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Marburg Shakespeare trifft Brecht und Goethe
Marburg Shakespeare trifft Brecht und Goethe
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06:16 22.04.2012
Das Team des Hessischen Landestheaters um Intendant Matthias Faltz (4. von rechts), Chefdramaturg Alexander Leiffheidt (5. von rechts) und der stellvertretenden Intendantin Dr. Christine Tretow (rechts) freut sich auf die kommende Spielzeit. Quelle: Uwe Badouin
Marburg

Sie sind angekommen in der Stadt, die Theatermacher um Matthias Faltz. „Es fühlt sich gut an“, sagte der Intendant am Donnerstag bei der Vorstellung des Spielplans 2012/13, seiner dritten Spielzeit am kleinen Hessischen Landestheater.

21 Premieren stehen auf dem Spielplan: 14 Stücke im Abendspielplan des Schauspiels und 7 Produktionen am Jungen Theater. Drei Produktionen sind für die Stadthalle vorgesehen - Brechts Publikumshit „Dreigroschenoper“ und der Musicalknaller „The Blues Brothers - A Tribute“ und das Familienstück zu Weihnachten, Andersens „Des Kaisers neue Kleider“. Alle drei können den größten Saal des Theaters füllen.

„The Blues Brothers“ wird die letzte Produktion des Landestheaters in der Stadthalle vor dem Umbau sein. Schon jetzt werden Pläne für die gut zwei jahre gemacht, in denen Marburgs wichtigste Veranstaltungshalle geschlossen sein wird. Intendant Faltz etwa hofft auf ein Theaterzelt.

Doch davor steht eine spannende Spielzeit unter den Oberbegriffen Werte und Gewalt, die sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Produktionen ziehen. Gleich zu Beginn der Spielzeit werden mit der „Dreigroschenoper“, die Faltz selbst inszeniert, und Marc Beckers „Aus der Mitte der Gesellschaft - Ein Sprachkonzert“ gesellschaftlich Ausgestoßene und solche, die es werden können thematisiert.

Das Theater will Fragen stellen in einer Zeit, in der „Geld und Arbeit nicht mehr als Grundwerte“ taugen, wie Faltz in der Einleitung zu dem 102-seitigen, informativen Spielplanheft schreibt, das zahlreiche Informationen für Lehrer bereithält. Die sollen mit ihren Schülern das Theater entdecken als modernes Medium und als Ort, wo sich laut Faltz „Wertedefinition, Orientierungshilfe und Tiefenentspannung auf geheimnisvolle Weise überlagern“.

Um Macht und Gewalt geht es auch in Shakespeares großem Klassiker „Mavcbeth“ und inHansjörg Betscharts „Naked Short Selling: Leerverkauf ohne Deckung“, das als Uraufführung zu sehen ist. Die schwarze Komödie über das Leben im Kapitalismus des 21. Jahrhunderts ist nach Ansicht des Chefdramaturgen Alexander Leiffheidt aktueller denn je.

Mit „Medea“ setzt das Landestheater seine Mythen-Reihe fort. Nach „Antigone“ knöpft sich der junge Regisseur André Rößler einen weiteren griechischen Klassiker vor.

Familien dürfen sich auf sieben Premieren freuen: Das Theater hofft, mit dem großen Weihnachtsstück „Des Kaisers neue Kleider“ ähnlich erfolgreich zu sein, wie im vergangenen Jahr mit „Emil und die Detektive“.

Neu sind Austauschproduktionen mit anderen Bühnen. Das Landestheater schickt „Schwestern“ und den „Mäusesheriff“ nach Berlin und Tübingen und erhält im Gegenzug Gertrude Steins „Geld“ vom Jungen Staatstheater Berlin, einem der größten Jugendtheater Deutschlands, und „Ein Tag wie das Leben“ vom Kinder- und Jugendtheater Tübingen. Ein geschickter Schachzug von Intendant Faltz: Die drei Theater sparen in Zeiten knapper öffentlicher Mittel Geld ohne den Spielplan einzuschränken.

von Uwe Badouin

Premieren Schauspiel

31. August, Stadthalle: „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill

1. September, Bühne: „Aus der Mitte der Gesellschaft – Ein Sprachkonzert“ von Marc Becker

21. September, Fürstensaal: „Macbeth“ von William Shakespeare

Herbst, Black Box: „Conan der Barbar“, Mixed-Media Performance von SKART (Gastspiel)

20. Oktober, Bühne: „Naked Short Selling: Leerverkauf ohne Deckung“ von Hansjörg Betschart (Uraufführung)

11. November, Black Box: „Faust. Wie viel Böses braucht ein Mensch?“ Der Tragödie erster Teil nach Johann Wolfgang von Goethe, Produktion vom Dachtheater in Kooperation mit Dschungel Wien (Gastspiel)

24. November, Bühne: „Medea“ nach Euripides

2. Februar 2013, Bühne: „Endstation Sehnsucht“ von Tennessee Williams

16. Februar, Black Box: „Fatzer“ von Bertolt Brecht und „Der Auftrag“ von Heiner Müller

2. März, Stadthalle: „The Blues Brothers – A Tribute“, Musiktheater (letzte Theaterproduktion in der Stadthalle vor dem Beginn des Umbaus)

9. März, Black Box: „Einladung zur Enthauptung“ nach Vladimir Nabokov (Deutschsprachige Erstaufführung)

20. April, Bühne: „Einige Nachrichten an das All“ von Wolfram Lotz

21. April, Historischer Schwanhof: „Theater in der Finsternis: Sinn“ von Anja Hilling

20. Juni, Marktplatz/Open-Air-Spektakel: „Viel Lärm um nichts“ von William Shakespeare

Premieren Junges Theater

7. Oktober, Black Box: „Der einzige Vogel, der die Kälte nicht fürchtet“ von Zoran Drvenkar (4 +)

2. November, Black Box: „Das Urteil und andere Erzählungen“ von Franz Kafka (14+)

1. Dezember, Stadthalle: „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen, Familienstück zu Weihnachten (5+)

2. Dezember, Black Box: „Der kleine Angsthase“ nach einer Geschichte von Elizabeth Shaw, mobile Kindergartenproduktion (3+)

27. Januar 2013, Black Box: „Ein Tag wie das Leben“ von Anne-Kathrin Klatt und Michael Miensopust, Austauschgastspiel, KJT – Kinder- und Jugendtheater Tübingen am LTT (4+)

21. April, Black Box: „Geld“ von Gertrude Stein, Austauschgastspiel, Theater an der Parkaue – Junges Staatstheater Berlin (9+)

12. Mai, Black Box: „Das Buch von allen Dingen“ von Guus Kuijer (9+)