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Marburg Sich aufregen ist nichts für Amateure
Marburg Sich aufregen ist nichts für Amateure
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17:54 27.09.2013
Gernot Hassknecht legt los, denn: „Jeder Tag ohne Ausraster ist ein verlorener Tag.“Foto: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Er lässt keinen Zweifel an seiner Mission: „Sich aufregen darf man nicht den Amateuren überlassen“, fordert Gernot Hassknecht. Es müssen „Profi-Choleriker“ her. Wie man das wird? Eigentlich ganz einfach. Knapp zwei Stunden mit dem „Hassknecht-Prinzip“, so der Titel seines Bühnenprogramms, und man weiß Bescheid. Von der Vorfreude aufs Aufregen über die richtige Ernährung bis hin zu praktischen Tipps für den Alltag - Hassknecht erklärte den 220 Zuschauern in der restlos ausverkauften Waggonhalle am Donnerstagabend, wie es funktioniert.

In der Satiresendung „heute show“ hat Gernot Hassknecht als Kommentator mit Puls Kult-Status bei den Fans. Höchste Zeit, ihn über die Bühnen der Republik zu schicken und den Menschen beizubringen, wie man es ihm gleich tut in Sachen Aufregung.

Das kann man nämlich lernen. Experten-Tipp: Schon die Vorfreude genießen. Und als kleine Übung zum Einsteigen zum Beispiel einfach mal das übliche „Guten Morgen!“ durch ein „Was guckst Du denn so blöd, Du Penner!?“ ersetzen. Alles, was das „Wut-Chakra“ stärkt, ist erlaubt. Motto: „Jeder Tag ohne cholerischen Ausraster ist ein verlorener Tag“.

Gleich zu Beginn macht Gernot Hassknecht klar, was man zu erwarten hat. Noch bevor er die Bühne betreten hat, trägt seine Stimme aus dem Off die erste Beschwerde vor. Adressat: der Veranstalter. In der Garderobe seien weder die 200 weißen Lilien, noch der vom Künstler gewünschte Schoko-Brunnen gewesen. Die Beleuchtung habe man wohl 1987 auf dem Flohmarkt erstanden? Und dann erst das Publikum. Da würde ja noch nicht mal Rainer Brüderle nach drei Flaschen Riesling jemanden anbaggern! Aber nun gut. „Wir sind halt nicht in Las Vegas, sondern in Marburg“, stellt Hassknecht fest.

Vor 30 Jahren hat er in Marburg Theater gespielt

Dabei ist Marburg für den Schauspieler Hans-Joachim Heist, der hinter der Figur des Gernot Hassknecht steckt, vertrautes Terrain. Vor rund 30 Jahren hat er hier bereits Theater gespielt. Der gebürtige Südhesse ist auch als Sprecher, Moderator und Regisseur tätig und hat in mehr als 70 Film- und Fernseh-Produktionen mitgewirkt.

Seit 2009 kennt ihn das Publikum als Gernot Hassknecht aus der „heute show“: von Ruhepuls auf Schlaganfall-gefährdet in zwei Sekunden. In seinem Programm erläutert er Begrifflichkeiten von „konstruktiver Hassliebe“ bis „Beziehungswahlkampf“ und demonstriert, wie jeder unsere Welt mit formen kann, indem er sich beschwert.

Dazu gehört natürlich auch die richtige Ernährung. Die Ernährungs-Pyramide à la Hassknecht macht einen großen Bogen um Reformhäuser und Bioläden. Auf den Wochenmarkt geht es nur mit dem Auto, um so zu tun, als wäre es ein Drive-In. Grünzeug ist tabu: „Gott will nicht, dass wir Brokkoli dünsten!“ 80 Prozent dessen, was man isst, sollte früher mal ein Gesicht gehabt haben. Dazu viel Kaffee und Alkohol - voilà. Und dann bitte noch Auto oder Bahn fahren und heiraten. Hoch mit dem Blutdruck und raus mit den Aggressionen!

Zwischendurch gibt es kurze Einspieler und Hassknecht schweift ab. „Märchenkönig Seehofer“ und „Ankündigungsweltmeister Ramsauer“ kriegen ihr Fett weg (apropos Fett - möglichst viel davon zu sich nehmen, „wer will denn schon schlank sein und bitte warum?“), ebenso wie Kristina Schröder mit ihren Hobbies Stricken und Inkompetenz, die deutsche „Muttikratie“ oder die FDP. Gründe, sich aufzuregen, gibt es schließlich allenthalben. „Ich hoffe, Sie konnten einige destruktive Anregungen mit nach Hause nehmen“, verabschiedet sich Gernot Hassknecht.

von Nadja Schwarzwäller

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