere.

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Intendant Dieter Wedel (Mitte) stellte beim Probenbeginn seine Stars Erol Sander (von links), Claude Oliver Rudolph, Elisabeth Lanz und Janina Stopper vor.

Quelle: Uwe Zucchi

Bad Hersfeld. Star-Regisseur Dieter Wedel (74) hat sich im dritten Jahr als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele bei der Auswahl seines Theaterstücks an ein Schwergewicht der Geschichte herangewagt: Martin Luther – passend zum diesjährigen Jubiläum um 500 Jahre Reformation. Mit Blick auf den theologischen Urheber der Reformation sagte Wedel zu seiner Inszenierung bei dem renommierten Freilicht-Theaterfestival, es werde „ein großes Spektakel über eine der widersprüchlichsten Figuren der deutschen Geschichte“. 


Diesen Freitag zeigt der durch seine Fernseh-Mehrteiler („Der Schattenmann“, ZDF; „Der König von St. Pauli“, Sat.1) bekanntgewordene Filmemacher Wedel sein Bühnenstück mit dem Titel „Martin Luther – Der Anschlag“ in der Eröffnungspremiere in der Bad Hersfelder Stiftsruine.

Wedel begründete seine Wahl mit den Worten: „Vermutlich hat es einen Grund, warum es das große klassische Luther-Drama nicht gibt, warum beispielsweise Schiller zwar über Johanna von Orleans, Wallenstein oder Maria Stuart geschrieben hat, aber nicht über die bedeutendste Figur der Deutschen: Luther.“

Wedel schmeißt Manker raus

Die Figur Luthers sei nicht einfach zu greifen und zu beschreiben. Wedel erklärte, er wolle keinen historischen Bilderbogen präsentieren und das Leben Luthers (1483-1546) nacherzählen. Ihn fasziniere die widersprüchliche Figur. Einerseits sei er ein „sprachgewaltiger Übersetzer“ gewesen, andererseits ein „unflätiger Pöbler“.

„Widersprüchlichkeit macht bekanntlich einen Charakter interessant, aber bei Luther sind die Widersprüche so gewaltig, so scheinbar unvereinbar, dass man den Eindruck hat, immer wieder verschiedenen Luthers zu begegnen.“ So besetzte Wedel die Hauptrolle des Martin Luther gleich mit mehreren Akteuren. Damit soll Luther nicht nur in verschiedenen Lebensphasen, sondern auch mit verschiedenen Charaktereigenschaften dargestellt werden. Christian Nickel zeigt Luther als Reformator.

Burgschauspieler Paulus Manker (Foto: Zucchi) sollte Luther eigentlich als „Wutbürger“ verkörpern. Zudem war er für die Rolle von Luthers Vater vorgesehen. Doch Manker erhielt einen Tag vor der Premiere eine außerordentliche Kündigung. Die Festspielleitung berichtete am Donnerstagabend von einem „irreparablen Zerwürfnis mit dem Intendanten“. Mankers Luther-Part übernimmt nun Nickel.

Wedel hat auch einige aus Film und Fernsehen bekannte Schauspieler verpflichtet. Auf der Bühne stehen unter anderem Elisabeth Lanz („Tierärztin Dr. Mertens“, ARD) als Luthers Frau Katharina von Bora, Erol Sander („Mordkommission Istanbul“, ARD) als Luthers Widersacher in der Gestalt von Papst Leo X. und Claude Oliver Rudolph („Der König von St. Pauli“, Sat.1) als Inquisitor und Ablassverkäufer Johann Tetzel.

Vor 20 Jahren arbeiteten Wedel und Rudolph zuletzt beim TV-Mehrteiler „Der König von St. Pauli“ zusammen. Der alte Streit sei beigelegt: „Da sind wir wie Indianer-Häuptlinge, die ihren Tomahawk begraben“, sagte Rudolph. Er freut sich auf das Wiedersehen: „Die großen Regisseure sind tot. Er ist der letzte Dinosaurier.“

Wedel hat für seine Luther-Inszenierung wieder Filmsequenzen gedreht. Sie werden auf gleich zwei LED-Leinwänden auf der Bühne gezeigt. In den Einspielern sind auch Mareile Höppner („Brisant“, ARD) und „Tagesschau“-Sprecher Jan Hofer zu sehen.

Zur Eröffnung am Freitagabend um 18.30 Uhr wird viel Prominenz erwartet. Als Gäste auf dem Roten Teppich vor der Stiftsruine sind unter anderem Persönlichkeiten aus Politik, Schauspiel- und Medienwesen angekündigt. Frans Timmermans (Erster Vizepräsident der EU-Kommission), Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), die Schauspieler Sky du Mont, Martin Semmelrogge, Markus Majowski, Helen Schneider, Susanne Uhlen, Peter Weck und Samuel Koch werden erwartet. Eingeladen sind ebenfalls Donatus Landgraf von Hessen, Prinzessin Floria von Hessen, der frühere Box-Weltmeister Henry 
Maske, Dirigent Justus Frantz sowie bekannte Moderatoren und Medienschaffende.

Das weitere Programm

Wegen des großen Erfolges wird Wedels Schauspiel aus 
dem Vorjahr wieder aufgenommen. Im Drama „Hexenjagd“ (Premiere: 21. Juli, Stiftsruine) treten neben Nickel und Lanz auch Richy Müller, Horst 
Janson, André Hennicke und Jasmin Tabatabei (in Filmeinspielern) auf. Neu im Programm ist die Krimikomödie „Die 39 Stufen“ (Premiere: 15. Juli). 
Markus Majowski und Martin Semmelrogge spielen auf der Nebenbühne von Schloss Eichhof.

Das neue Musical in dieser Saison heißt „Titanic“ (Premiere: 14. Juli, Stiftsruine). Der Mythos um den 1912 gesunkenen Ozean-Riesen ist nach Ansicht von Regisseur Stefan Huber 
prädestiniert für die Freiluft-Spielstätte in der imposanten Kirchenruine. Wiederaufgenommen wird der Vorjahres-Kassenschlager „My Fair 
Lady“ (Premiere: 30. Juni, Stiftsruine) mit Ex-No-Angels-Sängerin Sandy Mölling, Gunther 
Emmerlich und Ilja Richter.

Für die 67. Saison wird mit 
einem Rekord-Etat in Höhe von 7,87 Millionen Euro gerechnet – dank erhöhter Bundeszuschüsse für das Luther-Stück. Im 
Vorjahr lag der Etat bei 7,4 
 Millionen Euro. 2016 vermeldete die Festspielleitung mit fast 97.000 Besuchern die beste 
Besucher-Bilanz der letzten zehn Jahre. In diesem Jahr wird die Marke von 100.000 
Besuchern angepeilt.

von Jörn Perske

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