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Marburg Kreditgeschäft sorgt für Wachstum
Marburg Kreditgeschäft sorgt für Wachstum
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10:31 19.02.2018
Die Sparkassen-Vorstände Harald Schick (von links), Andreas Bartsch und Jochen Schönleber stellten gestern die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahrs vor. Quelle: Sparkasse
Marburg

„Wir hatten ein wirklich gutes Kundengeschäft, das zu einem deutlichen Wachstum geführt hat“, bilanzierte der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Andreas Bartsch.

Um 100 Millionen Euro ist die Bilanzsumme der Sparkasse Marburg-Biedenkopf im vergangenen Jahr gestiegen – auf fast 3,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 3 Prozent – und somit auch einer leichten Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, als das Plus noch bei 2,8 Prozent lag.

Das Kundengeschäftsvolumen – also Kredit-, Einlagen- und Kundenwertpapiergeschäft – sei vergangenes Jahr um rund 300 Millionen Euro auf 5,5 Milliarden Euro gestiegen – ein Wachstum um 4,6 Prozent.

Bartsch betont jedoch: „Bilanzsummenwachstum ist für uns kein originäres Ziel – reine Größe ist für die Sparkasse­ nicht entscheidend, sondern Einlagen- und Kreditgeschäft.“ Vor allem Letzteres sei Wachstumstreiber gewesen – „und da vor allem das Firmenkundengeschäft“, wie Bartsch erläuterte. Demnach sei dieses im vergangenen Jahr um 16 Prozent gestiegen, das Kreditgeschäft insgesamt wuchs um 9,5 Prozent oder 173,3 Millionen Euro auf 1,997 Milliarden Euro.

Bausparverträge: 92,6 Millionen Euro

Weiter gefragt seien auch Wohnungsbaufinanzierungen. Und dabei spiele weiterhin der Bausparvertrag eine wichtige Rolle – die Sparkasse habe im vergangenen Jahr Bausparverträge mit einer Summe von 92,6 Millionen Euro vermittelt – ein Plus um 9,6 Prozent oder 8 Millionen Euro und ein Volumen, das es so in der Sparkasse Marburg-Biedenkopf noch nicht gegeben habe.

Vorstand Jochen Schönleber erläuterte, dass die Sparkasse im Fördermittelgeschäft für Firmenkunden einen Zuwachs um 8 Prozent auf 50 Millionen Euro erzielt habe – „damit liegen wir laut Helaba auf Platz zwei aller hessischen Sparkassen“, sagt er.

Auch habe sich das Leasing-Geschäft mehr als verdoppelt – von 8,2 Millionen auf 18,5 Millionen Euro.

Bei den Privatkunden sei das Baufinanzierungsgeschäft um 8,9 Prozent gewachsen: 250 Millionen Euro habe man dort realisiert, wie Schönleber erläutert. Und: Durch das durch die potenzielle große Koalition avisierte Baukindergeld könne ­eine weitere Nachfrage generiert werden – daher schaue die Sparkasse zuversichtlich auf das laufende Jahr. „Vor allem, weil Wohnen vor allem in Marburg ein wichtiges Thema ist“, verdeutlicht Schönleber.

Das Einlagengeschäft stieg im vergangenen Jahr um 74,8 Millionen Euro auf gut 2,9 Milliarden Euro – und das Geschäft entfalle laut Bartsch nahezu komplett auf Sichteinlagen wie Girokonto, Tagesgeld oder ähnliche, kurzzeitig verfügbare Gelder.

Digitalisierung schreitet weiter voran

In Zeiten niedriger Zinsen stehe bei den Kunden aber auch das Wertpapiergeschäft hoch im Kurs, „denn nur da gibt es ja überhaupt noch Zinsen“, sagt Bartsch. Dementsprechend sei das Kundendepotvolumen um knapp 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Und auch der Absatz von Fonds-Sparplänen habe gegenüber dem Vorjahr um 59,8 Prozent zugelegt. „Das, was aber uns und auch anderen Instituten bei diesem Thema im Weg steht, ist die zunehmende Regulatorik“, sagte Bartsch. Denn eine Sparkasse, die ein ganz anderes Geschäftsmodell verfolge, als eine Privatbank, werde regulatorisch identisch behandelt.

Die meisten Kunden nutzen Online-Banking
Die Digitalisierung schreite­ weiter voran: Das Haus führe rund 420 000 Kundenkonten, die Kunden hätten zudem mehr als 140 000 Kundenkonten. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Privatgirokonten verfügten­ über einen Online-Zugang, bei den Geschäftskunden sogar 75 Prozent. „80 Prozent des Überweisungsverkehrs werden elektronisch abgewickelt – da geht es kräftig weiter voran, dort gehen alle Entwicklungen hin“, erläutert Bartsch.

Die Sparkasse respektiere, dass sie auch „immer noch die Kunden haben, die Überweisungen vor Ort abgeben wollen“ – doch die Digitalisierung schreite weiter voran. Die Nutzer-Zahl der Banking-Apps sei im vergangenen Jahr um gut 31 Prozent gestiegen. Und man arbeite daran, weitere digitale Lösungen zu entwickeln.

Im vergangenen Jahr beschäftigte die Sparkasse 842 Mitarbeiter – im Vorjahr waren es noch 869. „Unterm Strich werden wir weniger Mitarbeiter“, bestätigte Bartsch – allerdings nicht wegen Kündigungen, sondern dadurch, dass Stellen nicht mehr neu besetzt würden. Denn: Vor allem in der Beratung benötige man Personal, Service-Tätigkeiten würden weniger benötigt.

Neues Geschäftsstellendesign zuerst in Bad Endbach

Das Jahresergebnis ermögliche eine weitere Stärkung des Eigenkapitals – und auch die geplanten Investitionen. So steht nach der Neustrukturierung des Filialnetzes – bei dem man lediglich 93 Kunden verloren habe – die Modernisierung des Filialnetzes an, wie Vorstand Harald Schick erläutert. Zwei beherrschende Themen sind dabei der Total-Umbau der Filiale in Bad Endbach und der Neubau des Beratungs-Centers in Biedenkopf. Die Filiale in Bad Endbach wird die erste sein, in der das neue Geschäftsstellendesign der Sparkasse verwirklicht wird – dieses „Masterdesign“ soll für ein einheitliches Erscheinungsbild stehen und dafür sorgen, dass sich nicht nur die Kunden wohlfühlen, „sondern auch die Mitarbeiter“, wie Schick betont.
In Biedenkopf soll die Grundsteinlegung – nach dem Abriss des Turms vergangenes Jahr – Anfang März sein, „der Einzug ist 2019 geplant. Wir wollen auf jeden Fall bis zum Grenzgang im August eingezogen sein“, so Schick.
Und auch das Beratungs-Center Wetter wird in diesem Jahr umgebaut – geplant ist, im Mai zu beginnen, um spätestens im September wieder einziehen zu können.

Sparkasse will wieder 4,5 Millionen Euro

Was wird dieses Jahr bringen? Es werde „unter ähnlichen ­Voraussetzungen verlaufen, wie das vergangene“, so Bartsch – mit vielleicht sehr leicht steigenden Zinsen.
In der Vergangenheit habe die Sparkasse 4,5 Millionen Euro an ihre Träger, die Stadt und den Landkreis, ausgeschüttet. Das könne die Sparkasse auch in diesem Jahr leisten, sofern es der Verwaltungsrat beschließe.

von Andreas Schmidt