Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Mülleimer und Tafeln anstatt Streetworker
Marburg Mülleimer und Tafeln anstatt Streetworker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:01 25.04.2018
Müll auf den Lahnwiesen: Die Sozialausschuss-Mitglieder möchten unter anderem an der Wirkung des Ortes arbeiten, etwa mit zusätzlichen Abfallbehältern. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Da treffen sich Menschen und sind lebendig – und manchmal einfach zu lebendig“, fasst Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) das Geschehen rund um den ­Bereich der Lahnterrassen zusammen. Für ihn ist klar: „Es ist kein Angstraum und wir haben da auch keinen Kriminalitätsschwerpunkt.“

Die Ansicht teilen unter anderem auch die Mitglieder der Marburger Linken. Die Fraktion reagierte bereits im November vergangenen Jahres mit einem Beschlussvorschlag: Der Magistrat sollte die personellen Voraussetzungen für eine Streetworkerbetreuung in Marburg Mitte schaffen.

Statt ausschließlich auf Ordnungsmaßnahmen zu setzen, sprachen sich Henning Köster, Renate Bastian, ­Roland Böhm und Inge Sturm für eine sozialpädagogische ­
Betreuung aus.

Der Vorschlag war auch Thema im Jugendhilfeausschuss und wurde bereits im vergangenen Jahr „ausgiebig im ­Jugendamt diskutiert“, sagte Jugendamtsleiterin Stefanie Lambrecht. Die Mitarbeiter seien häufig vor Ort gewesen, um sich einen Eindruck über das Klientel zu verschaffen.

Studierende etwa würden sich im Bereich rund um die Lahnterrassen „ordentlich aufhalten“. Dagegen gebe es eine „nicht zu identifizierende Gruppe“, die sich dort nur temporär aufhalte und mit der keine Kontaktaufnahme möglich sei.

Indirekte­ pädagogische Maßnahmen besprochen

Für diese Gruppe sei keine Streetworker-Betreuung sinnvoll, weil diese auf Beziehungsarbeit basiere. Auf Basis dieser Information sollte überfraktionell nach einer Neuformulierung des Antrags gesucht werden, sagte Stadträtin Kirsten Dinnebier (SPD).

Darum hatten sich die SPD-Stadtverordneten Ulrich Severin und Alexandra Klusmann, Roland Böhm von den Linken, Lambrecht und Oliver Bein von der städtischen Jugendförderung bemüht. „Wir haben indirekte­ pädagogische Maßnahmen im Jugendamt besprochen, die schnell umgesetzt werden können, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen“, sagte Severin.

Konkret sind dies drei Punkte. Erstens soll der Magistrat Gespräche führen, insbesondere mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) und dem Studentenwerk sowie den Geschäften in den beiden Erlenringzentren. Ziel soll sein, „dass diese durch Selbstverpflichtung zur Sicherheit und Befriedung“ im Bereich Marburg Mitte beitragen.

Spies teilte mit, dass er bereits bei Läden angefragt habe, ob sie erneut wie vor einigen Jahren eine freiwillige Beschränkung des Alkoholverkaufs auf 20 Uhr umsetzen würden, diese hätten jedoch abgelehnt. „Ein gesetzlicher Rahmen würde helfen“, sagte er.

Dennoch hoffe er weiterhin auf die Freiwilligkeit. Zweitens sollen zur Vermeidung von Vermüllung zusätzliche Abfall- und Glascontainer sowie Behälter zur Entsorgung von Grillabfällen aufgestellt werden. „Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Vermüllung und dem Eindruck eines unsicheren Ortes“, begründete Severin diesen Punkt.

Antragsänderung könnte zur Beruhigung beitragen

Drittens sollen im Bereich der Lahnwiesen Tafeln angebracht werden, die auf Regeln für die Nutzung des Geländes hinweisen. „Wir glauben nicht, dass sich alle an diese Regeln halten, aber es hat sicher eine Wirkung, wenn an die Regeln erinnert wird“, sagte Severin.

Madelaine Stahl von Bündnis 90/Die Grünen kritisierte­ die Antragsformulierung, die nichts mit dem ursprünglichen Beschlussvorschlag zu tun habe. Es sei nicht nachvollziehbar, warum Asta und Studentenwerk in die Verantwortung gezogen werden sollten. Ebenso bezweifelte sie den Nutzen der Punkte.

Dagegen sah Linken-Fraktionsvorsitzende Renate Bastian in der Antragsänderung die Möglichkeit, zu einer Deeskalierung und Beruhigung beizutragen. „Der Sommer steht vor der Tür, wir müssen ja mal anfangen“, sagte sie. Die vorgeschlagenen Punkte seien kleine Schritte, um die Situation kurzfristig zu entspannen.

Sie ergänzte die vorgeschlagene Änderung dahingehend, dass der Magistrat die Wirkung der Punkte beobachten und über die Situation an den Lahnterrassen sowie die Gruppen, die sich dort aufhalten, berichten solle. Zudem solle er Kontakt zur Universität aufnehmen. SPD, CDU und FDP/MBL erklärten ihren Beitritt zu dem geänderten Antrag, der bei Enthaltung von Bündnis 90/Die Grünen einstimmig zur Annahme empfohlen wurde.

von Simone Schwalm