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Spannung und der längste Abspann

Kino-Premiere Spannung und der längste Abspann

Von den Anhängern des Bestsellerautors und von Sebastian Fitzek selbst lange erwartet, ist es heute so weit: Die erste Verfilmung eines seiner Thriller startet in den Kinos. Im Capitol gab es eine Vorschau.

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Autor Sebastian Fitzek (Mitte) und Regisseur Zsolt Bács waren im Capitol-Center zur Vorpremiere von „Das Kind“ zu Gast und ließen sich mit Geschäftsführerin Marion Closmann vor den Filmplakaten ablichten. Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Längst hatten sich der Psychothriller-Autor Sebastian Fitzek und seine Fans eine Verfilmung seiner international erfolgreichen Bestseller gewünscht. Die Filmrechte für seine ersten beiden, 2006 und 2007 erschienenen Thriller „Die Therapie“ und „Amokspiel“ wurden zwar von Filmgesellschaften gekauft, aber bisher nicht umgesetzt.

Nun hat er zusammen mit seinem Freund, dem Regisseur Zsolt Bács, zur Selbsthilfe gegriffen und sein 2008 erschienenes Buch „Das Kind“ als Mitproduzent verfilmt. „Dank zahlreicher Helfer konnten wir den Film zu 99 Prozent privat produzieren. Und vielen Dank an euch, weil ihr uns so viel Mut gemacht habt. Über 10 000 Facebook-Fans werden im Abspann genannt, da findet ihr euch hoffentlich auch“, rief Fitzek den Zuschauern zu. Die Fans hatten auch darüber abstimmen können, in welchen Städten der Film starten sollte, und sie konnten Komparsenrollen gewinnen.

Viel mehr konnten er und Zsolt Bács mangels Zeit vor Beginn des Films nicht mehr sagen. Von 19.30 bis 20.10 Uhr hatte die Signierstunde im Capitol-Kinosaal gedauert, so gut wie alle der etwa 150 Besucher standen geduldig Schlange für Autogramme und Erinnerungsfotos mit den beiden. Sie genossen das Privileg, den Auftakt ihrer Deutschlandtour zum Kinostart mitzuerleben. Dann mussten Fitzek und Bács schnell weiter nach Frankfurt, um dort rechtzeitig zum Ende der zeitgleichen Vorführung im Kino zu sein.

Falls der Film nicht gut laufe, habe man wenigstens den längsten Abspann der Welt, witzelte Fitzek noch. Da irrt er wohl, den dürfte immer noch der dritte Teil von „Der Herr der Ringe“ mit etwa 20 Minuten und Nennung aller Mitglieder eines Fanclubs haben.

Aber eigentlich bräuchten nur alle 3,5 Millionen Käufer der Romanvorlage in den Film zu gehen, dann wäre der Erfolg schon sicher. Und schlecht ist er wirklich nicht geworden. Die Spannung bleibt durchgängig erhalten, während die Akteure versuchen, herauszufinden, ob der zehnjährige Simon Sachs (Christian Traeumer), wirklich, wie er behauptet, 15 Jahre zuvor, in einem früheren Leben, mehrere Menschen ermordet hat, die alle pädophile Verbrecher gewesen sein sollen.

Low-Budget-Produktion mit düsterer Atmosphäre

Untermauert werden seine Behauptungen dadurch, dass er zu den Tatorten mit den verborgenen Leichen führen kann, die auf die von ihm beschriebene Weise umgebracht wurden. Und einer sei noch übrig, den er töten müsse.

Dies und weitere Handlungsstränge werden temporeich umgesetzt, wobei man die Story ruhig etwas straffen und ein oder zwei Nebenlinien der Erzählung hätte weglassen können, die nur zur Konfusion des Zuschauers führen. Aber zum Ende hin wird alles klarer, und mit unerwarteten Wendungen ist für Überraschungen gesorgt.

Dass es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt, die mit 1,1 Millionen Euro auskam, handelt, ist dem Film nicht anzusehen. Kameramann Kim Howland schafft mit seinen Bildern eine dichte, düstere Atmosphäre, macht durch geschickte optische Effekte verschiedene Ebenen der Realität unterscheidbar, aber lässt sie auch zum Teil ineinander übergehen.

Eher wohltuend ist der Verzicht auf (teure) Spezialeffekte. Immerhin gibt es einen spektakulären Zusammenstoß zweier Autos, der sehr gelungen von der Kamera eingefangen wurde.

Der international bekannteste Star der Produktion ist Eric Roberts, der ältere Bruder von Julia Roberts, der die Hauptrolle des Anwalts Robert Stern spielt. Interessant ist, dass er sich selbst für diese Rolle beworben hatte, nachdem seine Frau im Internet auf das Filmprojekt gestoßen war. Seit er vor längerer Zeit eine Begegnung mit einem vergewaltigten Jungen hatte, wollte Roberts sich gegen den Missbrauch von Kindern engagieren und sah in dem Film eine angemessene Möglichkeit dazu. Bekannte deutsche Darsteller sind Ben Becker sowie der absolut gegen sein Image besetzte Dieter Hallervorden, der ausgesprochen eindrucksvoll einen fiesen Päderasten verkörpert.

Tatsächlich blieben viele Kinobesucher auch nach dem etwas arg kitschig geratenen Schluss des 118-minütigen Films noch lange sitzen, um zu warten, bis ihr Name oder der von Bekannten im Abspann auftauchte. Einige griffen sogar zu ihren Handys und fotografierten die Leinwand im richtigen Moment ab.

nDie Fans bewerteten den Film im OP-Filmtest weitgehend positiv: Spannend, nah am Buch, sehenswert. „Heftige Thematik“, „Gut umgesetzt“, „psycholigisch fundiert“ lauteten einige Kommentare. „Das Kind“ läuft ab heute im Capitol

Von Manfred Schubert.

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