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Marburg Spiel mit dem Schein und Sein
Marburg Spiel mit dem Schein und Sein
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18:20 20.09.2011
Der Prinz von Homburg (Lukas Goldbach, Mitte) wird von Oberst Truchß (Milan Pešl, links) und Graf Hohenzollern (Frerk Brockmeyer) festgehalten. Rechts der Kurfürst (Roman Kurtz). Quelle: Rolf K. Wegst

Gießen. Vor 200 Jahren beging er am 21. November Selbstmord: Heinrich von Kleist. Am 4. Mai startete in Deutschland das Kleist-Jahr, um an einen der wichtigsten Klassiker der deutschen Literatur zu erinnern. Das Stadttheater Gießen erinnert mit der Aufführung des Schauspiels „Prinz von Homburg“, das erst 1821 und damit zehn Jahre nach seinem Tod in Wien uraufgeführt wurde, an das lange verkannte Genie.

Es herrscht Krieg in Brandenburg, und der Plan für die entscheidende Schlacht gegen die Schweden ist bis ins Detail ausgearbeitet. Doch der General der Reiterei, Prinz Friedrich Arthur von Homburg (Lukas Goldbach), Ziehsohn des Kurfürsten Friedrich (Roman Kurtz), ist bei der Ausgabe der Parole nicht bei der Sache.

Er ist noch in Gedanken an kommenden Ruhm und an die Frau, von der er unmittelbar zuvor im Garten des Schlosses Fehrbellin schlafwandelnd geträumt hat. Oder war es doch real? Homburg missachtet in der Schlacht seinen Befehl und erringt den Sieg. Der Kurfürst, erbost über den Eigensinn, lässt den Helden zu Tode verurteilen.

Erst die Todesnähe lässt den Träumer Homburg den Ernst seiner Situation erkennen und um sein Leben betteln. Tatsächlich lässt der Kurfürst einen Ausweg für den Prinzen offen. Doch bei Homburg setzt ein Sinneswandel ein: Er will jetzt durch seinen Freitod das Gesetz, die Mutter der kurfürstlichen Herrschaft, verherrlichen. Selbstmordgedanken, Todesnähe und Todesfurcht waren ständige Begleiter des zu Lebzeiten verkannten Kleist – bis zu seinem Selbstmord 1811.

Weitere Aufführungen sind am 25. September, am 1., 6. und 14. Oktober jeweils um 19.30 Uhr.

von Timo Scheibe

Mehr über das Theaterstück lesen Sie am Mittwoch in der gedruckten OP.