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Schauspieler mischen sich ein

Hessisches Landestheater Marburg Schauspieler mischen sich ein

Sechs Mitglieder des Hessischen Landestheaters haben gemeinsam ein Stück erarbeitet, das rechtsextreme Tendenzen in unserer Gesellschaft beleuchten will. Sie wollen sich bewusst in den politischen Diskurs einmischen.

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Charles Toulouse (von links), Oda Zuschneid, Annette Müller und Agnieszka Habraschka in einer Szene aus „Wo geht‘s denn hier zum rechten Rand?“.

Quelle: Ramon Haindl

Marburg. Spätestens als die Mordserie von drei Neonazis publik wurde, die neun Menschen mit Migrationshintergrund und eine Polizistin umgebracht hatten, war der Aufschrei in Deutschland groß. Doch rassistisches Gedankengut ist sehr viel tiefer in der Gesellschaft verankert, als gemeinhin angenommen wird.

Dies ist die zentrale These eines kleinen Teams des Hessischen Landestheaters: Die Dramaturgin Eva Bormann, Regieassistent Marcel Franken sowie die Schauspieler Agnieszka Habraschka, Oda Zuschneid, Annette Müller und Charles Toulouse spüren in ihrer gemeinsamen Produktion „Wo geht‘s denn hier zum rechten Rand?“ rechtsextremen Tendenzen nach. Für sie ist die Bühne, ist das Theater als moralische Anstalt auch ein Ort der politischen Auseinandersetzung, ein Ort, der einen Diskurs anstoßen und ermöglichen soll.

Allein in Marburg gebe es rund 50 studentische Korporationen, geprägt werde das Bild aber vor allem von rechtskonservativen und deutschnationalen Burschenschaften, so das Team. Die Idee zu dem Stück kam ihnen vor etwa einem Jahr. Wie aktuell es ist, zeigt im Großen das sprachlose Entsetzen über die Neonazi-Mordserie, die im November bekannt wurde, und im Kleinen die Debatte über die Teilnahme rechtsnationaler Burschenschaften am Marktfrühschoppen, die einmal mehr das Stadtparlament beschäftigt. So sind Burschenschaften und die Neue Rechte neben „forschungsorientierten Aspekten“ Themen in der Produktion. Inhalt, Texte und auch die Bühne wurden von den sechs Initiatoren gemeinsam gestaltet.

„Der Nationalsozialistische Untergrund hat uns bei der Arbeit an dem Stück eingeholt“, sagt Eva Bormann. „Aber er ist keine Entwicklung aus dem Nichts.“ Rechtsextremes Gedankengut, rassistische Aussagen gehören zum gesellschaftlichen Alltag in Deutschland, sagt sie und verweist etwa auf Thilo Sarrazin.

Bedient hat sich das Ensemble in Zeitungen und im „tagespolitischen Geschehen“. Entstanden sind verschiedene Textformen – Dialoge, Monologe, lyrische Passagen, die in einer Art Szenencollage präsentiert werden und deutlich machen sollen, wie verbreitet Rassismus ist. So ist die Produktion „Wo geht‘s denn hier zum rechten Rand?“ ein explizit politisches Stück, das sich einmischen will in den politischen Diskurs.

„Wo geht‘s denn hier zum rechten Rand?“ hat am Sonntag um 19.30 Uhr in der Black Box des Hessischen Landestheaters (Theater am Schwanhof) Premiere. Theaterkasse an der Stadthalle, Telefon: 0 64 21/ 2 56 08.

von Uwe Badouin

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