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Marburg Sorgen um Natur am Grüner Wehr
Marburg Sorgen um Natur am Grüner Wehr
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00:17 03.06.2018
Irgendwann ab 2020 wohl eine Großbaustelle: das „Grüner Wehr“ zwischen Weidenhausen und Südviertel. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Nach den aktuellen, vom Magistrat nun aber vorerst gestoppten Plänen ist die Haupt-Baustellenzufahrt über den Parkplatz am Fuße von Hirsefeldsteg und Universitätsstadion vorgesehen. Von dort aus sollen Baufahrzeuge wie etwa Bagger durch die Lahn zu einem – mithilfe von in den Erdboden gerammten Spundwänden – trockengelegten Teil am Wehr fahren. Auch ein neues Gutachten, eine neue Planung werde aber an dem angedachten Zufahrtsweg wenig ändern, sagt Dirk Meyer, Ingenieur von KLT-Consult aus Hannover.

„Die Baustraße braucht es, egal wie. Ihr Umfang bleibt in etwa gleich, egal ob man sich für einen Neubau oder einen Minimaleingriff entscheidet“, sagt er.

Auch eine Entscheidung gegen die vorgesehene Betonbauweise und für Naturmaterialien wie Eichenholz und Steine, wie sie während des Wehr-Workshops von einigen Teilnehmern gefordert wurde, habe keinen Einfluss auf den grundsätzlichen Zufahrtsweg in das Unterwasser.

Vor allem Kleingehölze werden gefällt

In Weidenhausen befürchten Anwohner durch das auf zwei Jahre angelegte Bauprojekt, bei dem zwischen Northampton Park und Hirsefeldsteg auch bis zu 18 Bäume gefällt werden sollen, eine langfristige Zerstörung der Natur. „Bis dieses so belebte und beliebte Gebiet wieder halbwegs intakt ist, werden viele Jahre vergehen, wenn vorher Bagger und Baumaschinen im Fluss und am Ufer alles umgegraben haben“, sagt Michael Nagel aus Wehrda bei der Diskussion in einer der drei Workshop-Arbeitsgruppen.

Die Anlage des Wegs zum Wehr, so versichert Ingenieur Dirk Meyer werde mit einem „geringstmöglichen Eingriff in den Naturhaushalt“ geschehen. Die Stadtverwaltung verweist zudem darauf, dass es sich nur bei rund der Hälfte der zur Fällung markierten Bäume um große Exemplare handelt und sonst vor allem sogenannten Kleingehölze betroffen wären.

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„Noch bevor die Baustraße angelegt wird, müssen die Flachwasserzonen angefasst werden: Dort muss vorher abgefischt werden. Und dort, wo die Baustraße verläuft, muss nach Ende der Bauarbeiten alles zurückgebaut werden, eine Re-Strukturierung in den vorherigen Zustand vorgenommen werden“, sagt Dr. Dirk Hübner, der als ­Fischereibiologe in die bisherige Planung involviert war.

Geringer Fischnachwuchs wahrscheinlich

Bei der Baustelleneinrichtung sollten die in dem unteren Teil der Lahn vorhandenen Kiesbänke „möglichst nicht tangiert werden“ und vom Wasser angeströmt bleiben, da dieser „besondere Bereiche“ als Laichgebiet für einige Fischarten diene. Wahrscheinliche Auswirkungen der Wehr-Bauarbeiten seien ein vorübergehend geringer Fischnachwuchs und eine Veränderung der Größe und Lage der Kiesinseln, auf denen sich häufig Marburger aufhalten.

Nach den seit Monaten laufenden Protesten einer Bürgerinitiative und massiven Einwänden aus dem Ortsbeirat Weidenhausen kündigte der Magistrat nach dem Workshop am Wochenende die Beauftragung eines neuen Gutachtens zum Wehr an.

von Björn Wisker