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Schnell, laut und auch ein wenig albern

Macbeth-Inszenierung Schnell, laut und auch ein wenig albern

Brachiale Musik, schwitzende Männerkörper, skurrile Dämonen, ekstatischer Tanz: Es ist eine wüste, auf dunkle Weise energiegeladene Welt, die Regisseur Frank Panhans für seinen „Macbeth“ entstehen lässt.

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Noch ist ihre Liebe intakt, der Traum vom Königsein fast ein Spiel: LadyMacbeth (Franziska Knetsch) und Macbeth (Martin Maecker).Foto: Hessisches Landestheater

Marburg. Düster ist die Geschichte um Macbeth, dem drei Hexen nach einer siegreichen Schlacht prophezeien, er werde einst König sein. Der Versuchung, dem Schicksal nachzuhelfen, kann er - zusätzlich getrieben von seiner Frau - nicht widerstehen. Doch mit dem Mord an seinem Gönner und König Duncan ist es mit Ruhe und Glück für Macbeth vorbei. Der Mord gebiert weitere Morde, der Freund muss als Mitwisser gemeuchelt werden, Feinde werden geschlachtet.

Und dieses Schlachten zieht sich als Leitmotiv durch das düstere Stück, das Panhans jugendkompatibel schnell, laut und manchmal auch ein wenig albern inszeniert. Das Spiel taumelt, so wie seine Akteure, zwischen überdrehter Komik, Euphorie, nackter Gewalt und Verzweiflung.

Schon zu Beginn toben die Schauspieler beim Ballspiel mit abgehauen Köpfen durch den Raum, und auch im Fortgang sind die Körper alles andere als unversehrt. Vom selbstbewussten Stolz Macbeths, der verspielten Hoffnungsfreude seiner Frau und ihrer beider Liebe bleibt nichts übrig.

Dabei zeigt Panhans sie nicht als Verkörperung des Bösen, sondern als zwei Menschen, die fast zwanghaft die Regeln ihrer Gesellschaft ausführen: Du hast die Möglichkeit, Macht zu erhalten - also musst du sie auch ergreifen, koste es, was es wolle. Wie aktuell das ist, ist in der Macho-Aggressivität der Figuren deutlich spürbar.

Martin Maecker ist ein Macbeth, der zwischen hüftwackelndem Rockstar und traurigem Clown changiert, Franziska Knetsch eine zu Beginn fast naive Lady Macbeth, die vom Fluch der bösen Tat in Erstarrung und dann in Wahnsinn getrieben wird. Nähe ist zwischen ihr und ihrem Mann außer in seelenloser Kopulation nicht mehr möglich. Doch Panhans arbeitet auch deutlich heraus, dass diese beiden keine Sonderstellung haben in ihrer Welt. Das Morden wird nicht aufhören, und Malcolm, der am Ende triumphierend die Krone aufsetzt, wird Schottland ganz gewiss auch kein gütiger Herrscher sein.

Der ehrwürdige Fürstensaal bildet einen reizvollen Kontrast zum schnellen, körperbetonten Spiel und den schweißglänzenden Körpern der Schauspieler - Stefan A. Piskorz, Jürgen H. Keuchel, Michael Köckritz, Charles Toulouse und Benedikt Keller teilen sich nicht weniger als 17 Rollen und sorgen über zwei Stunden ohne Pause für Tempo und Dynamik. Dem einen oder anderen im Publikum mag das Ganze zu laut und schrill gewesen sein. Gerade einem jüngeren Publikum dürfte dieser Macbeth trotz seiner „Geburt“ zu Beginn des 17. Jahrhunderts aber sehr nah kommen.

Die nächsten Aufführungen von „Macbeth“ gibt es am 25. und 26. September ab 19.30 Uhr.

von Heike Döhn

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