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Marburg Spiel mit Erwartungen und Bildern
Marburg Spiel mit Erwartungen und Bildern
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19:43 16.11.2011
Slawomir Elsner steht vor seinem Gemälde „Die Galoschen des Glücks“. Die Konturen erinnern an Delacroix. Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Ein wenig wundert sich der Betrachter schon über die Buntstiftzeichnungen der Serie „Populaire“ des 35-jährigen Künstlers aus Polen, der in Kassel aufgewachsen ist, dort freie Kunst studierte und heute in Berlin lebt.

Bis zu zwei Monate arbeitet Elsner an den großformatigen Zeichnungen, die fast an Gemälde erinnern. Vorlagen sind pornografische Bilder aus den 1970er Jahren, die er im Internet entdeckt. Ist das Bild auf schwerem Papier fertig, greift Elsner zu und reißt die Mitte heraus. Stehen bleiben mehr oder weniger große Randstücke, mit mehr oder weniger eindeutigen Szenen. „Es fehlt die Mitte, das Wichtigste“, sagt der Künstler. Diese Mitte, diese weiße Fläche, müsse sich der Betrachter im Geist „ausmalen“.

Und was macht Slawomir Elsner mit den Ausrissen? „Den ersten Rest habe ich noch aufgehoben, alle anderen werden vernichtet, damit ich nicht auf dumme Gedanken komme“, sagte er.

Schon bei der Auswahl der Bildvorlage, schon beim Zeichnen überlege er, wie und was er aus dem Bild herausreiße. „Es ist anstößig, pornografisch, sage ich mal – aber das wesentliche ist eben nicht zu sehen“, erklärt Elsner, der im Alter von 11 Jahren nach Deutschland kam.

„Populaire“ ist eine von drei Serien, die der Künstler mit nach Marburg gebracht hat. Sie dominiert das Erdgeschoss. Das Obergeschoss gehört der Malerei. Kleinformatige „Portraits“ hängen dort, Portraits, die keine Portraits sind. Wieder einmal ist es ein Spiel mit Erwartungen des Betrachters. Er sieht Personen, Männer und Frauen, sieht die Köpfe, aber keine Gesichter. Mal sind sie verdeckt von einem Teller, mal von einem Weinglas, Mal sind sie von Licht überstrahlt, mal liegen sie im Dunkel. Wie Schnappschüsse, die man normalerweise nicht aufheben würde.

„Marginesy“, erklärt Elsner, „meint im Polnischen eigentlich den Rand eines Blattes, eines Heftes. Es bedeutet aber auch Ränder der Gesellschaft und wird abwertend gemeint.“ Ränder tauchen überall auf in seinen Bildern. Der Wagen eines Penners im Schnee ist ein gesellschaftliches Randgebiet.

Die Ausstellung wird am Freitag um 18 Uhr eröffnet. In das Werk führt die Berliner Kuratorin Dorothee Bienert ein. Die Ausstellung ist bis 12. Januar zu sehen; geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

von Uwe Badouin