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Seltene Verbindung: Kinder und Jazz

hr-Bigband an der Erich-Kästner-Schule Seltene Verbindung: Kinder und Jazz

Eine Profi-Bigband mit einem Jazz-Programm, 300 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren und zwei Schüler als Moderatoren. Kann das gutgehen? Und wie.

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Diese Jungs nehmen zusammengerollte Plakate der hr-BigBand als Hörrohre. Nötig war es nicht, denn die Musiker aus Frankfurt, ganz besonders die Blechbläser, hatten ordentlich Dampf.Fotos: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Blech kann ganz schön laut sein, und das sogar ganz ohne Verstärker. Diese Erfahrung machten gut 300 Schüler und ihre Lehrer von der Cappeler Erich-Kästner-Schule im Bürgerhaus Cappel. Dort machte die hr-Bigband am Montagvormittag auf ihrer Schultour Station. das Konzert in Marburg war eines von sechs an verschiedenen hessischen Schulen. Die Erich-Kästner-Schule war aus einer Fülle von Bewerbungen ausgelost worden.

Mit der klassischen Bigband-Besetzung ist die renommierte, 1949 gegründete Band des Hessischen Rundfunks aus Frankfurt angereist. Im Gepäck hatten die Profis Jazzklassiker von Jelly Roll Morton, John Coltrane, Charles Mingus, Herbie Hancock, Miles Davis und Dudu Pukwana - Namen, die die Herzen eines jeden Jazzfans höher schlagen lassen, aber wohl kaum einem der Kinder im Publikum etwas sagen dürften. Jazz und Kinder, das sind im Grunde zwei ziemlich streng voneinander abgegrenzte Welten.

Das es trotzdem funktionieren kann, zeigte dieses Konzert der 17 gutgelaunten Musiker, die unter der Leitung von Rainer Heute ebenso entspannt wie druckvoll ein tolles Konzert boten. Druckvoll ist ein Begriff,der für viele Kinder eine neue Bedeutung gewonnen haben dürfte, denn vor allem die Blechbläser, also Saxofonisten, Trompeten und Posaunen machten ordentlich „Radau“. So manches Kind hielt sich zwischen zeitlich die im Vergleich zu Erwachsenen noch weit empfindlicheren Ohren zu.

Auch die Musik dürfte den meisten fremd gewesen sein - der „Jungle Blues“ von Morton, „Afrika“ von Coltrane oder „Hang Up Your Hangups“ von Hancock sind für junge Ohren, die vielleicht Bekanntschaft mit Kinderliedermachern oder mit der allgegenwärtigen Popmusik gemacht haben, zumindest gewöhnungsbedürftig. Umso überraschender ist es, wenn die Kniprse auf ihren Stühlen plötzlich zu „Black Satin“ von Miles Davies oder „Come Again von Dudu Pukwana mitwippen wie alte Jazzhasen. Das ist natürlich auch ein Zeichen für die Qualität der Bigband.

Moderiert wurde das Konzert erstmals von zwei Schülern: Jan Huber, 12 Jahre jung, und Juri Wall, 14 Jahre jung, haben mit Jazz wahrscheinlich ebenso wenig Erfahrung wie ihre Mitschüler, machten ihre Sache aber großartig. Souverän stellten sie Band, Komponisten oder Musiker vor. Dafür hatten sie zuvor einen kleinen Crashkurs mit dem YOU-FM-Moderator Daniel Boschmann absolviert.

Für die Schule war das „Abschiedsgeschenk“ der Lehrerin Nadine Soumah, die sich beim hr für das Konzert beworben hatte und die inzwischen an einer anderen Schule unterrichtet, eine rundum gelungene Sache, wie Schulleiter Hans Joachim Rech betonte. Und noch einer hatte seinen Spaß: „Softeis“-Bassist Werner Eismann, der an der Schule Kinder betreut, meinte über die 17 jazzenden Bigband-Musiker: „Die sind gut, richtig gut.“ Er ist zwar Hardrocker, weiß aber wovon er spricht, wenn es um Musik geht.

von Uwe Badouin

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