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Marburg Für Mitarbeiter soll sich nichts ändern
Marburg Für Mitarbeiter soll sich nichts ändern
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12:01 15.05.2018
Andreas Engelhardt (links), persönlich haftender Gesellschafter von Schüco, und Walther Sälzer während der Vertragsunterzeichnung. Quelle: privat
Marburg

Seit rund 40 Jahren produziert das Marburger Familienunternehmen in dritter Generation Hochsicherheitsprodukte für Gebäude. Nun wurde bekannt, dass der Fensterhersteller Schüco die Mehrheit an dem Marburger Traditionsunternehmen übernimmt: Man gehe „für den weiteren internationalen strategischen Ausbau dieses Geschäftsfeldes jetzt mit der Schüco International KG aus Bielefeld eine starke Partnerschaft ein“, heißt es von Unternehmensseite.

Was das bedeutet, stellt Walther Sälzer im Gespräch mit der OP klar: „Natürlich ist einerseits die Nachfolgeregelung ein Thema – denn irgendwann muss man sich die Frage stellen, wie es mit dem Unternehmen irgendwann weitergeht“, sagt er. Doch das sei nicht das Hauptziel der neu geschlossenen Partnerschaft gewesen. „Primär wird die Welt immer unruhiger – mit dem Einstieg von Schüco erschließen sich uns ganz neue Vertriebswege. Diese aus unserem Unternehmen selbst heraus organisch aufzubauen hätten wir so nicht geschafft“, fügt Sälzer hinzu.

„Schüco entwickelt und vertreibt mit großem Erfolg überall auf der Welt Systemtechnik für Fenster, Türen und Fassaden.“ Mithilfe dieser Vertriebsstruktur und den weltweiten Engineering-Büros „lassen sich die internationalen Geschäfte ausbauen und der langfristige Fortbestand unseres Unternehmens sichern“, so Sälzer. 

Walther Sälzer hatte die Belegschaft während einer außerordentlichen Betriebsversammlung über die neue Ausrichtung informiert. Im Anschluss habe sich Andreas Engelhardt, persönlich haftender Gesellschafter von Schüco, den Mitarbeitern vorgestellt.

Das Unternehmer-Ehepaar Elke und Walther Sälzer sieht in diesem Schritt die langfristige Sicherung des Unternehmens. Beide sind überzeugt, dass Schüco nicht nur aufgrund seiner Historie und des Produktportfolios der richtige Partner ist. „Mit diesem Schritt haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt“, ist sich Walther Sälzer sicher.

Vorbehaltlich der Kartellfreigabe hält Schüco in Zukunft die Mehrheitsbeteiligung der Sälzer GmbH. Walther Sälzer wird als Geschäftsführer zusammen mit seiner Frau Elke Sälzer in ihrer Funktion als Leiterin Technik das Unternehmen weiterhin prägen. Als Gesellschafter werden beide mit Schüco in neuer partnerschaftlicher Zusammenarbeit den Ausbau des Geschäftes mit verantworten.

Natürlich sei es auch ein Stück weit eine schwierige Entscheidung gewesen, denn Schüco wird – sofern das Kartellamt zustimmt – die Mehrheit in dem Marburger Unternehmen übernehmen. Über die genauen Beteiligungsverhältnisse wurde Stillschweigen vereinbart. „Aber Mehrheit abgeben heißt in diesem Fall nicht, dass wir gar nichts mehr dürfen und können“, betont Sälzer – vielmehr sehe er die neue Partnerschaft als „eine Ehe auf Augenhöhe“.

Marburg als Basis der Erschließung neuer Märkte

Das Unternehmer-Ehepaar werde weiter „aktiv gestalten – und für unsere Mitarbeiter bleibt alles wie gehabt“, versichert Sälzer. Es gebe einen ganz klaren Wachstumskurs, „wir bleiben hier und suchen händeringend Mitarbeiter – ob in der Montage oder der Fertigung ebenso, wie in den technischen Bereichen und im kaufmännischen“, verdeutlicht Sälzer. Letzten Endes sei „die Gesellschafterstruktur erweitert worden – mit tollen Möglichkeiten, das Geschäft weiter auszubauen. Es wird keiner kommen und irgendetwas schließen“, sagt Walther Sälzer.

Andreas Engelhardt, der in der Beteiligung an Sälzer die Erweiterung des eigenen Sicherheits-Produktportfolios sieht, bekräftigt sein Bekenntnis zum Standort Marburg: „Wir bei Schüco haben großen Respekt vor der Expertise und der Professionalität des Unternehmens und setzen weiterhin auf die Erfahrung von Herrn und Frau Sälzer und das Engagement der Mitarbeiter. Der Standort mit Produktion, Prüfanlagen und allen anderen Abteilungen bildet bei der Erschließung weltweiter Märkte die zentrale Basis.“

Sälzer entwickelt und vertreibt mit mehr als 100 Mitarbeitern Schutzkonzepte gegen Einbruch, Durchschuss, Explosion, Feuer und Rauch. Die Schüco-Gruppe entwickelt und vertreibt Systemlösungen für Fenster, Türen und Fassaden und verfügt weltweit über mehr als 4 900 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist in gut 80 Ländern aktiv und hat 2017 einen Jahresumsatz von 1,575 Milliarden Euro erzielt.

von Andreas Schmidt