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Spannung bleibt erhalten - trotz Pause

Daniel Behle singt Schubert Spannung bleibt erhalten - trotz Pause

Der europaweit gefeierte Tenor hatte bei seinem Konzertverein-Debüt in Sveinung Bjelland einen idealen Klavierpartner.

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Daniel Behle gestaltete mit dem Pianisten Sveinung Bjelland einen Liederabend in der Stadthalle Marburg.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Pause“ heißt das zwölfte Lied in Franz Schuberts 20-teiligem Zyklus „Die schöne Müllerin“. Und ist regelmäßig eine Aufforderung ans Publikum, nach der Nummer 11, dem emphatischen „Mein!“, zu applaudieren, weil es nun tatsächlich eine Pause erwartet.

Doch die gibt es in dem gerade eine gute Stunde dauernden Liedzyklus nie. Mit dieser Tradition hat der Marburger Konzertverein am Donnerstag gebrochen: Nach dem Lied „Pause“ gab es für die 430 Zuhörer eine echte Pause von gut 25 Minuten.

Wessen Idee das war? Nicht die der beiden Künstler, die gerne durchgesungen und -musiziert hätten, um den Spannungsbogen nicht abreißen zu lassen. Es war die Idee des Konzertverein-Vorstands. Eine schlüssige Begründung dafür war jedoch nicht zu bekommen - außer: Man müsse ja auch ans Publikum denken, dass den Pausensekt und die dazu gehörenden Gespräche erwarte.

Nur nebenbei: Beethovens Neunte, die deutlich länger dauert als Schuberts „Müllerin“, ganz zu schweigen von Bruckners oder Mahlers abendfüllenden Sinfonien, wird auch immer ohne Pause gespielt.

Ein Sänger, der weiß,wovon er singt

Jedenfalls gab es nicht wenige Zuhörer, die am Donnerstag lieber keine Pause gehabt hätten.

Genauso wie die Künstler, die das Beste aus der für sie ungewohnten Situation machten und nach der ihnen aufgezwungenen Pause mit derselben Intensität wie zuvor gestalteten.

Daniel Behle, der seinem ehemaligen Stammhaus, der Oper Frankfurt, weiter als Gast verbunden ist, zählt zu den europaweit gefragtesten lyrischen Tenören und wurde bereits mit dem jungen Fritz Wunderlich verglichen.

Solche Vergleiche hinken immer. Wunderlich, der viel zu früh Gestorbene, war einzigartig. Und Behle ist einzigartig. Denn er hat eine Stimme, deren Timbre unverwechselbar ist: im Lyrischen von warmer, samtfarbener Textur, wenn er heldisch aus sich herausgeht, goldfarben strahlend.

Und er ist ein Sänger, der weiß, wovon er singt. Seine Wiedergabe der „Schönen Müllerin“ wahrt ideal die Balance zwischen distanzierendem Erzählton und tiefem Eintauchen in die Seelenzustände des jungen Müllers, der als sensible Seele „in der Liebe keine Chance hat, sobald der ,richtige Kerl‘ auftaucht“, wie es der Countertenor Jochen Kowalski zutreffend beschrieben hat.

Dabei zeigt Behle eine enorme dynamische Spannbreite und ein reiches Spektrum von Ausdrucksfarben, weiß sich dabei stets eins mit seinem so sensiblen wie klangintensiven Klavierpartner Sveinung Bjelland.

Langanhaltender Applaus und zahlreiche Bravo-Rufe

Vorbildlich sind auch Behles Textverständlichkeit und seine Kunst des Legato-Singens - ein Traum.

Das Publikum in der leider nur zur Hälfte besetzten Stadthalle dankte mit langanhaltendem Applaus und zahlreichen Bravo-Rufen.

von Michael Arndt

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