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Marburg Spaß mit Haydns Applaus-Scherz
Marburg Spaß mit Haydns Applaus-Scherz
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18:46 09.04.2013
Das „delian::quartett“ gastierte beim Konzertverein in der Marburger Stadthalle. Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Zu einem Streichquartett-Abend gehört selbstverständlich Joseph Haydn auf das Programm. Er gilt als Begründer dieser Gattung - mit den „russischen Quartetten“ op. 33 erreichte er die klassische Grundform, die in ihrer Struktur und thematischen Anlage der Sonatensatzform folgte, ebenso wie die großen Sinfonien. Mit der Vierstimmigkeit und dem homogenen Streicherklang gilt das Streicherquartett bis heute als anspruchsvollste Form der Instrumentalmusik.

Die vier Musiker des „delian::quartetts“ - Adrian Pinzaru, Andreas Moscho, Aida-Carmen Soanea und Romain Garioud - wurden höchsten Ansprüchen gerecht. Herrlich erklang das erste, gesangsartige Thema, das sich zu kleineren Motiven abspaltete. Die schnellen Finger des Rumänen Adrian Pinzaru als erste Geige waren atemberaubend. Auch im zweiten Satz wurde der schöne warme Klang der Streicher fortgesetzt.

Der ein oder andere im Publikum hätte hier schon gerne applaudiert. Der falsche Applaus kam aber erst im vierten Satz, der dem Streichquartett auch den Beinamen „Der Scherz“ verleiht. Hier spielt Haydn gekonnt mit den Hörerwartungen, indem er am Schluss das hohe Tempo mit vielen schnellen Figuren durch ein Adagio-Einschub durchbricht. Danach folgt wieder die schwungvolle Musik und man meint das Stück wäre zu Ende. So war es auch am Sonntag in der Stadthalle. Aus dem Haydn’schen Scherz wurde sehr schnell auch ein Spaß für Publikum und Musiker, denen das Irreführen und Hinhalten sichtlich Spaß machte. Mit einem kräftigen Schwung folgten die letzten Noten und erst nach dem verschmitzten Nicken von Pinzaru traute sich das Publikum dann den richtigen Applaus anzustimmen. Begeistert wurde diese Spielfreude mit langem Applaus und Fußtrampeln gefeiert.

Umrahmt wurde dieses Meisterwerk von Henry Purcell und Dmitri Schostakowitsch. In Purcells Fantasien Nr. 6 und 10 zeigten die vier Streicher des „delian::quartetts“ die Gleichberechtigung der Stimmen. Munter konzertierten sie miteinander oder imitierten sie einander und bewiesen dabei, wie gut sie inzwischen aufeinander eingespielt sind. Auch die verschiedenen Tempowechsel wurden hervorragend umgesetzt. Die langsamen Sätze waren getragen, die schnellen Sätze sprühten vor Spielfreude.

Schostakowitschs Streichquartett Nr. 3 klang nach dem schwungvollen Haydn-Quartett etwas schwerer. Mit diesem Werk konnten die vier Musiker noch einmal ihr Können unter Beweis stellen, besonders in der Interpretation des ersten Satzes als Doppelfuge oder der Unisono-Passacaglia im vierten Satz, der nahtlos in den fünften überging. Hier wurde die Komposition sehr rhythmisch und melodisch miteinander verarbeitet.

Der Konzertverein hatte vor einigen Jahren den richtigen Riecher, als sie das damals junge, noch wenig bekannte „delian::quartett“ einluden. „Es war ein großes Vergnügen wieder hier zu sein“, so Violinist Andreas Moscho. Es bleibt zu hoffen, dass das fantastische Ensemble bald wieder in Marburg zu hören sein wird.

von Mareike Bader

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