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Shootingstar bietet Lokalkolorit

Stephan Thome im TTZ Shootingstar bietet Lokalkolorit

Stephan Thomes erster Roman „Grenzgang“ war im Landkreis, wo das echte „Bergenstadt“ liegt, natürlich sehr erfolgreich und beliebt. Am Donnerstag stellte er seinen neuen Roman „Fliehkräfte“ im Marburger TTZ vor.

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Der in Biedenkopf aufgewachsene Autor Stephan Thome stellte im TTZ seinen zweiten Roman vor.Foto: Mareike Bader

Marburg. Das Interesse an der Lesung des des derzeit wohl bekanntesten und erfolgreichsten zeitgenössischen Autors aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf war außerordentlich groß. Die Organisatoren hatten Vorkehrungen getroffen und den großen Saal im TTZ bestuhlt, statt wie sonst den Wintergarten. Kaum ein Stuhl blieb leer und so konnte Stephan Thome bei seiner Lesung in bestimmt 150 gebannte Gesichter sehen.

„Fliehkräfte“ dreht sich wieder, wie bei „Grenzgang“, um einen Mann, der mit seinen Lebensumständen nicht glücklich ist. Philosophieprofessor Hartmut Hainbach ist Ende 50 und sein bisher schönes Leben ist plötzlich nicht mehr was es war. Die Tochter ist erwachsen und ausgezogen und seine schöne, portugiesische Ehefrau hat einen Job in Berlin angenommen. Die Wochenendbeziehung, das leere Haus und die Unzufriedenheit im eigenen Beruf nagen an Hartmut. Er will Klarheit.

Glück ist nun einmal kein Zustand, der uns zum Denken bringt. Thome interessiert sich dafür, wie die Menschen ihre unterschiedlichen Lebensumstände bewerten und damit umgehen. Da hört man den promovierten Philosoph. Denn bevor es mit der Autorenkarriere endlich losging, studierte der in Biedenkopf aufgewachsene Thome Sinologie und Philosophie in Berlin. Dafür war der Start seiner Karriere wahrhaft traumhaft, wie Manfred Paulsen vom Verein Strömungen in seiner Vorstellung betonte.

Die Lesung an sich war verhältnismäßig kurz. Passend zu Marburg las Thome den zweiten Teil des zweiten Kapitels vor. Eigentlich eine banale Fahrtsituation, die Stephan Thome sehr realistisch und trotzdem spannend in seinem Buch beschreibt. Dort holt Hauptfigur Hartmut seine Frau Maria vom Marburger Bahnhof ab und fährt mit ihr über die Ketzerbach Richtung Bergenstadt. Allerdings beichtete er vorab, dass er einige geografische Änderungen vorgenommen habe, weil es schlichtweg so besser passte. So findet man das Eiscafé Rialto im Buch dann in Buchenau und nicht in Sterzhausen. Wie in seinem ersten Roman kommt hier Thomes Heimatstadt Biedenkopf als Bergenstadt vor, allerdings spielt es hier nur eine untergeordnete Rolle.

Auf die Lesung folgte eine lebhafte Diskussion, die den Abend zu einem tollen Erlebnis machte. Nach vielen Fragen zu ihm persönlich und zu seinem ersten Roman „Grenzgang“ warf der 40-jährige Autor ein: „Sie dürfen mich auch gerne zu meinem neuen Roman befragen.“

Das Publikum reagierte und es folgte ein Gespräch über alle möglichen Themen wie: ob man nach einem Keilriemen-Unfall wirklich noch weiterfahren könne. Das kann man, so Thome. Er habe dafür, wie auch insgesamt für seinen Roman, gründlich recherchiert und habe sich extra bei einem Autohaus erklären lassen was dann passiere und welche Warnleuchte zu sehen sei.

Erstaunlicherweise waren viele im Publikum ebenso mit dem neuen Roman vertraut wie mit „Grenzgang“ und nach einigen Fragen zu „Fliehkräfte“ und zu Hartmut beendete Stephan Thome den Abend mit der Feststellung „Jeder Leser, der sie gelesen hat ist für die Geschichte genauso kompetent wie ich.“

von Mareike Bader

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