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Marburg Stadt Marburg fördert Kampf gegen Graffiti
Marburg Stadt Marburg fördert Kampf gegen Graffiti
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00:16 26.06.2018
Ralf Schmidt vom Dienstleistungsbetrieb Marburg demonstriert an einer Rathaustür, wie aufwendig und trotzdem schnell die Beseitigung von Graffiti sein kann. Die Stadt will diese bei Privathäusern nun fördern. Quelle: Katja Peters
Marburg

Einen finanziellen Zuschuss erhalten private Hauseigentümer zukünftig, wenn sie gesprayte Schriftzüge oder Bilder von ihren Hauswänden entfernen lassen. „Es geht vor allem um die sinnlosen, inhaltsfreien Schmierereien“, betonte Wieland Stötzel. Der Bürgermeister stellte, nach Stadtverordnetenbeschluss im vergangenen Jahr, das Ergebnis der Magistratsvorlage gegen illegale Graffiti oder Farbschmiereien vor.

Demnach können Hausbesitzer eine 50-prozentige Förderung, höchstens jedoch 2000 Euro, beantragen. Und das auf zwei Wegen. Wenn der Eigentümer eine private Fachfirma zur Reinigung beauftragt, dann stellt er einen Antrag an die Bauverwaltung und reicht den Kostenvoranschlag nebst einem Foto der Schmierereien ein.

Strafanzeige bei der Polizei ist Pflicht für Förderung

Die zweite Möglichkeit, und das ist die von Wieland Stötzel favorisierte, ist die Beauftragung des Dienstleistungsbetriebes Marburg (DBM). „Denn dann koordinieren wir als Stadt die Beseitigung und können uns gegebenenfalls ganze Straßenzüge vornehmen“, erklärte er. Das würde die Kosten enorm senken, und der Eigenanteil „wäre deutlich geringer“, ist er sich sicher.

Bürger, die dieses Angebot in Anspruch nehmen möchten, melden sich einfach beim DBM, der dann alles Weitere koordiniert. Einzige Voraussetzung für die Förderung ist eine Strafanzeige bei der Polizei, die auch in Kopie vorgelegt werden muss. Und sollte es Schadenersatzzahlungen von Versicherungen geben, so werden die natürlich auf den Förderbetrag angerechnet.

„Je schneller es weggemacht wird, desto besser“

Joachim Brunnet, Leiter des Dienstleistungsbetriebes, betonte auch noch einmal, dass es um „Sinnlos-Graffiti“ gehe „und nicht darum, Kunst zu beseitigen“, die in der Vergangenheit beispielsweise von der Stadt in Auftrag gegeben wurde. Für ihn ist ein entscheidender Punkt, um die Sprayer von ihren illegalen Taten abzuhalten, das schnelle Beseitigen der Tags.

„Es ist wissenschaftlich erwiesen: Je schneller es weggemacht wird, desto besser.“ Deswegen ist jeder Bürger angehalten, die Stadt über diese Art Schmiererei zu informieren, damit diese schnellstmöglich entfernt werden kann, gerade auch am städtischen Eigentum. Obwohl diese Reinigung selbstverständlich nicht unter das Förderprogramm fällt, sondern der ureigenste Auftrag des DBM ist. Joachim Brunnet: „Unsere Stadt sauberzuhalten.“

Entfernung der Schmierereien oft aufwendig

Hochspezialisierte Technik, die derzeit noch angemietet wird, und eigenes Fachpersonal werden und sind bereits für die Beseitigung im Einsatz. Einer davon ist Ralf Schmidt. Der Abteilungsleiter Straßenreinigung zeigte an einer beschmierten Rathaustür, wie schnell die Reinigung gehen, aber auch, wie zeitaufwendig sie sein kann. Mit diversen Reinigungsmitteln in Sprühflaschen demonstrierte er, was alles notwendig ist, um die Tags zu entfernen.

„Dabei kommt es auch darauf an, wie alt die Graffiti sind und wie der Untergrund beschaffen ist“, so der Spezialist. „Je älter die Farbe, desto aufwendiger die Beseitigung“, weiß der Experte. Im Fall der metallenen Rathaustür ließen sich einige Tags problemlos beseitigen, bei dem großen Weißen allerdings wird wohl das Heißwasserverfahren zum Einsatz kommen müssen.

Stadt stellt 40.000 Euro 
in den Haushalt

Bürgermeister Stötzel erhofft sich durch die sauberen Fassaden, Garagen und Mauern eine erhöhte Attraktivität des Stadtbildes – nicht nur für Besucher, sondern auch für die Bürger. 40.000 Euro wurden für das Förderprogramm für 2018 in den Haushalt eingestellt, in der Hoffnung, dass sich die Hauseigentümer durch den finanziellen Zuschuss für die Beseitigung entscheiden und Strafanzeige stellen.

Aufklärung, Sensibilisierung und die Bereitstellung legaler Sprühflaschen zur künstlerischen Gestaltung für Interessierte gehören aber ebenfalls zum Gesamtkonzept, das die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat. Sprayaktionen im Jägertunnel und am Rudolphsplatz haben die dortigen Wände deutlich aufgewertet und „Sinnlos-Graffiti“ einfach überdeckt.

von Katja Peters