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„So ‘ne Bude, die hätten se bei uns abgerissen“

Olaf Schubert lästert in Marburg „So ‘ne Bude, die hätten se bei uns abgerissen“

Bülent Ceylan hat die Haare schön. Heinz Becker seine Kapp auf. Und Olaf Schubert einen Pullunder an. Wie man sein Publikum im Rautenmustersturm erobert, stellte er in Marburg unter Beweis.

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Olaf Schubert zur Stadthalle: „So neu Bude hier, die hätten se bei uns abgerissen.“Foto: Schwarzwäller

Marburg. „Ich will überhaupt nicht pauschalisieren, ich mein das ganz allgemein.“ Wenn Olaf Schubert sich in die Debatte ums Betreuungsgeld einschaltet, die Euro-Krise kommentiert oder Ratschläge zu gesunder Ernährung erteilt, wird schnell klar: Der Mann tut genau das, was seiner Meinung auch Frauen in der Arbeitswelt tun, nämlich sich bemühen. „Da staune ich manchmal selbst, woher ich das alles weiß“, gesteht er. Und streut nonchalant das Stichwort „Urinanreicherung“ ein.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wird das Publikum eingenordet: Den „kulturellen Höhepunkt des Jahrhunderts“ bekommen wir von Herrn Stephan angekündigt. Herr Stephan und Jochen Barkas sind Schuberts musikalische Adjutanten auf der Bühne. Es wird nämlich nicht nur geredet im Programm, sondern auch gesungen. Ein Lied von einem kranken Apfelbaum (an dem Pflaumen hängen) zum Beispiel, das Bekenntnis „Ich will mehr“ oder das Liebeslied für eine Freundin von Schubert, die mal seine Freundin gewesen ist. Mit dem wurden die knapp 500 Besucher in der Marburger Stadthalle übrigens in die Pause entlassen - samt der Absolution, sollte es sich an der Bar beim Kennenlernen eines Pärchens herausstellen, dass es etwas Ernstes ist, „dürfen die beiden von mir aus auch früher gehen“. Aus anderen Gründen gab es dazu aber auch keinerlei Veranlassung. Dafür ist Schubert als Kunstfigur bis in die letzte Faser seines Rauten-Pullunders zu authentisch konstruiert, überzogen und überzeugend gleichermaßen. Er sächselt sich durch ein Panoptikum an Themen ins Zwerchfell der Zuschauer und tut so, als hätte er keine Ahnung, wie er das eigentlich anstellt.

In einer der schönsten Stadthallen Marburgs trete er auf, äußert er zu Beginn der Show. „So ‘ne Bude hier, die hätten se bei uns abgerissen“, heißt es zum Schluss unter dem Applaus der Zuschauer. Dass er seine Hausaufgaben gemacht hat, beweist er ein ums andere Mal im Verlauf des Abends. Er könne ja nicht überall hinfahren, um aufzutreten, gesteht er zum Beispiel. Marburg sei das Äußerste. „Wir können ja nicht nach Cölbe“. Aber „so ein schönes Städtchen“ sei Marburg. Dort stehe noch so viel von früher, stellt Schubert fest - „schlampig gebombt“. Überhaupt gefalle ihm „das Ganze hier so“, Hessen, „mit dem Wein“: „Seit Generationen trinkt man sich die Gegend zurecht.“

„Stimmt, es sieht Scheiße aus, aber dir steht‘s“

In gut zwei Stunden lernt man als Zuschauer bei Schubert so einiges. Dass Salat erst schmeckt, wenn man ihn kurz vor dem Essen durch ein Schnitzel ersetzt. Dass es wichtig ist, „ehrlich zu bleiben, aber ohne zu schwindeln“. Prima Tipp von Olaf, um die Kleiderwahl der Freundin zu kommentieren: „Stimmt, es sieht Scheiße aus, aber dir steht’s!“ Oder dass Daten keine Lobby haben, Frauen eine „Sollguckstelle“ und Frühförderung von Babys im Bauch schon viel zu spät kommt.

Der einzige Wermutstropfen des Abends: Ein zu dick aufgetragener „Werbeblock“ vor der Zugabe. Ansonsten war der Spaßfaktor hoch und allein die Geschichte, wie man sich nach acht Runden in einem Kreisverkehr verfahren kann, schon das Eintrittsgeld wert. Mit dem Lied „Gefühl gewinnt“ entlässt Schubert sein Publikum und nimmt stürmischen Applaus mit.

von Nadja Schwarzwäller

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