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Marburg So gedeiht Salat auch im Winter
Marburg So gedeiht Salat auch im Winter
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00:17 06.11.2018
Unter dem Gewächstunnel gedeiht der Kopfsalat auch noch bei Minusgraden, erklärt Kati Bohner. Andere Beete kommen mit Gründüngung über den Winter. Quelle: Ina Tannert
Marburg

Die ersten Herbststürme fegen über das Land, die Außentemperatur nähert sich dem Gefrierpunkt, die Gartensaison steht so ziemlich vor dem Aus – auf eine Winterernte muss der pfiffige Gärtner mit der richtigen Pflege dennoch nicht verzichten.

Auch bei Minusgraden überleben robuste Arten an Salat, Spinat, Pastinaken, Lauch, Grün- oder Rosenkohl. „Die sind winterhart, können den Frost aushalten und einfach draußen bleiben“, erklärt Kati Bohner von der Gartengemeinschaft Gartenwerkstadt, die ihren Teil der Marburger Gesundheitsgärten bereits für den Winter vorbereitet hat. Etwa mit einem Gewächstunnel aus Vlies-Stoff: Schon jetzt gedeihen unter dem meterlangen licht-, luft- und wasserdurchlässigen Material Kopfsalate der Sorten Larissa und Wintersalat.

Ölrettich und Zottelwicke gehen jetzt noch

Das Vlies schützt die Pflanzen und bringt ein paar Grad mehr – genug, damit der Salat auch in den nächsten Monaten noch weiterwächst. Der Wintergarten versorgt den Gärtner also weiter, doch er braucht auch selber „Futter“. Die nackten Beete einfach brach liegen lassen oder umgraben sollte man nicht. Schutz und Nährstoffe in einem bietet eine durchdachte Gründüngung: Der abgeerntete Boden wird neu bepflanzt – und zwar mit Sorten, „die nicht zur Ernte, sondern zur Anreicherung dienen“, erklärt Bohner. Dazu eignet sich etwa Senf oder Phacelia.

Die Gründüngung sollte dabei abfrierend und zudem fruchtfolgeneutral, also auf die vorherige Kultur abgestimmt sein, wichtig gerade im ökologischen Anbau. „Dadurch speichert der Boden Nährstoffe, man schafft eine gute Durchwurzelung und beugt Erosionen vor“, sagt die Gärtnerin. Die Zeit der Gründüngung ist allerdings schon fast vorbei, höchstens Ölrettich oder Zottelwicke könnten noch klappen.

Doch es gibt Alternativen als Schutzfunktion, etwa Laub. Das ist ein idealer Schutz für den Boden. Eine ordentliche Laubschicht schützt die Erde, beugt Unkraut vor und bietet zudem einer Vielzahl an Tieren Unterschlupf.

Sollte das Unkraut bereits die Oberhand gewonnen haben – auch kein Drama, meint die Gärtnerin. Ihr Tipp: Das eigentlich unerwünschte Kraut „lieber stehenlassen, als mit dem Spaten ranzugehen und nicht immer alles aufräumen“. Denn auch der Wildwuchs sei besser als Schutz geeignet als offene Erde. „Man muss das Unkraut nur früh im Frühling wieder entfernen, bevor es aussamt“, sagt Bohner.

Gute Zeit fürs Planen der nächsten Saison

Die abgeernteten Beete dagegen umzupflügen sei der falsche Weg: „Viele machen das, aber man sollte im Herbst die Erde nicht mehr umgraben, denn dann liegt der Boden schutzlos da und kann ausgeschwemmt werden.“

Das gehe auf Kosten der Bodenfruchtbarkeit. Das Ende der Gartensaison sei generell „eine gute Zeit für die Gartenauswertung und Planung der nächsten Saison – was wurde zu früh, was zu spät angebaut und was ist besonders gut gewachsen?“, sinniert Bohner.

Informationen und Tipps zur Gartenplanung, zu ökologischem Anbau sowie sozialpolitischen Themen rund um die Landwirtschaft hat die Gartenwerkstadt in dem kürzlich erschienen politischen Gartenkalender „Taschengarten“ zusammengefasst.

Darin finden sich Pflanztipps, Rezeptideen oder ein Garten-Terminplaner. Den jährlich erscheinenden Kalender bringt die Gemeinschaft zum siebten Mal heraus. Das rund 180 Seiten starke Handbuch ist in verschiedenen Geschäften oder im Internet erhältlich.

von Ina Tannert