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Marburg Es ist voll im Marburger Frauenhaus
Marburg Es ist voll im Marburger Frauenhaus
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00:17 29.12.2018
Das Frauenhaus bietet Schutz vor häuslicher Gewalt. Quelle: Themenfoto: Thorsten Richter
Marburg

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) teilte im Parlament auf eine kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Gerald Weidemann hin mit, dass 2018 bis Ende November 96 Frauen abgewiesen worden seien – wegen „Vollbelegung“, wie es im Amtsdeutsch heißt.

Spies ergänzte aber, dass Frauen, selbst wenn sie abgewiesen werden müssen, ein Beratungsangebot durch den Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ erhalten, in dem insbesondere über rechtliche Schutzvorschriften für von häuslicher Gewalt betroffene Frauen aufgeklärt wird – etwa das Näherungsverbot. Zudem werde gemeinsam mit Betroffenen nach kurzfristigen, alternativen Unterbringungsmöglichkeiten (etwa bei Freunden oder Verwandten) gesucht. Zudem bestehen „offene Belegungslisten“ für alle Frauenhäuser in Hessen, in denen nach freien Plätzen gesucht werden kann.

Frauenhaus plant ausgelagerte Schutzwohnungen

Auch das Marburger Frauenhaus melde hier freie Plätze, die es aktuell in Marburg gibt. „Erfahrungsgemäß sind alle freien Plätze innerhalb von 24 Stunden wieder belegt“, sagt Spies.Wichtigster Grund für den Platzmangel und die daraus folgende Abweisung von schutzsuchenden Frauen ist nach Spies, dass auch für Frauen, die keinen akuten Schutzbedarf mehr haben, keine geeigneten alternativen Wohnungen gefunden werden konnten.

Zudem gebe es immer mehr Frauen, die aufgrund ihrer Lebenssituation eine längere und intensive Begleitung brauchen, aber nicht mehr zwingend im Frauenhaus wohnen müssen. Zu dieser Gruppe gehören besonders geflüchtete Frauen, teilte der OB mit. Das Frauenhaus plane ein Konzept für ausgelagerte Schutzwohnungen, sagte Spies weiter. Sie sollen das bisherige Angebot ergänzen und könnten auch von Frauen genutzt werden, deren Söhne zu alt für eine Unterbringung im Frauenhaus sind. „Diese Entwicklung werde dazu beitragen, dass wieder mehr Akutplätze zur Verfügung stehen“, so der OB.

von Till Conrad