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Marburg Standing Ovations für die Blues Brothers
Marburg Standing Ovations für die Blues Brothers
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19:54 03.03.2013
Eine von vielen Massenszenen in dem Musical „The Blues Brothers“: Martin Maecker (links) als Elwood Blues, Ogün Derendeli (rechts) als Jake Blues, die Tänzerinnen von „Lichtblicke“ und die Band im Hintergrund begeisterten das Publikum. Quelle: Christian Buseck
Marburg

Das gibt es nicht oft im Theater: Minutenlange Jubelszenen, Standing Ovations und ein Publikum, das eigentlich gar nicht gehen will. Intendant Matthias Faltz hat nach seiner tollen „Dreigroschenoper“ eine mitreißende Hommage an den Film „The Blues Brothers“ aus dem Jahr 1980 auf die Bühne gebracht. Das Musical ist ein Knaller - eine äußerst kurzweilige, witzige und temporeiche Inszenierung zum Abschied aus der „alten“ Stadthalle, die Ende Mai geschlossen wird. Bis dahin wird der Rhythm-&-Blues-Cocktail noch sechsmal in der Stadthalle präsentiert: Wer das Premierenpublikum erlebt hat, der weiß, dass man sich schnell um Karten bemühen muss - sonst heißt es wie bei der „Dreigroschenoper“: ausverkauft.

Perfekt besetzt

Faltz und seine „Blues Brothers“ Ogün Derendeli als ­Jake Blues, der obercoole Martin Maecker als Elwood Blues und ihr großartiges Team zaubern in eineinhalb Stunden ein zufrieden-glückliches Grinsen in die Gesichter der Zuschauer. Schon nach wenigen Minuten möchte man eigentlich am liebsten die Stühle rausreißen und mittanzen. Ogün Derendeli singt und Martin ­Maecker tanzt sich die Seele aus dem Leib. Sie passen perfekt auf die Rollen des früh verstorbenen Sängers und Schauspielers James Belushi (Derendeli) und Dan Aykroyd (Maecker).

Marburger Soul-Diva Franziska Knetsch stellt die Brüder in den Schatten

Publikumsliebling Maecker wird das Ensemble des Landestheaters übrigens zum Spielzeitende verlassen, den Marburger Theaterfans vermutlich aber als Gast erhalten bleiben. Doch werden sie gesanglich sogar noch getoppt von der Marburger Soul-Diva Franziska Knetsch, die grandiose Auftritte hat als Aretha (Franklin) oder Oberschwester: Wenn die mal keine Lust mehr hat auf Goethe & Co, sollte sie mit ihren Schauspieler-Kollegen eine Band gründen und die sieben Musiker unter der Leitung von Annalena Schwade gleich mitnehmen. Auf die trifft nur ein Attribut zu: souverän.

Doch auch die Nebenrollen in dem Spektakel sind toll besetzt: Jürgen Helmut Keuchel schlüpft wie Tom Bartels gleich in vier Rollen, Charles Toulouse in drei. Hinter den Kulissen bedeutet dies allerhöchste Konzentration, denn jedes Mal müssen sie in Windeseile die Kostüme wechseln. Die sind übrigens durchweg toll.

Die Crashs finden auf der Leinwand statt

Faltz hat mit Klaudia Hebbelmann, Julia Heß und Theresa Winterer zudem drei gute Backgroundsängerinnen aufgetrieben, die die singenden Schauspieler gekonnt unterstützen.Einfach mitreißend sind auch die vielen großen Tanzchoreographien, die Ekaterina Steckenborn mit Tänzerinnen der Formation „Lichtblicke“ einstudiert hat. Und großartig ist das Rock‘n‘Roll-Tanzduo Ulf und Carola Seifart, die stets lächelnd schwierigste Schrittfolgen meistern.

Zwar steht die Musik eindeutig im Vordergrund der Inszenierung, doch hat Regisseur Faltz noch mehr auf Lager: „The Blues Brothers“ ist ja schließlich nicht „nur“ ein Film mit toller Musik, er ist auch eine Actionkomödie, in der reihenweise Autos verschrottet werden. Das passiert im Bühnenmusical auf großen Leinwänden, die Faltz äußerst geschickt einsetzt - mal mit Live-Einblendungen von der Bühne und aus dem Bühnenhintergrund, mal mit Filmszenen, die vorher eingespielt wurden, mal mit sehr geschickten technischen Spielereien, wenn etwa Sweat­heart ­(Agnieszka Habraschka) ihrem geliebten Jake mit Bazooka, Flammenwerfer und Maschinengewehr nachstellt.

  • Weitere Vorstellungen sind am 8 und 25. März, 10. und 23. April sowie 11. und 31. Mai jeweils um 19.30 Uhr in der Stadthalle.

von Uwe Badouin

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