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Marburg Schauerballade ganz modern
Marburg Schauerballade ganz modern
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19:42 21.03.2012
Das Agora-Theater aus St. Vith in Belgien begeisterte das Publikum mit einer sehr burlesken „Kohlhaas“-Version. Quelle: Willi Filz
Marburg

Das Agora-Theater ist Stammgast bei der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche. Immer gelingt es dem Ensemble, das Publikum zu überraschen mit witzigen, originellen und sinnlichen Inszenierungen. So auch am Dienstagabend: Fünf Darsteller präsentierten Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ als Schauergeschichte im Stil einer Jahrmarkts-Gauklertruppe.

Es geht um Recht, um Macht und Ohnmacht, um Willkür und Widerstand in dieser Geschichte des Pferdehändlers Kohlhaas. Ein Junker nimmt ihm zwei Pferde weg, reitet sie zuschanden und will sie nicht bezahlen oder ersetzen. Weil die da oben ohnehin zusammenhalten, kommt er damit durch.

Der tiefgläubige Kohlhaas, eine historische Figur aus dem frühen 16. Jahrhundert, zettelt einen Aufstand an und zieht mordend und brandschatzend durch die Lande. Am Ende wird er beim Agora-Theater auch mit Hilfe Luthers hereingelegt und hingerichtet.

Das ist die traurige Geschichte. Aber wie sie Regisseur Claus Overkamp mit seinem Ensemble auf die Bühne bringt ist ungemein unterhaltsam: Musik, ohnehin fester Bestandteil der Agora-Inszenierungen, spielt auch hier eine zentrale Rolle: E-Gitarre, Trommeln, Flöten, Akkordeon und jede Menge handgemachte Soundeffekte untermalen das Geschehen.

Immer wieder wird der Spiel- im-Spiel-Charakter betont, die Geschichte auf diese Weise gebrochen.

Hinzu kommen Jahrmarktselemente wie Schatten- und Puppentheater. Das Publikum darf mit Papierbällen auf den schäbigen Junker werfen – die Ziele werden auf einer Handpuppenbühne ausgestellt.

Die Charaktere sind bis ins Groteske überzeichnet – dennoch bleibt allem schrägen Witz die Tragik der Geschichte greifbar. Das wiederum ist große Kunst.

„Heute: Kohlhaas“ bot einmal mehr beste Theater-Unterhaltung. Ob es für den dritten Marburger Theaterpreis reicht, wird die Jury am Samstag ab 18 Uhr in der Bühne des Landestheaters bekannt geben.

von Uwe Badouin