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Schillers Streit mit „Madame Luzifer“

Haus der Romantik Schillers Streit mit „Madame Luzifer“

Friedrich Schiller hat sie „Madame Luzifer“ genannt: Caroline Schlegel und der Dichter waren sich spinnefeind. Mit der schwierigen Beziehung zwischen den Frühromantikern und Schiller beschäftigt sich eine Ausstellung im Haus der Romantik.

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Gruppenbild mit Schiller: Professor Marita Metz-Becker (rechts) hat zusammen mit den Studenten André Becker und Sabine Borhau die neue Ausstellung im Haus der Romantik erstellt.Foto: Preussner

Marburg. Der Streit zwischen Schiller und den Romantikern um August Friedrich Schlegel und Caroline Schlegel entzündete sich vor allem an der Geschlechterfrage. Während Caroline Schlegel, die von 1789 bis 1792 in Marburg lebte, sich gegen festgelegte Geschlechterrollen wandte, hing Schiller einem sehr bürgerlichen und angepassten Frauenbild an.

Caroline Schlegel gehörte einer jungen Avantgarde an, die von der französischen Revolution begeistert war und die Idee von Freiheit und Gleichheit lebte. Schiller hingegen dachte eher konservativ und sah den Platz der Frau an der Seite des Mannes, im Haus und am Herd.

Die neue Ausstellung im Haus der Romantik widmet sich ab Mittwoch nun diesem schwierigen Verhältnis zwischen dem Dichter und den Frühromantikern.

Während die jungen Leute zunächst noch einen respektvollen Umgang mit Schiller pflegten, verschlechterte sich die Beziehung bald zusehends. In der Ausstellung sind etliche Schautafeln zu dem Thema zu sehen, darüber hinaus Briefe, Schriftstücke und Zeitschriften, aber auch Möbel und Alltagsgegenstände aus der damaligen Zeit. Eine Abschrift von Schillers Ballade „Die Glocke“ zeigt das Werk in seiner ganzen Länge, mit allen seinen 30 Strophen. Caroline Schlegel soll vor Lachen vom Stuhl gefallen sein, als sie das Gedicht zum ersten Mal hörte.

Ein weiterer Bereich der Schau im Haus der Romantik beschäftigt sich mit dem Schiller-Kult, der seit dem 19. Jahrhundert einen festen Platz in der deutschen Kulturgeschichte hat. Auch im 3. Reich wurde Schiller gefeiert, ebenso in der DDR. Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung Parodien zu Schiller. Schon zu Lebzeiten des Dichters gab es bissige Seitenhiebe zu seinen Werken, Schiller hat sich sogar selbst parodiert.

Die Ausstellung in Marburg ist in Kooperation mit dem Romantikhaus in Jena entstanden. Am Mittwoch, 7. November, wird sie um 19 Uhr eröffnet. Sie ist zum 10. Februar 2013 zu sehen. Die ursprünglich vorgesehene Ausstellung zu Rilke muss auf das Jahr 2014 verschoben werden. „Schiller und die Frühromantiker“ ist zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr (Markt 16).

von Bettina Preussner

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