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Sopranistin berührt die Herzen

Katharina Kutsch im Fürstensaal Sopranistin berührt die Herzen

Die 120 Besucher im Fürstensaal fühlten sich am Samstag wie in einem Wunschkonzert: Katharina Kutsch und Hilko Dumno interpretierten die beliebtesten Lieder von Brahms, Schubert, Berg und Duparc vertreten.

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Hilko Dumno begleitete die Sopranistin Katharina Kutsch bei ihrem Konzert im Marburger Fürstensaal.Foro: Helmut Rottmann

Marburg. Der Fürstensaal im Landgrafenschloss hat eine exzellente Akustik. Deswegen lieben ihn Chöre und Instrumentalensembles bis hin zum Orchester. Eine seiner Schwächen: Er „verschluckt“ die einzelne menschliche Stimme.

Diesem Akustik-Phänomen wollten die Sopranistin Katharina Kutsch und der Pianist Hilko Dumno anfangs bei den Brahms-Liedern mit raumerfüllendem Forte/Fortissimo begegnen. Es war der falsche Weg: Die Akustik schnitt den Grundton ab und verstärkte die Obertöne.

Im dritten Lied fand man den goldenen Mittelweg im Bereich von Piano bis Mezzoforte, den das Duo nicht immer konsequent ging. Brahms‘ „Mainacht“ klang zart, innig, hatte bruchlose Crescendo von einem warmen Grundton bis in lichte Höhen.

„Unbewegte laue Luft“ modellierten Kutsch und Dumno zu einer feinen Tonmalerei. In leisen Passagen und im Mezzoforte skizzierte Katharina Kutsch mit schöner Stimme, mit feinem Timbre und weicher Tongebung stimmungsvolle Klangbilder, die Hilko Dumno akribisch in zarten und warmen Tönen ausmalte. Dafür gab es den ersten Applaus des immer wieder spendablen Publikums.

Schubert-Lieder lagen dem Duo Kutsch/Dumno besonders. Pianist Dumno stattete „Die junge Nonne“ mit feinnerviger Durchzeichnung aus, in der Sopranistin Kutsch geschickt Text und Musik kolorierte. Das ergreifende „Allelujah“ war transparenter Klang voller Emotionen. Das „Gretchen am Spinnrad“ begeisterte in stimmlicher Klarheit des Soprans und akurater Klavierbegleitung. Ein Glanzpunkt war „Gretchens Bitte“ in ergreifender Schönheit. Mit schlankem Ton berührten Kutsch und Dumno die Herzen der Zuhörer.

Schon bei den ersten Tönen des „Ave Maria“ war das Publikum hingerissen von der Zartheit des melodiösen Fließens, der herzigen Melodie und der feinfühligen Begleitung - vielleicht die innigste Live-Interpretation, die man miterlebte. Ganz große Klasse.

Bei Alban Bergs „Sieben frühe Lieder“ kombinierten Katharina Kutsch und Dumno mit dramaturgischem Geschick die Gestaltung der Töne und Intervalle mit weich fließender Melodie und Harmonik in einfühlsamer Textausdeutung des Soprans mit glockenartiger Akkordik hin zu fein strukturierten Klangkaskaden des Pianisten.

Henri Duparc sog gerade in seinem Liedschaffen die Strömungen aus Nachromantik, Impressionismus und Neoklassik auf. In seinem „Chanson triste“ verschmolzen weich fließender Gesang in zartem Ton mit atmendem Klavierspiel voller Farbigkeit. Konzentriert, mit innerer Anspannung und Anteilnahme, aber mit sichtbarer Freude und Leidenschaft sang Katharin Kutsch von der „L‘invitation au Voyage“, von Hilko Dumno pointiert begleitet.

„Extase“ und „Phidylé“, übrigens wie alle Duparc-Lieder auf Französisch gesungen, umgarnten die Zuhörer mit zarten Harmoniewechseln, feiner Melodik in begeisternd-weichem Sopran mit dezentem Timbre.

Für den kräftigen Schlussapplaus gaben Kutsch und Dumno mit „Caecilie“ und „Morgen“ zwei Zugaben von Richard Strauss.

Das sechste und letzte Schlosskonzert am Sonntag, 30. September um 20 Uhr im Fürstensaal, steht unter dem Titel „Dvorak trifft Haydn“. Es spielt das Marburger Kammerorchester unter der Leitung von Andreas Weiss Werke von Dvorak, Haydn und Mozart. Stephan Rieckhoff spielt das Solocello.

von Helmut Rottmann

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