Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Stadt will Einweggrills verbieten
Marburg Stadt will Einweggrills verbieten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 27.09.2018
Würstchen und Steaks dürfen auf Wiesen oder in Parks künftig nicht mehr auf Einweggrills landen – vor allem, um Müll etwa auf den Lahnwiesen zu vermeiden. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
Marburg

Müllberge auf den Wiesen, ramponierte Rasen, Feuerwehreinsätze wegen glühender Kohle am Lahnufer: Seit Jahren beklagen sich Anwohner vor allem im Süd- oder Campusviertel über Grillfeiern und deren Auswirkungen. Nun hat die ZIMT-Regierung einen Antrag auf den Weg gebracht, um die Probleme einzuschränken. Zum einen soll künftig die Nutzung von Einweggrills aus Aluminium auf den Lahnwiesen, auf städtischen Grünflächen und in Parkanlagen verboten werden. Zum anderen soll geprüft werden, ob an beliebten Treffpunkten stationäre Grills – eventuell samt feuerresistenten Kohlebehältern – aufgebaut werden können.

„In jedem Sommer sind die Hinterlassenschaften von Grillfeiern auf den Wiesen ein Ärgernis“, sagt Karin Schaffner, CDU-Stadtverordnete. Speziell die Einweggrills seien „schädlich für Umwelt und Gesundheit“, ein Verbot sorge für einen „verantwortungsvollen Umgang mit den öffentlichen Grünflächen“. Als Ersatz könnten fest im Boden eingesetzte Grills dienen. Das stößt auf Zustimmung von Jonathan Schwarz, Linken-Stadtverordneter. Er verweist auf die Möglichkeit, solargespeiste Elektrogrills aufzubauen, was „die sozialökologisch perfekte Lösung“ sei. Zudem solle der Aufbau von Spezial-Müllbehältern geprüft werden, um Brandgefahr durch glühende Holzkohle zu minimieren.

Aktuelles Grillverbot habe "sehr gut gegriffen"

Auch Hanke Bokelmann (FDP) begrüßt den Aufbau fester Grillstationen, „alleine schon, um dem Müllproblem Herr zu werden“. Allerdings sei das Einweggrillverbot „absurd, insofern es nicht konsequent vom Ordnungsamt kontrolliert und durchgesetzt wird“. Das sieht Hans-Werner Seitz (Grüne) ähnlich: „Die Kontrolle, die Sanktionierung wird das Problem. Aber eines, mit dem man wird leben müssen.“ Skeptisch zu den festen Grillstationen äußert sich Dominic Dehmel (SPD): Das Lahnufer sei Überschwemmungsgebiet, die Lahnwiesen gegenüber der Erlenring-Mensa zählten zudem zum Stadtfest-Areal. Dort „prinzipiell durchaus sinnvolle“ gemauerte Feuerstellen aufzubauen, könne problematisch sein – im Gegensatz zu mobilen, schnell montierbaren Grillstationen.

Der Magistrat unterstützt die Sorge: „Feste Grillstellen sind im Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebiet sehr schwer zu realisieren“, sagt Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU). Trotzdem sei der Ansatz „prinzipiell richtig“ und einer, an dem die Stadtverwaltung bereits arbeite. Das Einweggrillverbot wolle man hingegen in jedem Fall aufgreifen – etwa als Teil einer umfassenden Grünanlagensatzung.

Das im zurückliegenden Hitzesommer wegen der anhaltenden Trockenheit und Brandgefahr verhängte Grillverbot habe „sehr gut gegriffen“, resümiert Bürgermeister Stötzel. Es habe in den vergangenen rund zwei Monaten zum einen im öffentlichen Raum kaum Verstöße gegeben, zum anderen seien die Rasenflächen etwa an den Lahnwiesen in einem „viel besseren Zustand als im Spätsommer üblich“.

von Björn Wisker