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Satirische Lehrstunde in Sachen Finanzkrise

H.G. Butzko im KFZ Satirische Lehrstunde in Sachen Finanzkrise

Das angekündigte „Kumpel-Kabarett“ ist gar keins. Klar, H.G. Butzko lümmelt am Freitagabend mit Bierkrug und Batschkapp am Tisch herum und schnoddert schlecht gelaunt vor sich hin. Aber was er da bietet, ist klassisches politisches Kabarett, und zwar ziemlich gutes

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Mit Batschkapp und Bierkrug: HG. Butzko.Foto: Preussner

Marburg. Als Thema hat er sich eines unserer drängendsten Probleme heraus gepickt: die Banken- und Finanzkrise. Und dazu liefert er ein bitterböses und treffendes Lehrstück, bei dem man oft den Eindruck hat, vieles davon sei gar nicht so übertrieben.

Butzko setzt vor allem auf die Macht des Wortes. Wenige Kaspereien, kaum mimische und gestische Späße, meistens machte er sogar ein völlig unbewegtes Gesicht. Überhaupt ist der Mann nicht gerade ein Charmebolzen. Zunächst geht er auf die Banker los, die er harsch als „Tali-Banker“ und „Hackfressen“ bezeichnet, die mit ihrer „Zockerei“ „Schutzgelderpressung“ betreiben. Den Euro-Rettungsschirm beschreibt Butzko als „Reise nach Jerusalem“, bei der die Schulden von einem zum nächsten weitergegeben werden. „Und wer bleibt als letztes übrig?“, fragt er in die Runde. „Schaut mal zu Hause in den Spiegel!“

Mit den Ratingagenturen geht er ebenso hart ins Gericht. Sie seien „Zombies“, die in ihren Tarot-Karten wühlten und wild vor sich hin orakelten. Die Namen der großen Agenturen sprächen ja Bände, erklärte Butzko weiter, denn „Standard and Poor‘s“ mache uns ja alle „normalerweise arm“. Der Kabarettist erinnert auch daran, dass die Bundesbürger pro Kopf inzwischen 25000 Euro Schulden hätten. Nur bei wem? Da müsse man den Tag fürchten, an dem ein Mafiaboss vor der Tür stehe und sein Geld zurückfordere.

So kommt es, dass am Schluss im Publikum nicht nur lachende, sondern auch etliche nachdenkliche Gesichter zu sehen sind. Zur Auflockerung zeigt sich Butzko dann noch kurz von einer ganz anderen Seite. als strubbeliger Althippie, der „philosophische“ Fragen stellt wie „Ey Alter! Wie kommt der Schneepflug-Fahrer morgens zur Arbeit?“ und „„er stellt das Betreten-Verboten-Schild auf den Rasen?“ Ja, wer nur?

von Bettina Preussner

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