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Sommerabend im Zeichen der Romantik

Marburger Bachchor Sommerabend im Zeichen der Romantik

Zauberhafte Sommerabendstimmung schaffte der Marburger Bachchor mit der Musik des Brahmsschülers Gustav Jenner.

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Hochkonzentriert präsentierte sich der Marburger Bach-Chor unter der Leitung von Nicolo Sokoli bei seinem Konzert im Fürstensaal des Landgrafenschlosses. Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Bis auf den letzten Platz ausverkauft war das Konzert des Marburger Bachchors am Sonntagabend im Fürstensaal des Landgrafenschlosses. Das Programm stand unter dem Motto „O schöne Nacht“. Und genau eine solche wollte der Chor unter der Leitung von Nicolo Sokoli seinen zahlreichen Zuhörern auch bereiten.

Den Auftakt machte ein Stück des Lehrers Johannes Brahms, nämlich das namensgebende „O schöne Nacht“. Auf den Lehrer folgte auch gleich der Schüler Gustav Jenner, dessen zwölf Gesänge den Schwerpunkt des Programms bildeten. Jenner, der 1895 auf Empfehlung Brahms zum Universitätsmusikdirektor nach Marburg berufen worden war, hatte die Stücke ursprünglich als Terzette für Frauenstimmen verfasst. Später arbeitete er sie als Quartette für gemischten Chor um. Der Bachchor trug die romantische Chorliteratur mit kontrollierter Verklärtheit vor. Chorleiter Nicolo Sokoli ließ nur an wenigen Stellen einen Forte-Ausbruch zu - doch auch dann erkennbar gezügelt. Aus den Quartetten heraus stach deutlich das zweite, das Sokoli auch als Zugabe auswählte. Mit dem Text „Richten will ich Tisch und Gastmahl, laden, die unselig lieben“ hat Jenner ein düsteres Chorstück geschaffen, dass bedrohlich wie ein Henkersruf unter die Haut geht.

Vertont ist in den Quartetten toskanische Volkspoesie, die vom deutschen Kulturhistoriker Ferdinand Gregorovius ins Deutsche übertragen wurde.

Zum Abschluss der Quartette schwang sich der Chor noch einmal zu etwas energischeren Klängen auf, jedoch ohne in Übermut abzudriften.

Hervorzuheben ist die überaus feinfühlige Dynamik, mit der Sokoli den gut reagierenden Chor durch die romantischen Stücke dirigierte.

Auch drei wohlbekannte Stücke waren im Programm vertreten, der „Frühlingsgruß“ von Robert Schumann, das Heidenröslein in einer Vertonung von Heinrich Werner und das Lorelei-Lied von Friedrich Silcher. Der Bachchor sang die drei Lieder - wie auch alle anderen Stücke an diesem Abend - mit klarer, gut verständlicher Artikulation, die ein Mitlesen der Texte im Programmheft überflüssig machte.

Zu „Darthulas Grabesgesang“ von Johannes Brahms sagte Sokoli ein paar einleitende Worte. Das Stück werde oft auf die gescheiterte Beziehung zu Clara Schumann zurückgeführt, andere seien der Meinung, Brahms habe zwischen seinem 30. und 34. Lebensjahr insgesamt gefühlvoller komponiert. Doch die wichtigste Anleitung für den Zuhörer konnte für den ganzen Abend berücksichtigt werden: „Hauptsache, wir lassen uns von der Musik berühren.“

Als beim „Intermezzo A-Dur“ von Johannes Brahms - gefühlvoll interpretiert von Pianist Hilko Dumno - die Abendsonne durch die verzierten Fenster des Fürstensaals fiel, war die zauberhafte Stimmung und der Sommerabend im Zeichen der Romantik perfekt.

von Tanja Hamer

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