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Marburg Der Altkanzler, die Liebe und Marburg
Marburg Der Altkanzler, die Liebe und Marburg
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20:01 27.05.2018
Mag die deutsche Küche: Südkoreanerin Soyeon Kim. An der Seite von Altkanzler Schröder besuchte sie die Olympischen Winterspiele. Quelle: Daniel Karmann

OP: Frau Kim, denken Sie ab und zu noch an Marburg?
Soyeon Kim: Ja. Ich denke mit guten Gefühlen an Marburg. Denn ich habe neben meiner wissenschaftlichen Arbeit im Studium viele deutsche Freunde und Freunde aus aller Welt kennengelernt.

OP: Was hat Sie damals als Germanistik-Studentin nach Marburg verschlagen?
Kim: Marburg ist eine der ältesten Universitäten in Deutschland mit einer guten Germanistik-Fakultät. Sie wissen, ich habe in der Großstadt Seoul gelebt und mich hat das Leben in einer deutschen Mittelstadt mit seiner alten Struktur und seiner Tradition besonders interessiert.

Im Januar gaben Kim und Alt-Kanzler Schröder auf einer Pressekonferenz in Seoul ihre Verlobung bekannt. Foto: Ahn Young-Joon

OP: Wo haben Sie in der Universitätsstadt gewohnt?
Kim: Damals habe ich in einem Studentenwohnheim gelebt.

OP: Wie kamen Sie hier an Kimchi (Anm. d. Red.: koreanisches Nationalgericht)?
Kim: Kimchi hat mir meine Mutter, von ihr selbst zubereitet, gelegentlich geschickt.

OP: Welchen hiesigen Brauch empfanden Sie als Südkoreanerin besonders befremdlich?
Kim: Ich war aufgeschlossen genug, um auf die deutsche Kultur insgesamt neugierig zu sein, und mich ohne Vorurteile in das Marburger Studentenleben zu integrieren. Ich will gerne hinzufügen, dass mein Marburger Umfeld, ob studentisch oder nicht, mich sehr freundlich behandelt hat. Ich erinnere mich vor allem an Elisabeth, die mich gelegentlich bekocht hat. Auf diese Weise habe ich auch deutsches Essen durchaus genießen können.

OP: Gibt es eine Gepflogenheit, die Sie hier übernommen und in Südkorea nicht wieder abgelegt haben?
Kim: Meine Marburger Zeit hat mich auch dazu bewogen, meine Arbeit als Dolmetscherin und später als Repräsentantin von NRW.Invest den deutsch-koreanischen Beziehungen zu widmen. Alles, was ich in Marburg gelernt und erfahren habe, hat mir geholfen, meine Arbeit so gut wie möglich zu machen.

OP: Haben Sie noch Kontakt zu Freunden oder Bekannten aus Ihren Studententagen in Marburg?
Kim: Ja, ich habe noch Kontakte zu einigen Menschen, die ich in Marburg kennengelernt und mit denen ich Freundschaft geschlossen habe. Dazu gehören eine Freundin, die inzwischen wieder in Zürich lebt, aber auch japanische Freundinnen, die inzwischen wieder in ihrer Heimat leben.

OP: Werden Sie eines Tages wieder vorbeischauen?
Kim: Das werde ich sicher mal wieder tun. Ich freue mich heute schon darauf, die Kontinuität aber auch die Veränderungen in Marburg zu sehen.

Kim und der Ex-Kanzler

Altkanzler Gerhard Schröder (74) und Dolmetscherin Soyeon Kim (48) sind seit acht Monaten regelmäßig in den Schlagzeilen. Im September wurde ihre Liaison publik, im Mai sollen sie laut "Neue Presse” heimlich geheiratet haben. Dazwischen sah man Kim und Schröder um die Welt jetten: Moskau, Pyeongchang, Berlin – und immer lächelten sie in die Kameras.

Kennengelernt haben sich die beiden diversen Medienberichten zufolge bei der Arbeit.Schröder arbeitet seit dem Ende seiner politischen Karriere für russische Energiekonzerne. Derzeit ist er Aufsichtsratschef des russischen Öl-Riesens Rosneft. Laut „Bild” traf er Kim 2016 bei einem internationalen Manager-Meeting – sie übersetzte dort für ihn.

Kim ist Dolmetscherin und arbeitet als Repräsentantin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW.Invest. Deutsch lernte sie unter anderem 1995 in Marburg. Laut „Bunte“ studierte sie damals Germanistik, Volkswirtschaftslehre und Japanologie.

Kim hat aus ihrer ersten Ehe eine Tochter, Schröder aus seiner vierten Ehe mit Doris Schröder-Kopf zwei Adoptivkinder; die Ehe wurde im April geschieden.

Schröder und Kim haben ihre Eheschließung noch nicht bestätigt, aber bekannt gegeben, dass sie gemeinsam in Korea und Deutschland leben wollen, in Berlin, Hannover und Seoul. Und Marburg kann offenbar mit einem Besuch rechnen. (fgk/dpa)

von Friederike Heitz