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Marburg BI Grüner Wehr bleibt skeptisch
Marburg BI Grüner Wehr bleibt skeptisch
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10:00 30.11.2018
Das Grüner Wehr in Marburg sollte nach Plänen der Stadt einem Neubau weichen, eine Bürgerinitiative will das verhindern und eine schonende Sanierung herbeiführen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

„Auf den ersten Blick könnten wir zufrieden sein“, sagte Bernard Conrads während der jüngsten Sitzung der Bürgerinitiative (BI) „Grüner Wehr“. Etwa fünfzehn Mitstreiter treffen sich jeden Montag. Sie und weitere Unterstützer haben im Frühjahr aufgedeckt, dass es sich bei den Planungen der Stadt um keine Sanierung, sondern um einen Abbruch des historischen Wehres und den Neubau eines Betonwehres handelt. „Wir haben damit für einen Break des Planungsverfahrens gesorgt“, betonte Conrads und ergänzte: „Das Thema Grüner Wehr hat einen hohen Bekanntheitsgrad in der Marburger Bevölkerung und darüber hinaus.“ Das beweisen auch die 4.000 Unterschriften, die die BI gesammelt hat, um den Neubau zu stoppen.

„Auf den zweiten Blick gibt es aber noch viele offene Fragen“, resümierte Conrads, der die Zusammenarbeit zwischen der BI und der Stadt lobte, das jüngste Gespräch im Oktober als „atmosphärisch und ergebnisreich“ beschrieb. Auch haben Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) in genau diesem Gespräch „mehrfach die partnerschaftliche Beteiligung betont.“

BI möchte Begleitplan einsehen

Und doch spürte der Beobachter eine gehörige Portion Skepsis was die Beteiligung der BI am derzeitigen Verfahren angeht. Da wird dem BI-Mitglied, welches an der derzeitigen­ ­Archivrecherche mitgearbeitet hatte, von der Stadt nahegelegt, sich aus der Recherche zurückzuziehen. „Warum? Das erschließt sich uns nicht“, so Conrads. Es stehen terminliche Abstimmungsschwierigkeiten im Raum, die es zu Anfang der Zusammenarbeit nicht gegeben hat. Des Weiteren fühlen sie sich nicht gut eingebunden, „weil Dinge seitens der Stadt nicht eingehalten werden“, sagte ­Ulrike Thomas. Seit Mai wartet die BI auf Antworten ihrer 31 formulierten Fragen. „Wir haben Verständnis dafür, dass die Stadt nicht alles sofort beantworten kann, aber gar nicht zu reagieren – das macht uns schon skeptisch“, ergänzte Thomas.

Auch die unterschiedlichen Auskünfte innerhalb der Stadtverwaltung sorgen für Unmut. „Die Spitze der Verwaltung ist konstruktiver, als die Kollegen in der Verwaltung, vor allem im Bauamt“, hatte unter anderem auch Edeltraut Niehoff festgestellt. Die Hinweise, welche nicht mehr zur Diskussion stehen würden, auf der Einladung zum Workshop fett zu drucken, empfand Jochen Anis als ­Affront. Er monierte ebenfalls, dass der BI der Landschaftspflegerische Begleitplan nicht ausgehändigt wird. „Darin ist der Ist-Zustand akribisch im Relief festgehalten. Flora, Fauna, einfach jedes noch so kleine Gehölz. Mit diesem Plan kann bei Veränderungen genau kontrolliert und verglichen werden“, betonte er, dass dieser Plan sehr entscheidend für zukünftige ­Sanierungsplanungen des Wehres ist.

Wunsch: Fischtreppe soll naturnah gebaut werden

Ebenfalls betonte er auch nochmal, dass die BI nicht ­gegen eine Fischtreppe ist. Diese soll aber naturnah gebaut sein. Es gäbe genügend Beispiele entlang der Lahn, wo derartige Treppen auch mit wenig Wasser auskommen und der „Natur genüge getan und das Landschaftsbild erhalten wurde.“ Edeltraut Niehoff ergänzte:­ „Wenn auf die Kanurutsche ­verzichtet wird, dann gibt es auch mehr Platz für die Fischtreppe.“
Unverständnis gibt es auch über die Wortwahl der Stadt in Sachen Gutachten. „Im Gespräch mit der Stadt war nie von einem ‚Kurzgutachten‘ die Rede. Jetzt wurde er durch das Bauamt wieder reaktiviert“, musste Conrads feststellen. Aber was bedeutet das jetzt? Die BI jedenfalls wünscht sich keine festgeschriebene Länge des Gutachtens, sondern Qualität.

Derzeit arbeiten Vertreter der BI an den Kriterien für die Ausschreibung des Interessenbekundungsverfahrens zur Gutachtersuche. Das ist so mit der Stadt abgesprochen. Ebenso­ die hochvertrauliche Beteiligung bei der finalen Fassung der Ausschreibung. Die Ergebnisse der Archivrecherche, die statt ­einem teuren archäologischen Gutachten beauftragt wurde (OP berichtete) und ja seit kurzem ohne BI-Beteiligung stattfindet, sollen Ende des ­Monats vorliegen und zeitnah präsentiert werden. Erst dann wird das Interessenbekundungsverfahren für einen unabhängigen Gutachter angeschoben.

von Katja Peters