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Hans Schira: „Das Rathaus ist mein Zuhause“

Verabschiedung Hans Schira: „Das Rathaus ist mein Zuhause“

Hans Schira war 27 Jahre lang im Dienst der Stadt Marburg. Bis ein Nach­folger gefunden ist, hält er aber noch die Stellung im Rathaus.

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Mit der Rathausuhr kennt sich Hans Schira bestens aus.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Das Rathaus ist mein Zuhause“, sagt Hans ­Schira. Und das ist nahezu wörtlich zu nehmen. Denn der 66-Jährige ist nicht nur als Hausmeister für das Marburger Rathaus am Marktplatz zuständig. Zugleich wohnt er auch seit Jahren in unmittelbarer Nähe in einer Hausmeisterwohnung.

Für Schira, der seit 1991 als Hausmeister bei der Stadt Marburg angestellt ist, ist die räumliche Nähe seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz ein absoluter Glücksfall. Denn so kann er beispielsweise bei einer der zahlreichen Abendveranstaltungen im Rathaus erst einmal nach dem Rechten sehen und dann zwischenzeitlich zu Hause Abend essen.

„Ich mache diesen Job mit Herzblut“, erklärt er im Gespräch mit der OP. Wobei er das eigentlich nicht besonders betonen müsste. Denn man merkt es ihm seit Jahren an, wenn man ihn bei der Arbeit sieht. Und das ist durchaus eine öffentliche Arbeit, in der er auch mit vielen Marburgern Kontakt hat.

So sah man ihn in den vergangenen 27 Jahren in seiner Funktion als Hausmeister nicht nur bei zahlreichen städtischen Veranstaltungen im Einsatz, sondern auch häufig im Gespräch mit Rathaus-Besuchern an der Pforte. „Der Hausmeister des Rathauses ist nicht nur jemand, der das Haus auf- und zusperrt“, betont Hans Schira. Aus seiner Sicht gehöre auch eine Portion Öffentlichkeitsarbeit dazu.

Zu seiner Arbeit kam er, nachdem er sich auf eine Zeitungsanzeige hin bei der Stadt Marburg beworben hatte. Vorher hatte er als Betriebsleiter der PVC-Abteilung bei der Firma Monette gearbeitet. Nach der Einstellung im Jahr 1991 durch den damaligen Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler (SPD) begann dann seine zweite berufliche Karriere.

Auf seine Chefs im Rathaus lässt Schira nichts kommen. Von Drechsler über Dietrich Möller (CDU) sowie Egon Vaupel (SPD) und Dr. Thomas Spies (SPD) habe er unter allen gerne gearbeitet. Als noch wichtiger erachtet er allerdings die Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung.  Ausdrücklich hebt er dabei die Damen seines Teams sowie die Mitarbeiter aus der Werkstatt der städtischen Hochbauabteilung hervor.

Denn kleinere Reparaturen erledigt Schira zwar natürlich selber. So kennt er sich beispielsweise mit der Rathausuhr sehr genau aus. Aber bei gravierenderen Störungen ist er auf die Mithilfe der Werkstattkollegen angewiesen. Denn die kennen die Gegebenheiten im Rathaus und den zehn weiteren städtischen Gebäuden, für die Schira zuständig war, bestens.

Besonders gut in Erinnerung bleiben dem städtischen Hausmeister die Besuche von prominenten Politikern wie Oskar Lafontaine oder Helmut Kohl. Und auch bei Stadtparlamentssitzungen war er immer anwesend. „Man muss ja Bescheid wissen, was in der Stadt passiert“, meint Schira. Gern hat er auch Schülergruppen oder andere Besucher durch das Rathaus und bis hoch zur Uhr geführt, wenn Zeit war. „Es wird hier nie langweilig“, sagt er zu dem Job, der darin besteht, für ein reibungsloses Funktionieren des Betriebes im Rathaus mit zu sorgen.

Im Alter von zwei Jahren kam Hans Schira 1953 mit seiner Familie – Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien – nach Deutschland. Einen Ausgleich zu der mitunter natürlich etwas stressigen Arbeit als Hausmeister bieten dem im Ebsdorfer Grund aufgewachsenen Schira die Besuche bei ­seiner Schwester im Allgäu oder bei seinem Sohn, der in Salzburg wohnt. Besonders gern geht er ­Skifahren in den Bergen. Aber auch Radfahren und Autofahren zählt er zu seinen Hobbys. Hauptsache, er ist immer in Bewegung. 

Als eines der mittleren von sechs Geschwistern hat er nach eigenen Angaben ein fröhliches Naturell von seiner Mutter geerbt. Und so ist ihm auch nicht bange vor der Zeit seines Ruhestandes. Und außerdem: So ganz verlässt er das Rathaus nach seinem heutigen offiziellen letzten Tag sowieso noch nicht. Bis endgültig ein Nachfolger gefunden ist, ist er auf Honorarbasis erst einmal noch weiter für die Stadt tätig.

Trotzdem steht jetzt schon seine „Abschiedstour“ an. So wurde er am vergangenen Freitag im Stadtparlament  verabschiedet. Und am Mittwoch, 7. März, wird es ab 11 Uhr noch die offizielle Verabschiedung geben, die natürlich im historischen Sitzungssaal des Marburger Rathauses stattfindet.

von Manfred Hitzeroth

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