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Marburg Verkehr gibt Ausschlag für Stadtwald
Marburg Verkehr gibt Ausschlag für Stadtwald
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00:18 11.11.2018
Der Hasenkopf, die Freifläche links neben dem bestehenden Wohngebiet soll laut Naturschutzverbänden nicht bebaut werden. Widerstand, vor allem wegen Verkehrsfragen, regt sich auch am Alternativstandort Oberer Rotenberg. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

In den vergangenen Monaten hatte die Stadtverwaltung mit 1000 Autofahrten mehr pro Tag kalkuliert, sobald ein Wohngebiet mit etwa 200 Wohneinheiten in der Marbach entsteht. Anwohner protestieren seitdem gegen die Pläne. Im Stadtwald ist eher die bedrohte Natur Gegenstand der Diskussion – wobei viele durch ein Hasenkopf-Wohngebiet vor allem eine Verkehrsverstopfung in Alt-Ockershausen, zwischen Hermannstraße und Hoher Leuchte befürchten.

Die Empfehlung des Magistrats an das Stadtparlament, das Ende dieses Monats entscheiden soll, ist aber der Stadtwald-Standort – mit einem Drittel der bis zu 350 Apartments als Sozialwohnungen. „In der Graf-von-Stauffenberg-Straße wird die Verkehrssituation auch nach einer Bebauung eher nicht so drastisch wie sie entlang des Rotenbergs heute schon zeitweise ist“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Der Stadtwald würde damit von 1300 auf mehr als 2000 Bewohner wachsen, was laut OB über eine dann zwingend geschehende Infrastruktur-Verbesserung – etwa Nahverkehr und Kinderbetreuung – für „eine umfassende Aufwertung und Angliederung des ganzen Gebiets an die Stadt“ sorgen werde.

Tegut-Lebensmittelmarkt auf Gärtnereigelände

„Erst soll das große Gebiet, das den Platz für viele Wohnungen bietet, kommen, und im Nachgang soll die Marbach ausgebaut werden“, ergänzt Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) – jeweils unterhalb der Bergkämme und erst nach Prüfung aller ab nächstem Jahr zu erstellenden Gutachten.

In der Marbach soll nach dem Willen des Magistrats nun eine abgespecktes Wohnungsbauvariante umgesetzt werden: Die städtische Gewobau soll zum einen maximal dreistöckigen Sozialwohnungsbau sowie Platz für gemeinschaftliches Wohnen errichten. Gesamtumfang: 40 Wohneinheiten, was einem Fünftel der zuletzt geplanten entspricht. Allerdings soll in direkter Nachbarschaft ein Tegut-Lebensmittelmarkt gebaut werden – ein Vorhaben, das seitens des Magistrats zuletzt streng von der Wohnviertelfrage abgekoppelt wurde.

Baustart in der Marbach möglicherweise schon 2020

Während am Hasenkopf ein Baubeginn – angesichts von 40 Grundstückseigentümern – nicht vor dem Jahr 2025 scheint, hält Stadtplaner Reinhold Kulle in der Marbach angesichts geklärter Flächenfragen einen Baustart in der Marbach schon im Jahr 2020 für denkbar. Tegut, das schon seit Jahren ­Interesse an einer Supermarkteröffnung an dem Standort bekundet, würde das „Ende der jahrzehntelangen Unterversorgung der Stadtteile bedeuten“, sagt Kulle mit Verweis auf die seit langem existierenden Forderungen sowohl was die Marbach als auch was Wehrshausen angeht.

Eine Erweiterung des möglichen Marbacher Mini-Wohngebiets sei angesichts der Prognose des Regierungspräsidiums Gießen, das Marburg bis 2030 3000 Mehr-Bewohner hat, bis zum Jahr 2030 aber angedacht. „Eine Anschlussplanung muss es geben“, sagt Kulle.

von Björn Wisker