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Bis sich alle vor Lachen kringeln

Marburger Kabarettherbst Bis sich alle vor Lachen kringeln

Er ist einer der beliebtesten deutschen Kolumnisten: Axel Hacke. Im KFZ stellte er alte und neue Texte vor – sehr zum Vergnügen des Publikums.

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Axel Hacke braucht nicht viel: einen Stuhl, einen Tisch und seine Bücher.

Quelle: Julia Mädrich

Marburg. Seit 25 Jahren schreibt Axel Hacke für das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Mittlerweile auf mehr als 1000 Kolumnen über Gott und die Welt. Mit seinem Programm „Axel ­Hacke liest“ tourt der Schriftsteller ­zurzeit durch Deutschland und begeistert Leser und Zuhörer ­jeder Altersklasse.

„Ich freue mich, mal wieder in Magdeburg zu sein“, begrüßt Hacke am Dienstag das Publikum im voll besetzten Saal, korrigierte sich mit einem verschmitzten Grinsen und setzte ein Pokerface auf, das seinen trockenen Humor untermalt. Er greift zu einem von Büchern belagerten kleinen Tisch, sucht eins aus und beginnt zu lesen. Was genau Hacke liest, vermag vorher niemand so richtig zu sagen. Aus einem reichen Fundus von Geschichten aus dem Alltag einer kleinen Familie über falsch verstandene Liedtexte bis hin zur Begegnung mit einem machtlosen Gott ergeben sich im Grunde auch ziemlich viele Möglichkeiten, den Abend zu gestalten. Hacke entscheidet sich schließlich für eine Sammlung seiner Kolumnen mit dem stolzen Titel „Das Kolumnistische Manifest“.

Was ist heute noch Anstand?

Er liest von den Alltags-Faulheiten eines Familienvaters, von kommunikativen Problemen in jeder Beziehung und verknüpft seine witzigen und heiteren Texte auf einfallsreiche und dennoch simple Art und Weise mit Fragen und Gedanken, die jeder schon einmal gedacht hat. Was ist eigentlich das Diesseits und was ist das Jenseits? Wann beginnt die Vorweihnachtszeit und bis wohin geht die Nachweihnachtszeit? Und wieso beginnen die Namen der letzten Kanzlerkandidaten der SPD eigentlich alle mit einem „Sch“? Zwischen lebhafter Lesung und sachlichen Feststellungen begeistert Hacke mit humorvollen Erzählungen aus dem Leben ­eines Schriftstellers und originellem Wortwitz.

Etwas ernster wird der Autor bei der Vorstellung seines aktuellen Buches „Über Anstand in schwierigen Zeiten und der Frage, wie wir miteinander umgehen“. Was ist heute noch Anstand?, fragt sich der Ich-Erzähler in einer tiefgründigen Unterhaltung mit einem guten Freund. „Ist Anstand ein Sinn für Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness? Fehlt uns im ­täglichen Lebensgewurschtel nicht manchmal ein wenig Pathos? Ein Ideal, für das es sich zu Leben lohnt?“

Spitzfindig fordert Hacke dazu auf, mehr nachzudenken, miteinander zu reden und nicht alles einfach so hinzunehmen. Geschickt verknüpft er seine Grübeleien mit wortakrobatischen Höchstleistungen, zeigt sich vielfältig mit politischer ­Satire und intellektueller, manchmal staubtrockener Komik.

„Lebendiges und aufmerksames Publikum“

Mit Auszügen aus „Der weiße Neger Wumbaba“ erreicht die Lesung ihren komödiantischen Höhepunkt. Dieses Buch handelt von missverstandenen Songtexten, die Leser ihm eingesendet hatten. So wird aus „Wo sind meine großen Helden hin?“ aus Julis „Dieses Leben“ plötzlich „Wo sind meine hellen Pillen hin?“ Und aus dem Zitat „Aus den Wiesen ­
steiget der ­weiße Nebel wunderbar“ des bekannten Kinderlieds „Der Mond ist aufgegangen“ wird „Der weiße Neger Wum­baba“. Hacke liest, bis sich das Publikum vor Lachen kringelt und wird zum Ende seines Programms mit viel Beifall beklatscht.

„Es ist für mich immer ein schönes Erlebnis, meine Bücher zu lesen und direkt sehen zu können, wie das Publikum reagiert“, sagt Hacke später. „Vom Marburger Publikum war ich sehr positiv überrascht. Es war ein unheimlich lebendiges und aufmerksames Publikum, das jede noch so kleine Anspielung in meinen Texten mitbekommen hat.“

von Julia Mädrich

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