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Seine Kühe zeigt er auf dem Laptop

Lesung Seine Kühe zeigt er auf dem Laptop

Er verbindet zwei völlig verschiedene Welten: Dr. Ole-Ronkei ist Massai und Hochschullehrer. Mehr als 200 Menschen kamen am Dienstag in die evangelische Stadtmission, um seine faszinierende Lebensgeschichte zu hören.

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Massai und Professor: Ole-Ronkei signiert nach der Lesung einige Bücher.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Sekundenschnell findet sich der Zuhörer an diesem Abend in einer ganz fremden Welt wieder: in einer Welt voll warmen Sonnenscheins und endlos grüner Hangwiesen. „Eine Windböe wehte das Geklapper von Kuhglocken herüber“, liest Andreas Malessa aus seinem Buch „Mein Herz in Afrika“. „Gleich kommt wohl Heidi um die Ecke, denke ich.“ Alles lacht. Denn jeder weiß, es geht nicht ums Alpenland, sondern um Kenia. Doch Malessa liest nicht einfach nur aus seinem Buch „Mein Herz in Afrika“. Er hat seinen Protagonisten gleich mitgebracht.

Dr. Morompi Ole-Ronkei ist ein Massai. Das grellrote Tuch, das er um seine Schultern gehängt hat, und die mit bunten Perlen bestickten Armbänder verraten seine Zugehörigkeit zu einem der bekanntesten Volksstämme Ostafrikas. Nur die elegante Brille und die Bundfaltenhose passen nicht so recht in das wilde Bild, das sich der gemeine Europäer von einem Krieger- und Rinderhirtenvolk macht. Doch so ist Ole-Ronkei. Er vereint das traditionelle Afrika mit einer modernen, internationalen Karriere.

Der 50-Jährige war – wie vor ihm schon seine Eltern und Großeltern – ein Hirtenkind. Dann wurde er Professor und schließlich Berater der Weltbank.

In einer lockeren Mischung aus Lesung und Interview nehmen Malessa und Ole-Ronkei das Publikum mit auf eine spannende Reise in die Vergangenheit. Angefangen von der ersten Begegnung der beiden – „Ronkei trug statt eines Speeres ein Handy“, erinnert sich Malessa – bis ganz an den Anfang seines Lebens als Nomadenjunge in der Steppe. Damals wurde er als einziger aus seiner Familie in die Schule geschickt. „Ich habe mich gefühlt, als würde mich meine Familie am wenigsten lieben, weil alle anderen Krieger werden durften“, erinnert sich der Massai lächelnd.

Doch trotz seiner Karriere, seinen Reisen durch die Welt – er ist noch immer Massai. Seine mehr als 170 Kühe zeigt Ole-Ronkei heute stolz auf dem Laptop.

von Nadine Weigel

Mehr lesen Sie am Freitag in der gedruckten OP.

Das Thema Kenia interssiert Sie? Dann empfehlen wir Ihnen Nadine Weigels Kenia-Blog

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