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Marburg Grundstücksdeal: Das sagt die Firma Sälzer
Marburg Grundstücksdeal: Das sagt die Firma Sälzer
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00:18 10.12.2018
Ein Blick über die Gewerbegrundstücke, auf denen die Verlegung der Fernwärmeleitungen nahezu abgeschlossen ist, auf das Ver­waltungsgebäude der Firma Sälzer. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Walther Sälzer hält eine Broschüre in der Hand. Sie ist auf edlem, etwas gelblichem Papier gedruckt, stammt aus dem Jahr 1980. Ein Abriss der Unternehmensgeschichte, die im 18. Jahrhundert begann und die das Unternehmen, das stetig weiter wuchs, über Weidenhausen und Wehrda Ende der 1990er-Jahre in den Stadtwald führte. In den Stadtteil also, in dem nun die letzten Gewerbeflächen von der Marburger Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) verkauft werden sollen – was zu einem Grundstücksdeal führt, der wegen vermeintlicher ­Subventionierungen und poli­tischer Verquickungen in der ganzen Region für Aufsehen sorgt (die OP berichtete).

„Wir kommen aus Marburg, wir stehen zu Marburg, wir wollen am Standort bleiben und mehr: Wir wollen wachsen – und dafür braucht es zukünftig viel Platz“, sagt Sälzer im OP-Gespräch. So äußert man sich auch in Bielefeld, beim neuen Partner, dem Schüco-Konzern: „Jeder Quadratmeter, den wir jetzt nicht für unseren Ausbau sichern, beschneidet uns in der Umsetzung unserer ambitionierten Pläne.“ Das sei ein ­„deutliches Bekenntnis“ für Marburg, für die jetzt 120 und in Zukunft laut Sälzer mehr als 200 Mitarbeiter.

Großer Bedarf an Flächen

Die ­Expansionspläne habe es jedoch bereits schon weit vor dem ­Zusammenschluss mit dem Konzern gegeben. „Ob mit oder ohne Schüco: ­Einen Bedarf an diesen, an allen Flächen hatten wir ohnehin“, sagt er mit Verweis auf die Wachstumszahlen, die nach Unternehmensangaben aktuell schon „ohne den Schüco-Effekt“ im zweistelligen Bereich liegen.

Der SEG habe Sälzer spätestens Ende 2017 verdeutlicht, dass es sich bei diesen letzten verbliebenen Grundstücken um „essenzielle Flächen für die Expansion“ des Familienunternehmens handele. Zumal man schon bei einem vorherigen Grundstücksverkauf und der anschließenden Errichtung eines Schlaflabors – das war im Jahr 2016 – im ­Gebiet „nicht zum Zuge gekommen“ sei und „Einwände gehabt“ ­hätte.

Firma Sälzer spricht von "Vertrauensschaden"

Gibt es eine Rechtsverbindlichkeit samt Schadenersatzansprüchen durch Reservierungsschreiben für die ­Firma ­Sacher und für die Kommunikatöre, wie SEG und Magistrat es erkennen? Denn laut diesen gebe es zumindest einen ­möglichen „Vertrauensschaden“ in nicht zu beziffernder Höhe. Wenn das so sein sollte, verweist Sälzer auf einen um viele Jahre älteren Anspruch, auf Schreiben der SEG aus den späten 1990er-Jahren. Danach sei die Firma über alle Flächenverkaufs-Vorhaben im Stadtwald vorab für einen möglichen Vorkauf zu informieren.

Davon, dass die Abmachungen nur auf zehn Jahre befristetet seien, wie die Stadtverwaltung mehrfach auf OP-Anfrage mitteilte, weiß Sälzer nichts. Er legt der OP die Originalschreiben vor, in denen tatsächlich keine solche Zeitangabe steht. „Und einen Widerruf dieses Schreibens hat es nie gegeben“, betont Sälzer.

„Der Anstand gebietet es, den großen Player über die Pläne in seiner direkten Nachbarschaft aktiv zu informieren, ihn zu seinen Plänen zu fragen. Das ist in allen Kommunen so, es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz“, sagt Sälzer. Das sei jedoch bereits beim Schlaflabor nicht mehr geschehen. Die „Stadtwald-Leaks“ bestätigen das: „Hier wurde mit der Sälzer GmbH keine Rücksprache gehalten, da im Fall der damaligen Erweiterungsabsichten zweiter anderer Firmen nie Interesse seitens Sälzer bestand“, heißt es darin.

Gibt es die Zusage für das Sporthallen-Areal schon länger?

Genügen denn die Flächen? „Prinzipiell kann ich mit dem Kompromiss leben“, sagt Sälzer und bezieht das auf die Zusage der SEG und der Stadtspitze, neben den kleineren Grundstücken gegenüber des eigenen Verwaltungsgebäudes perspektivisch das größere Sporthallen-Areal, das im Besitz der Stadt ist, erwerben zu können. Und diese Zusage gebe es nicht erst seit kurzem. „Darauf verlassen wir uns“, sagt er und lobt ausdrücklich den SEG-Geschäftsführer, Gewobau-Chef Jürgen Rausch, für dessen Verhandlungsführung und den ausgehandelten Kompromiss.

Dass Sälzer für die Bauplatzverlegung dem Bieter-Konkurrenten „Die Kommunikatöre“ faktisch 60 000 Euro zahlen soll, nimmt der Firmenchef trotzdem eher zähneknirschend hin. „Das dient letztlich der Perspektive meiner Mitarbeiter.“
Sälzer nennt gegenüber der OP Zahlen: Jährlich nehme die Stadt über den unternehmerischen Erfolg der Firma zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro direkte und indirekte Steuern ein.

Schon die Gewerbe- und Grundsteuerzahlungen lagen nach Unternehmensangaben im Lauf der vergangenen Jahre im sechsstelligen Bereich. Die direkte Bieter-Konkurrenz aus Kommunikatören plus Simon & Widdig sind hingegen jeweils Kleinunternehmen, deren Gewerbesteuerpflicht sich wegen der Rechtsform – Gesellschaften des Bürgerlichen Rechts – nicht einordnen lässt.

von Björn Wisker
und Andreas Schmidt