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Spucke, eine Stalkerin und ganz viel Whisky

KFZ Marburg Spucke, eine Stalkerin und ganz viel Whisky

Es war wohl eine der letzten Gelegenheiten, Alexander Kaschte live zu erleben. Der Marburger Künstler und Musiker startete am Donnerstag im KFZ zu einer Tournee, mit der er sich von der Bühne verabschiedet.

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Alexander Kaschte auf der Bühne und die Fans vor der Bühne ließen beim Konzert von „Samsas Traum“ die Haare fliegen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. In diesem Rahmen präsentierte er sein Nebenprojekt „Weena Morloch“ und seine Hauptband „Samsas Traum“. Den 200 Fans wurde ein intensiver Abend geboten.

Zunächst ertönten lediglich metallisch krachende Schläge aus den Lautsprechern. Nach und nach betraten die Musiker die Bühne und allmählich entwickelten sich Liedstrukturen aus dem monotonen Hämmern. Es musste sich also um „Weena Morloch“ handeln, die den ersten Teil des Abends mit einer Mischung aus elektronisch-industriellen Klängen und verzerrten Gitarren gestalteten. Kaschte selbst erschien schließlich in eine Art Zwangsjacke gehüllt und gab sich Mühe, mit seinem Verhalten dieser äußeren Erscheinung zu entsprechen. Er ließ eine Puppe kreischen und trampelte anschließend auf ihr herum. Er stürzte sich von der Bühne und wälzte sich auf dem Boden herum. Selbst vor dem Bespucken des Publikums scheute er nicht zurück. Die Reaktionen darauf waren gemischt, einige Zuhörer zogen sich in den hinteren Teil des Raums zurück.

Doch die wachsende Zahl der Gäste zeigte, dass die meisten von ihnen wegen Kaschtes Hauptband „Samsas Traum“ kamen. Nach einer Umbaupause und dem Abspielen der russischen Nationalhymne brach der zweite Teil des Abends an. Bereits optisch wurde der Unterschied deutlich: Kaschte erschien im schwarzen Hemd, die langen Haare zum Zopf gebunden, und fragte ironisch, was das für eine abgedrehte Band vor ihm gewesen sei. Nun änderte sich zusehends die Stimmung. War das Publikum bei „Weena Morloch“ mitunter zurückhaltend bis irritiert, kam es nun in Schwung bei der harten, aber melodiösen Musik von „Samsas Traum“. Dies lag wesentlich auch an Kaschtes sympathischerem Verhalten: Der exzentrische Musiker begeisterte immer wieder mit humorvollen Ansagen und statt Spucke spendierte er seinen Fans Whisky.

Die gute Stimmung erhielt einen Dämpfer, als das Konzert unterbrochen wurde. Eine Stalkerin musste des Saals verwiesen werden. Der Frau war es, nach Kaschtes Auskunft, untersagt gewesen, sich ihm mehr als 20 Meter zu nähern, da sie bereits in seine Wohnung eingedrungen war und ihm mit einem Anschlag gedroht hatte. Nachdem sie vor der Tür von der Polizei abgeführt wurde, ging das Konzert weiter, doch Kaschte war sichtlich mitgenommen von dem Zwischenfall. „Jetzt seht ihr die Wahrheit“, meinte er dazu. Es blieb auch ungeklärt, wie die Frau überhaupt Zutritt zum KFZ bekommen konnte.

Letztlich konnte die Unterbrechung den Abend nicht verderben. Kaschte gewann seine Fassung wieder und die Fans feierten zu seiner Musik teils sehr ausgelassen. Nach drei Stunden ging ein Konzert zu Ende, das dem Publikum genügend Anlass zum Applaus geboten hatte.

von Manuel Hermes

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