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Marburg Sorge um Michelbacher Trinkwasser
Marburg Sorge um Michelbacher Trinkwasser
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00:18 09.12.2018
Das Trinkwasser in Michelbach steht mal wieder im Fokus. Quelle: Roland Weihrauch/dpa / Themenfoto
Michelbach

In der Tat liegt der gemessene Wert des Nitrats im Michelbacher Wasser bei 48 mg je Liter. Dies geht aus der Trinkwasser-Analyse der Stadtwerke­ Marburg (Stand: September 2018) hervor. Der Grenzwert beträgt 50 mg je Liter. „Ich habe mich bereits Anfang des Jahres schon einmal mit der Qualität des Michelbacher Trinkwassers beschäftigt und bezüglich der hohen Nitratbelastung Schriftverkehr mit den Stadtwerken gehabt. Ich habe gebeten, zu erreichen, dass die Stadtwerke unmittelbar Maßnahmen ergreifen, um diese hohen Werte zu reduzieren. Doch geändert hat sich bislang nichts“, beklagt der 77-jährige Bartelmeß, Diplom-Ingenieur mit Fachrichtung Chemie, der seit 1970 in Michelbach wohnt.

Nicht nur Bartelmeß macht sich Sorgen. Auch der Ortsbeirat hat sich mit dieser Thematik mehrfach beschäftigt, zuletzt im Frühjahr dieses Jahres, sagt Julia Wackerbarth, Mitglied des Michelbacher Ortsbeirats: „Wir haben die hohen Nitratwerte in Michelbach bereits seit Jahren. Der Wert lag nie unter 40 mg je Liter, eher in der Regel knapp am Grenzwert. Die Stadtwerke haben uns aber zugesichert, das Trinkwasser noch regelmäßiger zu kontrollieren und für den Fall, dass die Nitratwerte weiter steigen, uns vom Michelbacher Brunnen abzukoppeln.“

Stadtwerke: Nitratwert in Michelbach nicht gefährdend

Auffällig ist, dass die Nitratbelastung andernorts wesentlich geringer ist als in Michelbach. So liegt der Wert in Stadtallendorf „nur“ bei 9,9 mg pro Liter, in Bortshausen bei 10,0, in Wohratal bei 14,2, in Ronhausen bei 15,0 und in Wehrda bei 18,4. Diese Orte beziehen ihr Trinkwasser aus Stadtallendorf beziehungsweise Wohratal.

Eine Ursache für eine zu hohe Nitratbelastung im Grundwasser ist laut Umweltbundesamt in erster Linie die stickstoffhaltige Düngung in der Landwirtschaft. „Der Grund für den hohen Nitratwert im Michelbacher Brunnen lässt sich nicht eindeutig feststellen“, sagt indes Sarah Möller, Pressesprecherin der Stadtwerke Marburg, und ergänzt: „Der Nitratwert für Michelbach liegt unter dem aktuell gültigen Grenzwert der Trinkwasserverordnung und ist nicht gefährdend.“

Dem widersprechen Manfred Bartelmeß und auch das Marburger Gesundheitsamt: „Die chemische Umwandlung von Nitrat in Nitrit ist für schwangere Frauen und Kleinkinder besonders gefährlich aufgrund ­einer reduzierten Sauerstoffaufnahme“, sagt Bartelmeß. „Der Grenzwert ist speziell für Säuglinge relevant“, sagt Stephan­ Schienbein, Pressesprecher des Landkreises, ergänzt aber: „Für Erwachsene besteht in der ­Regel keine gesundheitliche­ ­Gefährdung bei Überschreitung des Grenzwertes.“

Möller versichert wöchentliche Kontrollen

Bartelmeß hatte das Gesundheitsamt und auch die Stadtwerke ob der hohen Nitratwerke zum Handeln aufgefordert. Was kann ­also getan werden, um den Nitratwert im Michelbacher Trinkwasser­ zu senken?: „Eine Möglichkeit wäre, das Wasser mit ­weniger ­nitrathaltigem Wasser zu mischen. Die vorhandene ­Infrastruktur des Michelbacher Brunnens lässt dies allerdings nicht zu“, sagen die Stadtwerke, die nach Auskunft von Sarah Möller nicht untätig sind: „Wir kontrollieren den Nitratwert wöchentlich. Einmal im Monat wird eine Wasserprobe in einem akkreditierten Labor untersucht. Falls der Wert überschritten würde, würde in Absprache mit dem Gesundheitsamt der Brunnen abgeschaltet und Michelbach vorübergehend über den Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke versorgt.“

Darüber hinaus arbeiteten die Stadtwerke bereits seit vielen Jahren vorsorglich mit zahlreichen Landwirten für einen nachhaltigen Grundwasserschutz zusammen. „Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden die Landwirte von einem Landwirtschaftsökologen betreut und beraten“, erklärt Möller.

Seit 2013 steigen Nitratwerte an

„Auch wir prüfen, welche Maßnahmen bei Überschreitung des Grenzwertes sinnvoll sein können. Dazu zählen die Teilnahme an regelmäßig stattfindenden Gesprächen unter anderem mit den Stadtwerken als Wasserversorger, mit dem Fachbereich Ländlicher Raum und dem Fachbereich Bauen, Wasser und Naturschutz des Kreises über die aktuelle Situation und mögliche Maßnahmen zur Senkung der Nitratgehalte im Rohwasser“, sagt Schienbein.

Bis zum Jahr 2003 ist der Nitratgehalt in Michelbach angestiegen (ca. 47 mg/l). Dann folgte eine Trendwende mit einem leichten Abstieg bis zum Jahr 2012 und einem Tiefstwert von ca. 43 mg/l. Seit dem Jahr 2013 gibt es wieder steigende Werte.

Unterdessen wurde die in der EU-Grundwasserrichtlinie (GWRL) europaweit einheitlich festgelegte Qualitätsnorm von 50 mg Nitrat je Liter in der deutschen Grundwasserverordnung (GrwV) als Schwellenwert in derselben Höhe verankert.
Dort heißt es auch: Sowohl die GRWL als auch die GrwV legen fest, dass bereits bei Erreichen von drei Vierteln des Grenzwertes (also bei 37,5 mg Nitrat pro Liter) Gegenmaßnahmen (also­ eine Trendumkehr) einzuleiten sind. Dies geschieht im Fall des Michelbacher Trinkwassers ­allerdings noch nicht.

von Michael E. Schmidt