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Marburg Spannender Horror made in Germany
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17:29 18.09.2013
Daniel (François Goeske) und Elli (Jytte-Merle Böhrnsen) suchen nach einer Möglichkeit den Funkturm auszuschalten.Foto: Han/Thalhammer
Marburg

Glaubt man „Lost Place“, hat der Kalte Krieg selbst ein knappes Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer noch immer böse Folgen. Die illustriert Regisseur Thorsten Klein in seinem Spielfilmdebüt äußerst effektsicher. Der erste deutsche Mystery-Thriller in 3D und modernster Akustik dürfte selbst eingefleischten Horrorfans die Haare zu Berge stehen lassen.

Mörderisches Labyrinth zwischen Wachen und Wahn

Erzählt wird die gruselige Geschichte von vier jungen Leuten, die im schönsten Pfälzer Wald ein nur spärlich abgeriegeltes, verrottendes Industriegelände mit einer Geocache-Schatzsuche erkunden. Knapp ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Mauer mutiert ein geheimes Wissenschaftserbe des Kalten Kriegs für das Quartett zum mörderischen Labyrinth zwischen Wachen und Wahn. Hier sollen die US-Amerikaner geheime Strahlen-Experimente durchgeführt haben. Deren Folgen reichen bis in die Gegenwart: unkontrollierte Radioaktivität sorgt offenbar für Mutationen von mörderischer Gewalt. Bald sieht es danach aus, als fänden die Vier im unheilvollen Rauschen der Bäume den Tod.

Die optische Faszination des Films resultiert wesentlich aus dem Einsatz der Red-Epic-Kamera, jenem Modell, das auch Star-Regisseur Peter Jackson für seine „Hobbit“-Trilogie benutzt hat. Klein und seine Kameramänner Xiaosu Han und Andreas Thalhammer haben sich jedoch nicht zu einem überbordenden visuellen Rausch verleiten lassen. Die Bilder sind oft geradezu ausgeklügelt karg und entfalten gerade deshalb eine packende Intensität. Die Klasse der Inszenierung wird schon zu Filmbeginn deutlich: eine rasche Fahrt unter gleißendem Licht provoziert die erste Gänsehaut und entpuppt sich dann als simple Fahrt durch einen ganz gewöhnlichen Autobahntunnel. So groß die Überraschung ist, so klar wird doch auch, dass einiges an wohldosiertem Schrecken aufs Publikum zukommt.

Hohe Qualität an Optik und Akustik

Der Qualität der Optik entspricht die der Akustik. Klein hat in Dolby Atmos gedreht. Das ist eine neue Surround-Sound-Technik. Sie ermöglicht eine zuvor nie dagewesene Differenzierung von nahezu unzähligen Tonspuren auf etwa fünfzig Lautsprecher im Zuschauerraum. In Deutschland ist darauf bisher gerade mal eine Handvoll Kinos eingerichtet.

Aber selbst wer „Lost Place“ in einem kleinen Filmtheater sieht, das keine 3D-Vorführungen ermöglichen und keinen Super-Sound bieten kann, dürfte sich königlich erschrecken. Erzählung, Inszenierung und Schauspiel erfüllen höchste Ansprüche an wohligem Grusel der klugen Art. Aber, Achtung: sensible Naturen sollten den Film nur in schützender Begleitung sehen. Sonst könnte der Nachhauseweg zum Alptraum werden.

Der Film läuft im Capitol in der 3D-Fassung.

von Peter Claus

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