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Stadtentwickler zerpflücken Rotenberg-Vorhaben

Stadtentwickler zerpflücken Rotenberg-Vorhaben

Der Obere Rotenberg soll laut Magistrat zum Wohnviertel werden – eventuell mit angrenzendem Supermarkt. Doch ein zentrales Verwaltungsdezernat hat sich gegen einen Tegut-Bau ausgesprochen, nicht nur wegen des Verkehrs.

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Supermarkt an der Straße, Wohngebiet in direkter Nachbarschaft? Die aktuellen Pläne am Oberen Rotenberg gehen in diese Richtung. 

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Die Planung eines großflächigen Einzelhandelszentrums am Standort ist in stadtentwicklungsplanerischer Beurteilung in jeder Hinsicht strukturell, nahversorgungstechnisch, verkehrstechnisch nachteilig, zerstört gewachsene Strukturen“, heißt es in ­einer Stellungnahme der Stadtverwaltungsabteilung, die der OP vorliegt.

Nach einer Markt-Eröffnung, so die bereits vor einem Jahr vorgenommene Bewertung, drohe „erheblicher Kfz-Verkehr“ auf „wenig leistungsfähigen Straßen“. Höhenweg, Köhlersgrund und Rotenberg würden „zusätzlichen Verkehr verkraften müssen“, obwohl sie für weiter zunehmenden Verkehr „ungeeignet sind“.

Und auch aus Dagobertshausen und Elnhausen würden – bisweilen durch Wehrshausen fahrend – mehr Autos kommen. Und in diese bislang nur verwaltungsintern vorliegende Stellungnahme floss das mögliche Wohngebiet am Rotenberg, für das neben dem Hasenkopf am Stadtwald nun eine Standortanalyse vorgelegt wurde, noch nicht ein.

Die Wirtschaftsförderung fürchtet, dass Tegut das Einzugs- und somit Kundengebiet nicht mit den westlichen Stadtteilen wie etwa Michelbach oder Elnhausen berechnet, sondern dass in die Berechnungen auch Bewohner „entlang des Rotenbergs und anderswo stadtseitig“ eingeflossen sind.

„Erhebliche negative Folgen für die Stadt“

Es sei ­etwa „wenig wahrscheinlich“, dass Michelbacher an dem ­Marbach-Standort einkaufen, da Sterzhausen näher liege. Angesichts der vorgesehenen Verkaufsfläche von etwa 1500 Quadratmetern und der kilometerweit entfernten Kundenbezugspunkte – etwa in Elnhausen oder Dagobertshausen – handele es sich beim Rotenberg-Markt nicht um eine Nahversorgung, sondern um großflächigen Einzelhandel in nicht-integrierter Lage zur Versorgung eines weiten Stadtbereichs.

Die Errichtung solcher Lebensmittelmärkte sei rechtlich „nicht mehr zulässig“, stünde zudem dem Regionalplan Mittelhessen 2010 entgegen und widerspräche grundsätzlich dem Masterplan Einzelhandel der Universitätsstadt. Denn ein Tegut in der oberen Marbach würde die Existenz des Lebensmittelladens Piskin in Elnhausen – der im Gegensatz zu anderen Dorfläden noch nie städtische Zuschüsse beantragte – gefährden.

Wegen zusätzlicher Vorhaben mit Bäckerei, Post und Bank und der damit verbundenen Ausdehnung der Verkaufsfläche auf 2000 Quadratmeter werde ein „richtiggehendes Einkaufszentrum projektiert“ – etwas, das seitens der Stadt „nie vorgesehen war“. Sollte man anders entscheiden, wäre das statt langfristig angelegter strategischer Stadtentwicklungsplanung ein „Nachvollzug privatwirtschaftlicher Standortoptimierungen unter Inkaufnahme erheblicher negativer Folgen für die Stadt, insbesondere für die westlichen Stadtteile“.

Tegut: „Gehen eher von Verkehrs-Reduktion aus“

Auf OP-Anfrage äußert sich Tegut gestern: Man wolle weiter „an dieser Stelle einen Markt positionieren“, da der Standort „für einen Nahversorger sehr gut geeignet ist“. Wegen einer „wohnortnahen Versorgung gehen wir eher von einer Reduktion des Verkehrsaufkommens aus“. Postfiliale und Bankdienstleistungen würden „den Nahversorgungscharakter eher noch unterstreichen, da damit erneut Fahrten in andere Stadtgebiete vermieden würden“.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) bekräftigte zuletzt, dass Wohnviertel und Markt-Entscheidung nicht zusammenhängen. Doch wie mit den Supermarkt-Plänen umgegangen werde, wurde bereits vor Monaten von Stadtverordneten der ZIMT-Regierung als „eine Vorentscheidung für die Frage der Wohngebiete“ gewertet: pro Marbach, contra Hasenkopf.

Damals wurde in der Kommunalpolitik jedoch noch davon ausgegangen, dass nur einer von beiden Standorten zum Wohngebiet wird – der neue Magistrats-Kurs ist jedoch der, dass aufgrund der Wohnungsknappheit beide Flächen bebaut werden und nur Fragen der Reihenfolge und Gestaltung offen sind.

von Björn Wisker

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